LUXEMBURG
PATRICK VERSALL

„My Own Man“ von David Sampliner

Ich bin kein Alphamännchen, oder?“ „Nein, das bist du nicht!“. Die Antwort, die David Sampliners bester Kumpel ihm ins Gesicht schmettert ist ehrlich, direkt und tut weh. Wenn auch nur dem US-amerikanischen Filmregisseur, der das Gefühl hat, als Mann versagt zu haben, oder zumindest glaubt, nicht über alle wichtigen Charakterzüge zu verfügen, die einen richtigen Mann ausmachen. Er könne anderen seine eigene Meinung nicht aufdrängen, habe als Jugendlicher Auseinandersetzungen mit seinem patriarchalischen Vater gescheut, erzählt der Filmemacher vor der laufenden Kamera.

Der Dokumentarfilm „My Own Man“, der vor einem Monat offiziell in den Vereinigten Satten vorgestellt wurde, kann man mit einer Praxiscouch vergleichen, auf der der Filmregisseur während 80 Minuten Lösungen für seine Probleme sucht. Lösungen, die, so der Regisseur, notwendig seien, um einen guten Vater für seinen Sohn zu sein. Als Therapeuten treten seine Frau, seine Eltern, seine Geschwister und Freunde sowie die Mitglieder einer Selbsthilfegruppe auf, die sich aus Männern unterschiedlichen Alters zusammensetzt, die alle unter der dominanten Erziehung des eigenen Vaters gelitten haben.

Annäherung an den Vater

Samplingers eigentliches und einziges Problem ist jedoch lediglich, dass er sein Leben lang seinem Vater dessen Erziehungsmethoden vorgeworfen hat. In einem sehr emotionalen Brief, den der Regisseur an den Familienvater geschrieben hat und aus dem im Film ein paar Zeilen vorgelesen werden, erklärt der Filmemacher: „Ich habe nie meinen Teil der Verantwortung in unserer Beziehung übernommen, sondern dir nur vorgeworfen, wie du mich behandelt hast.“

Sampliners Film ist eine Annäherung an seinen Vater, mit dem ihn fast vier Jahrzehnte lang quasi nur der Familienname verband. Mehr aber auch nicht. Der Amerikaner befasst sich in seinem Werk nicht mit den Rollen des Mannes in der modernen westlichen Gesellschaft. „My Own Man“ blickt ausschließlich auf die Biografie des Filmemachers, dies ist der wunde Punkt des Dokumentarfilms. Sampliners Arbeit ist kein Film , den man sich nach Hause bestellen muss.


„My Own Man“ ist eine Netflix-Produktion - www.netflix.com