MUNSBACH
CORDELIA CHATON

Logistiker in Munsbach öffnete am „Tag der Logistik“ erstmals sein Warenlager

Wer in die Halle kommt, muss Farbe bekennen: grün (ich bin gut drauf), gelb (geht so) oder rot (geht gar nicht) sind die kleinen Magnete gefärbt, die die Mitarbeiter hinter entsprechende Smileys unter die Überschrift „Mood“ setzten. Dann weiß der Vorarbeiter schon, wie die Stimmung ist. Heute sind fast alle gut drauf. „Wenn das nicht der Fall ist, ist Zeit für Gespräche“, erklärt Thomas Ehlen, Head of Logistics bei Panalpina.

Ehlen führte gestern Interessierte anlässlich des „Tages der Logistik“ durch das Warenlager in Munsbach. In Luxemburg wird der europaweite Tag vom „Cluster for Logistics“ koordiniert. Auch CFL Multimodal und der Freeport haben ihre Türen geöffnet. Panalpina jedoch ist erstmals dabei. Der weltweit vertretene Transport- und Logistikdienstleister hat sich in Munsbach auf rund 10.000 m² beim Spediteur Wallenborn eingemietet. 73 Mitarbeiter arbeiten in dieser Geschäftseinheit, 120 weitere am Flughafen.

Geteiltes Lager

Das Lager ist in zwei Hälften geteilt. „Ein Bereich wird für komplexere Logistik genutzt, der andere dient als Transit für die Luftfracht“, erklärt Ehlen. Der Tag für die Mitarbeiter beginnt mit einer zehnminütigen Besprechung, bei der sie sich über die Arbeitsteilung absprechen. „Jeder, der hier arbeitet, wird überwacht“, sagt Ehlen und deutet auf die Kameras, die von der Decke hängen. Das sei aus Sicherheitsgründen notwendig. So kann einem Kunden, der behauptet, etwas sei nicht im Karton gewesen, genau nachgewiesen werden, was wann wo gepackt wurde. Auch Langfinger werden abgeschreckt. „Wir mussten noch nie Entschädigung leisten“, kommentiert der Logistik-Leiter. Die Kameras haben auch Sicherheitsgründe. So verlangt ein Automobilzulieferer, die Teile bis zum Granulat zurück verfolgen zu können. Deshalb muss auch Panalpina genaue Daten zur Verfügung stellen. Die werden lange aufbewahrt - rund zehn Jahre, ähnlich wie bei einer Bank. „Damit wir ganz sicher sind, werden wir zwei-bis dreimal im Jahr ohne vorherige Ankündigung getestet. Dann versucht beispielsweise ein Lieferwagen, direkte Zufahrt ins Lager zu erhalten“, erklärt Ehlen der Gruppe während der Führung.

Umpacken für Webshops

Panalpina arbeitet mit rund 30 festen Kunden, meist Geschäftskunden. Für einige von ihnen werden im Lager die Pakete für Endkunden gepackt, beispielsweise für einen Webshop, der von der Duschkabine bis zu Gartenartikeln alles im Angebot hat. Ein anderer Anbieter hat als Service gebucht, dass Panalpina Mitarbeiter Handys mit zur Verfügung gestellter Software für den britischen Markt umprogrammieren. „Nahrungsmittel verarbeiten wir hier übrigens keine“, stellt der Manager klar. Dennoch stehen vor den Notausgängen und an anderen Orten insgesamt 60 Mausefallen. „Wir fangen sie lebend - aber meist nicht mehr als zwei pro Jahr“, versichert Ehlen mit Blick auf die silbrigen Boxen in Schuhkartongröße.

Im Lager ist es relativ kühl, schon um die Mitarbeiter nicht ins Schwitzen zu bringen. „Auf dem Dach haben wir übrigens die größte Photovoltaik-Anlage Luxemburgs, die rund ein Gigawatt liefert. Sie hält auch die Sonne ab“, weiß Ehlen.

Regelmäßig ist der Zoll zu Gast bei Panalpina. Der kann neben Fahrzeugen, die aus den USA importiert wurden, auch Alkohol oder leere Plastikflaschen prüfen. „Die braucht die Pharmaindustrie - und deshalb darf die Verpackung keinen Schaden nehmen“, versichert der Logistik-Leiter. Bei der Verpackung hat sich Panalpina etwas einfallen lassen: Kartons, die früher Abfall waren, werden jetzt geschreddert und perforiert zu Verpackungsmaterial. „Dadurch sinkt der Anteil der gepolsterten Plastikfolie und der Styroporchips“, freut sich Ehlen.

Manche Palette hat einen Wert von einer halben Million. Besonders kostbare Ware kommt deshalb in einen Käfig, wo sie unter den Blicken eines Mitarbeiters kameraüberwacht lagert. „Der Kunde erhält vor dem Absenden Fotos, mit denen wir den Zustand der Verpackung dokumentieren“, sagt Ehlen. Ein Logistik-System mit Etiketten sorgt für weitere Nachprüfbarkeit. Gibt es keine Übereinstimmung, blockiert beispielsweise der Scanner.

Täglich durchwischen

Am Ende jeder Schicht sind jeweils zwei Mitarbeiter dafür zuständig, ihren Lagerbereich mit einem speziellen Öl-Wischmopp zu säubern, der Staubflug verhindert. „Die Ware hier ist sehr empfindlich“, sagt Ehlen mit Blick auf den blitzsauberen Boden. „Und die Mitarbeiter haben auch bemerkt, dass sich das auf die Luftqualität auswirkt.“ Die Besucher sind beeindruckt, Ehlen zufrieden. Es war eine gelungene Premiere. Die Besucher haben noch Fragen zur See- und Luftfracht, zu Bürgschaften und Kosten von Fahrzeugimporten. Ehlen beantwortet alles geduldig. Er kann sich gut vorstellen, nächstes Jahr wieder die Tore zu öffnen.