EHLINGEN
JEFF KARIER

Kevin Wafflart wurde für seinen Cocktail mit einer Goldmedaille ausgezeichnet

Etwas versteckt liegt sie schon, die „Bar: Bar“. Im Herzen der Ortschaft Ehlingen, im ersten Stock des neuen „Centre de rencontre“, bekommen die Gäste hochwertige Cocktails in einem angenehmen Ambiente mit einer detailverliebten Inneneinrichtung serviert. Die Bar ist auch der Sitz des luxemburgischen Barmannverbandes „Association Luxembourgeoise des Barmen“. Diesem Verband gehört auch Kevin Wafflart an. Er ist Barmann der „Bar: Bar“, mixt aber auch auf Wettkämpfen seine Drinks und das sogar sehr erfolgreich. Denn vor einigen Wochen wurde er mit einer Goldmedaille für das gekonnte Mixen einer seiner Kreationen ausgezeichnet.

Erfrischender Gewinner

„OFTD“ heißt der Cocktail, der die Jury der „Gang-Dou Asia Cocktail Competition“ überzeugen konnte. „Er besteht aus Rum, Orangenlikör, einem Sirup, einem eigenen Aperol Spritz-Mix sowie aus Limettensaft und etwas Bitter“, erklärt Wafflart. Der Name des Drinks ist eine Abkürzung und bedeutet „Overproof Family Team Dudelange“, eine Anspielung auf einen Rum, den Freunde von ihm sehr mögen. Es ist ein erfrischender Cocktail mit einer feinen Säure und leichten Aromen von Orangen.

Die Einladung mit den Vorgaben für den Wettbewerb erhielt der Barmann im Juni vergangenen Jahres und machte sich ans Ausprobieren. „Ich hatte schnell eine Idee von dem, was ich machen wollte, brauchte aber ein paar Wochen um das Rezept zu perfektionieren.“ Als Verkoster stand ihm der Verbandschef Luxemburgs, Ludovic Frisoni, zur Seite.

Auch technisch gefordert

Nachdem das Rezept angenommen wurde, machte sich Wafflart ans Training. „Das waren rund drei Monate, in denen ich alles bis ins kleinste Detail trainiert und verinnerlicht habe.“ Denn bei dem Wettbewerb kommt es nicht nur auf den Geschmack sowie Originalität des Cocktails an, sondern auch die Technik des Teilnehmers wird bewertet. „Geht etwa ein Tropfen daneben, gibt es Punktabzug.“ Der eigentliche Wettbewerb fand am 30. November statt. Als 19. präsentierte Wafflart auf der Bühne vor der Jury und einem Publikum von hundert Personen seinen Cocktail. „Ich hatte sieben Minuten Zeit, um fünf Gläser für die Juroren vorzubereiten.“ Bereits bei der Ausarbeitung seines Rezepts Wochen zuvor rechnete er diese Vorgabe mit ein. Denn ein zu komplexes oder zeitaufwendiges Rezept könnte zum Verhängnis werden.

Um sich an die Zeitverschiebung zu gewöhnen, waren Wafflart und Frisoni, der als Juror in einer der Kategorien fungierte , bereits einige Tage früher angereist und blieben auch etwas länger. Denn solche Wettbewerbe sind eine Möglichkeit, um Luxemburg nach außen zu repräsentieren, da sich hier die Welt der Barmänner trifft. Es wurden neue Kontakte geknüpft und Ideen ausgetauscht. „Ich wurde nach meiner Auszeichnung bereits zu anderen Wettbewerben eingeladen“, erzählt Wafflart.

Aufgrund der positiven Resultate - auch andere Barmänner aus Luxemburg sind erfolgreich unterwegs - ist somit die Aufmerksamkeit der luxemburgischen Barkultur im Ausland bereits merklich gestiegen. Auch Sponsoren haben ihr Interesse angemeldet. „Diese sind für uns wichtig, da wir bisher die Reisen zu den Wettbewerben und anderes oft aus eigener Tasche bezahlen mussten oder der Verband übernahm die Kosten.“ Das sei ein gewisser Nachteil gewesen und könnte sich jetzt ändern.

Klassiker werden beliebter

Doch was trinkt ein Barmann wie Wafflart selber gerne? „Zu meinen Lieblingscocktails gehört der Porto Flip“, meint er. Bei diesem handelt es sich um einen Cocktail aus dem 19. Jahrhundert, der aus Brandy, Portwein und einem Eigelb gemixt und mit etwas Muskatnuss abgerundet wird. Wafflart sei aber auch einem Old Fashion nicht abgeneigt. Er scheint vor allem von klassischen Cocktails angetan zu sein. Viele von diesen würden auch in Luxemburg immer mehr gefragt werden. „Einige sind durch Filme oder Serien wieder populär geworden. Aber insgesamt stelle ich fest, dass die luxemburgische Kundschaft immer offener für Neue oder viel mehr Altes ist.“

Wafflart beherrscht rund 120 Cocktails. „Hinzu kommen die verschiedenen Varianten, die es von einigen gibt“, präzisiert er. Einige Cocktails wurden im Laufe der Zeit immer wieder abgeändert und angepasst, um etwa auf Veränderungen im Geschmack der Kunden zu reagieren. Dies zeigt, wie groß die Bandbreite an diesen alkoholischen Getränken ist und wie kreativ der Job eines Barmannes sein kann. Denn es kommen auch immer wieder neue Produkte auf den Markt, die sich für neue Kreationen anbieten. „Einige Marken veranstalten eigene Wettbewerbe, bei denen man dann Cocktails mit ihren Produkten mixen muss.“ Und für den jungen Barmann stehen die nächsten Wettbewerbe bereits fest. So wird er demnächst unter anderem an einem in Singapur teilnehmen.