LUXEMBURG
LJ

In der Hauptstadt bereitet man sich auf die Grundschulöffnung vor

COVID-19 war erneut Thema im gestrigen Gemeinderat in der Hauptstadt. Allein fünf verschiedene Dringlichkeitsfragen gab es zu diesem Thema, insbesondere was die bevorstehende Wiedereröffnung der Grundschulen anbelangt. Die zuständige Schöffin Colette Mart konnte darauf verweisen, dass der Schöffenrat noch am selbigen Morgen einen „Plan de reprise“ angenommen habe. Dieser steht natürlich in Konformität mit den staatlichen Vorgaben, wonach nur die eigentlichen Schulkurse von 8.00 bis 13.00 für die jeweilig betroffene Gruppe Schüler obligatorisch sind. An den Nachmittagen und Schultagen ohne Kurse können die Kinder auf Wunsch der Eltern betreut werden.

So sollen 450 Kindergruppen unter der Ägide der „Foyers scolaires“ der Hauptstadt funktionieren. Dabei werden 300 Erzieher aus dem „Stammpersonal“ dieser Dienststelle zur Betreuung herangezogen sowie 25 Personen aus anderen Dienststellen mit ähnlicher Ausrichtung, 84 Betreuer sollen aus dem vom Erziehungsministerium aufgestellten Pool hinzukommen. 46 Gruppen werden in privaten Betreuungseinrichtungen aufgenommen. Im Unterricht werden unterdessen circa hundert Lehrpersonen zusätzlich aus dem nationalen Pool gebraucht.

Die Spielplätze an den Schulen und Betreuungsstätten werden, so wie national vorgesehen, für die Kinder geöffnet, die die jeweiligen Schulen auch besuchen. Schule, Betreuung und Essen finden allesamt im gleichen Raum statt, die Kinder sollen indes, soweit möglich, nachmittags an die frische Luft. Eine Aufsicht im Schulhof wird, so wie dies in der Vergangenheit der Fall war, lediglich zehn Minuten vor Schulbeginn angeboten. „Vu 7 Auer uns, dat hätte mer net stemme kënnen“, so Lydie Polfer zu diesem Punkt. Zwischen 12.50 und 13.00 lösen die Erzieher dann die Lehrer bei den Kindern ab.

In den kommunalen Kitas (Crèches) kann nur etwa die Hälfte der Kinder aufgenommen werden, dies in Gruppen von bis zu fünf Kindern. Deshalb wurde entschieden, Kleinkinder bis ein Jahr nicht zu betreuen. Hier soll der Familienurlaub greifen.

18 Mietwohnungen auf Limpertsberg

Bei zwei Enthaltungen seitens Déi Lénk, hieß der Gemeinderat den Bau von zwei Wohngebäuden im Rahmen des Teilbebauungsprojekt Jos Hansen auf Limpertsberg gut. Die 18 Wohnungen unterschiedlicher Größe in der Rue Antoine Hirsch sollen zu annehmbaren Preisen vermietet werden.

Déi Gréng forderten, das Projekt müsse in Sachen Elektromobilität und Parkraum für Fahrräder nachgebessert werden, der zurzeit vorgesehen Raum von 20 Quadratmetern reiche nicht aus, und sei auch nicht mit Stromanschlüssen ausgestattet. Ihrem Wunsch soll Genüge getan werden, sah Bürgermeisterin Polfer doch kein Hindernis für geringfügige Anpassungen. Was die fehlende Photovoltaikanlage und Regennutzung anbelangt, so gäbe es hierfür sicherlich eine stichfeste Erklärung, die sie nachreichen werde, meinte sie. Auf die Frage von Rat Foetz, wieso keine Ausschreibung unter den Architekten für dieses Projekt stattgefunden habe, gab es keine Antwort. Kostenpunkt des Baus: 7,3 Millionen Euro.

…und Schulausbau auf Kiem

Alle Räte waren mit dem Ausbau der Schule auf Kiem einverstanden, der mit über 26 Millionen Euro zu Buche schlagen wird. Neben der Steigerung der Zahl der Klassensäle von 7 auf 18, werden eine kommunale Betreuungsstätte für 250 Kinder, zwei Küchen und eine Pförtnerwohnung eingerichtet. Schule und Foyer scolaire werden miteinander verbunden und die gleichen technischen Einrichtungen sowie Sanitäranlagen benutzen. Bis zum Schulanfang 2022-2023 soll der Anbau fertiggestellt sein. Bis dahin soll der bestehende Bedarf an Schulraum durch Container, die von Hollerich nach Kiem wandern, abgedeckt werden. Rat David Wagner (Déi Lénk) erinnerte daran, dass das Projekt 2017 zurückgesetzt wurde, und eigentlich aktuell bereits fertiggestellt sein könnte. Wertvolle Zeit sei verloren gegangen, fand er.

Ohne größere Debatte verabschiedete der Gemeinderat die Kostenvoranschläge für Instandsetzungsarbeiten und dem Anpflanzen neuer Bäume an den Boulevards Servais und Eyschen (Kostenpunkt: 4,5 Millionen Euro), sowie in der Rue Van der Meulen (Kostenpunkt: 1,2 Millionen Euro).

Schützenswert oder nicht?

Nicht mit der Mehrheit im Gemeinderat einverstanden waren die Räte von Déi Gréng, LSAP und Déi Lénk, in Bezug auf das negative Gutachten des Rats infolge des Vorschlags der Kulturministerin, die Häuser 12 und 22 in Rue Jean l’Aveugle auf Limpertsberg unter Denkmalschutz zu stellen. Mittlerweile habe man die ganze Straße, in der sich ältere Häuser und Wohngebäude aus den 60-70er Jahren abwechseln, durch, meinte Lydie Polfer.

Die Argumente, weshalb man die von der Kulturministerin vorgeschlagene Klassifizierung ablehne, blieben dabei immer die gleichen: Bei der Neufassung des Allgemeinen Bebauungsplanes habe niemand dafür plädiert, die Rue Jean l’Aveugle anders einzustufen, als es einst der Vagoplan getan habe. Eines der betroffenen Häuser gehöre der Stadt, die eigentlich nicht vorhabe, es abzureißen, fügte sie besänftigend an. Ohnehin käme es, nicht diese, sondern andere Häuser in dieser Straße betreffend, zum Prozess. Danach habe man wohl Klarheit. Auch habe sie das Abfotografieren sämtlicher unter Denkmal stehender Häuser und Gebäude in der Hauptstadt in Auftrag gegeben - also einem Drittel aller Bauten, so Polfer.

In punkto Eintragung mehrerer Gebäude auf Nummer 10, rue München-Tesch, auf das Zusatzinventar der schützenswerten Denkmäler, gingen die Räte darin einig, ein positives Gutachten abzugeben. Hierzu meinte Rat Foetz, die Eintragung in diese Liste gewähre ohnehin kaum Schutz. Auch sei nicht der Schutz der alten Häuser der Grund für den Wohnungsmangel, sondern die Neubauten, wo viel zu viel Raum für Bürofläche benutzt werden könne, wie in Gasperich oder auf Kirchberg zu sehen. Bürgermeisterin Polfer konterte, dass die Teilbebauungsprojekte in diesen Stadtvierteln vor mehr als zehn Jahren vom Gemeinderat verabschiedet worden seien - womit man sehe, welch große Verantwortung man trage.

Nächste Woche will der Gemeinderat in seiner Sitzung endlich eine Motion über die Hilfe an Geschäfte, Hotels und Restaurants auf dem Stadtgebiet verabschieden. Derweil will man über ein Konzept, das Fußgängern und Radfahrern mehr Platz im öffentlichen Raum zugesteht, so wie von Grünen-Rätin Gaasch angeregt, erst später nachdenken. Vor Juli, wie gefordert, könne dies angesichts der aktuellen Lage nicht stattfinden, so Polfer, da werde die Rätin sich ein wenig gedulden müssen, ihr Vorschlag werde aber nicht vergessen.