LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Rund hundert Schüler der „Europaschule I“ packten beim Bau einer Solaranlage mit an

Die Temperaturen verlangten eher nach Badehose, als nach Warnweste und Schutzhelm, doch die Jugendlichen schienen die Hitze auf dem Dach der „Europaschule I“ schlicht zu ignorieren. Noch kurz vor dem Sonnenhöchststand schleppten sie Solarpaneele über das Flachdach, um „ihre“ Photovoltaikanlage zu montieren. In rotierenden Gruppen von jeweils zehn bis zwölf Mitstreitern nahmen und nehmen rund einhundert Schüler und Schülerinnen an diesem „Jugendsolarprojekt“ von Greenpeace teil. Es gab keine Schwierigkeiten, Freiwillige zu finden, die 15 und älter sein mussten. Obwohl es keine „Punkte“ für das Projekt gibt. Die größte Schwierigkeit war es, einen juristischen Kniff zu finden, damit die Jugendlichen überhaupt auf das Schuldach durften. Die aufwändige Sicherung des Dachs spricht Bände über die Vorgaben.

Ganz konkret geht es um den Bau einer Solaranlage mit einer Gesamtleistung von ungefähr 500 kW. Dafür sind rund 1.400 Paneele nötig, wovon etwa 500 durch die Schüler verlegt werden. Die Leistung der Anlage kann den Strombedarf von mehr als einhundert Vierpersonenhaushalten decken. Für diese Installation werden die Dächer von Kindergarten, Kantine und Sporthalle der „Europaschule I“ genützt. Unter Anleitung von zwei Monteuren und einem Coach von Greenpeace arbeiteten die Jugendlichen auf dem Dach der Vorschule. Auf den anderen Dächern waren ganz normale Monteure am Werk. Laut Greenpeace haben die Schülerinnen und Schüler alle ungefährlichen Arbeitsschritte - also ohne Arbeiten am Stromnetz - selbst durchgeführt. Von der Montage der Bodenschienen auf dem gekiesten Dach bis zur definitiven Verschraubung der Paneele.

Das gute Wetter ist bei diesen Arbeiten Segen und Last zugleich, daher ist der Arbeitsbeginn schon um 7.00 morgens und spätestens um 14.00 ist Schluss. Die Einbindung der Jugendlichen in den Bau der Anlage ist zwar ein Greenpeace-Konzept, wird aber durch den Klimafonds und die Bauverwaltung finanziert. Ungeklärt ist, ob die Europaschule den auf ihrem Dach gewonnen Strom direkt nutzen kann, oder ob der die gewonnene Energie ins öffentliche Netz eingespeist wird. Das Problem ist die gespaltene Struktur: Während die Gebäude dem luxemburgischen Staat gehören, ist der Schulbetrieb eine „EU-Verwaltung“.

Turmes auf dem Dach

Gestern besuchte Energieminister Claude Turmes zusammen mit der Schulleitung die Solarbaustelle auf dem Dach, um den Schülern und den Mitarbeitern von Greenpeace seine Anerkennung für dieses Projekt auszusprechen. Zunächst erklärte Schuldirektor Martin Wedel, dass es ein langer Weg war, um das pädagogische Projekt umsetzen zu können - Stichwort Sicherheit. Aber die Einbindung der Schüler in die praktische Arbeit sei eine gute Initiative von Greenpeace. Die Schüler könnten so Einblicke außerhalb des Schulalltags gewinnen.

Energieminister Claude Turmes, der sich selbst scherzhaft als „Sonnenminister“ bezeichnete, sprach ebenfalls von einem langen Weg, der beschritten werden musste. Er lobte aber die Initiative der Schule dieses Projekt zu unterstützen. In Abstimmung mit Bildungsminister Claude Meisch wolle man auf so vielen Schulen wie möglich Solaranlagen bauen und überall da, wo es die Sicherheit zulässt, sollten die Schüler auch praktisch am Aufbau beteiligt werden. Turmes wiederholte sein Credo, dass Solarenergie die Energie der Zukunft ist. Das Engagement der Jugend in Sachen Solarenergie sei „super“, meinte Turmes abschließend.