LUXEMBURG
DANIEL OLY/JEFF KARIER

Streaming-Dienste bieten Unterhaltung nach Maß - eine Revolution

Schon 1997 wusste der Kabelsender HBO in den USA, wohin der Trend gehen könnte. Der Slogan damals: „It’s not TV - it’s HBO“. Statt Durchschnitts-Programm und Werbung eher Hochwertigkeit und die Möglichkeit für Zuschauer, besser über die Inhalte entscheiden zu können, samt Inhalten aus eigener Produktion. Auf unterschiedlichen Kanälen liefen dann genau die Inhalte im Programm, die der Zuschauer gerade sehen wollte. Der technische Fortschritt bot schließlich „Video on Demand“ - und der Zuschauer konnte frei entscheiden, wann er was sehen wollte.

Die Idee wurde schließlich vom Internet-Streaming perfektioniert. Abspielen, abrufen und pausieren wann, wo und so oft man will; der Nutzer kann freier denn je entscheiden, was er sehen möchte und in welcher Frequenz. Streaming-Dienste wie „Netflix“ oder Amazons „Prime“-Videodienst bieten statt normalem Fernsehinhalt Programm nach Maß, der Zuschauer hat die volle Kontrolle darüber, was geschaut wird oder wie lange das Programm läuft. Das „Binge-Watching“, der Konsum einer Serie (teilweise mit mehreren Staffeln) in einem großen Block, wäre sonst vermutlich nicht möglich. Bequemer als das ständige Wechseln von DVD-Medien ist es ohnehin. Mit großem Erfolg: Immer mehr Nutzer und Abonnenten geben den Streaming-Diensten weltweit Recht, die vielen neuen Inhalte aus eigener Produktion auch. Gefühlt über Nacht haben sich Anbieter wie „Netflix“ zu einer waschechten, wichtigen Produktionsfirma gemausert.

Gleichzeitig macht es das normale Fernsehprogramm fast überflüssig - wer keine Nachrichten braucht und auch sonst auf Live-Übertragungen von Sportevents verzichten kann, kommt inzwischen problemlos ohne einen normalen Fernsehempfang aus. Zahlen muss man ja so oder so - auf diese Weise zahlt man wirklich nur, was man nutzt. Theoretisch zumindest, denn auf den Streaming-Diensten läuft auch eine Menge Unsinn, den man sich wohl nur im absoluten Notfall ansehen dürfte. Für den zahlt man so gesehen auch mit.

Geo-Blocking und Übersättigung

Ganz ohne Sorgen ist das Streaming aber nicht; besonders das „Geo-Blocking“ ist und bleibt das bislang größte Problem, weil sich die Lizenzen der Inhalte von Land zu Land zu stark unterscheiden. So kann es durchaus sein, dass die eigene Lieblingssendung in der Heimat nicht verfügbar ist, in anderen Ländern aber fest zum „Netflix“- oder „Prime“-Programm gehört. Zudem wirkt der Markt zusehends übersättigt. Immer mehr Anbieter wollen einen Teil vom Kuchen abhaben, und wenn große Produktionsfirmen wie Disney ihren eigenen Laden aufmachen, um noch mehr Profit aus dem Streaming-Angebot zu schlagen, droht eine immer stärkere Splitterwirkung. Schon jetzt reicht es vielen Kunden nicht, nur einen Anbieter zu nutzen; stattdessen müssen es oft mindestens zwei, oft aber sogar mehrere Abos sein. Das könnte in Zukunft noch schlimmer werden.

Netflix: Angefangen als Online-DVD-Verleih ist „Netflix“ heute der Platzhirsch unter den Streaming-Plattformen und bietet aktuell das größte Angebot mit einer rasant steigenden Zahl an Eigenproduktionen. Dazu gehören neben Serien auch Filme und Dokumentationen.

House of Cards

Der Aufstieg des ambitionierten wie skrupellosen US-Politikers Frank Underwood zur Macht. Mit David Fincher als Produzent und einem Budget von 45 Millionen US-Dollar pro Folge für die erste Staffel sorgte „House of Cards“ für mächtig Furore und erhielt sehr gute Kritiken und auch Preise. Aufgrund des Skandals um Hauptdarsteller Kevin Spacey wurde die Produktion der Serie unterbrochen und bekommt nun ohne Spacey eine abschließende Staffel.

Bislang fünf Staffeln

The Crown

Die Serie erzählt das Leben von Königin Elisabeth II. ab ihrer Hochzeit im Jahr 1947. Dabei behandelt die erste Staffel, in der die Königin von Claire Foy gespielt wird, die Geschehnisse in den frühen Regentschaft bis 1955. Staffel 2 deckt die Jahre zwischen 1956 und 1964 ab. Die Serie gehört mit rund 130 Millionen US-Dollar zu den teuersten Serien von Netflix und erhielt unter anderem zwei Golden Globes, einen Emmy sowie einen BAFTA Award.

Bislang zwei Staffeln

Stranger Things

In der kleinen US-Stadt Hawkins verschwindet der Junge Will Byers. Seine drei besten Freunde Mike, Dustin und Lucas machen sich auf die Suche nach Will, treffen dabei aber auf ein traumatisiertes Mädchen. „Stranger Things“ spielt im Jahr 1983 und greift dabei bewusst Stilmittel und Details der Filme aus der Epoche auf. Dabei werden auch Filme wie zum Beispiel von Steven Spielberg zitiert. Ein Erfolg bei Kritikern wie Zuschauern.

Bislang zwei Staffeln

Bojack Horseman

BoJack ist ein abgehalfteter und verbitterter Schauspieler, der in den 90ern ein großer Sitcom-Star war, nun aber nur noch von diesem Ruhm zehrt. Eine Autobiografie soll seiner Karriere wieder Schwung verleihen. Der spezielle Stil - die Animationsserie spielt in einem Los Angeles, in dem Menschen und anthropomorphe Tiermenschen koexistieren - und die tolle englische Synchronarbeit, machen „BoJack Horseman“ zu etwas Besonderem.

Bislang vier Staffeln

Dark

In Winden, einer fiktiven deutschen Kleinstadt, verschwinden nach und nach einige Kinder und Jugendliche. Die Stadt ist in Aufruhr und es beginnen sich Parallelen zu ähnlichen Fällen vor 33 Jahren zu ergeben. Um die Geschehnisse zu erzählen, springt die Serie zwischen den Jahren 2019, 1986 und 1953 hin und her. „Dark“ zeichnet sich durch seine unheimliche Spannung, tolle Bilder und eine atmosphärische Tonkulisse aus.

Bislang eine Staffel

Prime Video: Seit etwas mehr als einem Jahr ist „Amazon Prime Video“ auch in Luxemburg verfügbar. Dabei hat der Dienst, der Teil von „Amazon Prime“ ist, in den letzten Jahren sein Angebot stark verbessert und bietet auch hochwertig eigenproduzierte Serien und Filme an.

The Marvelous Mrs. Maisel

Miriam „Midge“ Maisel lebt das perfekte Hausfrauenleben im 50er Jahre New York. Ihr Ehemann Joel hat zwar einen gut bezahlten Job, möchte aber als Stand-Up-Comedian durchstarten. Als er bei einem Auftritt jedoch komplett untergeht, verlässt er urplötzlich Midge und lässt sie mit ihren zwei Kindern zurück. Betrunken und voller Wut besucht Midge den Laden, in dem Joel aufgetreten war, tritt auf die Bühne und legt einen genialen Auftritt hin.

Produktion der zweiten Staffel läuft

Transparent

Als Mort Pfeffermann, der von seiner Frau Shelly geschieden ist, beim Abendessen mit seinen drei erwachsenen Kindern erklärt, dass er transsexuell ist und nun als Maura leben will, wird das Leben der Familie auf den Kopf gestellt. „Transparent“ hat wegen des gefühlvollen und realitätsnahen Umgangs mit dem Thema Transsexualität viel Aufmerksamkeit bekommen. Aufgrund der herausragenden Leistung von Jeffrey Tambor als Maura hat die Serie mehrere Preise erhalten.

Staffel 5 wurde verschoben auf 2019

Goliath

Billy McBride ist ein ehemals erfolgreicher Anwalt, der nun in einem heruntergekommenen Motel lebt und in der Kneipe nebenan seine Mandanten empfängt. Strafanwältin Patty Solis-Papagian bittet ihn, sie bei einer Zivilklage gegen seine ehemalige Kanzlei zu unterstützen und sie gehen auch gegen ein Rüstungsunternehmen vor. McBride wird so zur Zielscheibe mächtiger Gegner. Billy Bob Thornton erhielt für seine Rolle als Billy McBride einen Golden Globe.

Die zweite Staffel folgt dieses Jahr

The Grand Tour

Nachdem es zu einer Auseinandersetzung zwischen Moderator Jeremy Clarkson und der BBC gekommen war, verließen er, seine Moderationskollegen Richard Hammond und James May sowie Produzent Andy Wilman 2015 die Erfolgssendung „Top Gear“. Daraufhin entstand bei Amazon „The Grand Tour“, in der die drei Moderatoren sich wieder ausgiebig mit Autos beschäftigen. Dabei wird nahezu jede Episode in einem anderen Land aufgezeichnet.

Eine dritte Staffel ist geplant

The Man in the High Castle

Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Philip K. Dick wird eine dystopische Version der USA und der Welt gezeichnet, in der die Achsenmächte den Zweiten Weltkrieg gewonnen haben und die USA unter sich aufgeteilt haben. Die Serie spielt im Jahr 1962 und zeigt Einzelschicksale sowie die politischen Spannungen der siegreichen Mächte. Bedroht wird die Weltordnung von gefährlichen Filmaufnahmen und dem „Man in the High Castle“.

Bislang zwei Staffeln

Hulu: Hulu, ein Gemeinschaftsunternehmen von „NBC Universal“, „Fox Entertainment Group“ und „Disney-ABC Television Group“, zeigt die Serien der dazugehörigen Sender und ist aktuell nur in den USA verfügbar. Seit einigen Jahren werden aber auch eigene Inhalte produziert.

11.22.63

Jake Epping erhält die Möglichkeit, durch ein Portal in der Vorratskammer eines Diner in der Zeit zurückzureisen, zum 21. Oktober 1960, 11.58. Er versucht, das Attentat auf John F. Kennedy zu verhindern, verliert sich aber in dem Leben, das er sich nach und nach in der Vergangenheit aufbaut. Die Serie basiert auf dem Buch „Der Anschlag“ von Stephen King, der gemeinsam mit J.J. Abrams die Serie produziert hat.

Abgeschlossene Miniserie

The Handmaid’s Tale

Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Margaret Atwood spielt „The Handmaid’s Tale“ in einem dystopischen Amerika der Zukunft, in dem atomare Katastrophen, Umweltzerstörung und Geschlechtskrankheiten die Menschen weitestgehend unfruchtbar gemacht haben. Im Staat Gilead existiert ein totalitäres Regime, das Frauen brutal unterjocht. Und die letzten fruchtbaren Frauen sind Eigentum mächtiger Männer.

Staffel 2 startet diesen April

The Looming Tower

Die Miniserie zeichnet die aufkeimende Gefahr durch Osama Bin Laden und Al-Qaeda in den späten 90ern auf, sowie die Rivalität zwischen dem FBI und der CIA, die vermutlich 9/11 ermöglicht hat. Dabei werden verschiedene Abteilungen der zwei Dienste gezeigt und ihr Kampf um Informationen. Die Serie wurde von einigen dafür kritisiert, die Geschehnisse nicht akkurat dazustellen, jedoch handelt es sich um eine Serie und keine Dokumentation.

Miniserie, läuft aktuell

Deadbeat

Kevin Pacalioglu ist ein Medium, das mit echten Geistern in Kontakt treten kann. Er hilft verstorbenen Personen, die nicht ins Jenseits können, weil sie noch etwas erledigen müssen oder aus anderen Gründen als Geister umherwandern, ihre letzte Ruhe zu finden. Dabei bekommt er Hilfe von seinem Freund Roofie. Obwohl die Serie größtenteils positive Kritiken bekam, blieb sie besonders international eher unter dem Radar.

Mit drei Staffeln abgeschlossen

The Path

Eddie Lane und seine Familie sind Mitglieder der Meyerist Bewegung, einer Sekte, die stark an Scientology erinnert, aber Aspekte vieler anderer Religionen und Sekten aufweist. Bei einer spirituellen Reise nach Peru, die ihm den Aufstieg innerhalb der Sekte ermöglichen soll, erlebt Eddie jedoch eine Erleuchtung, die ihn an der Bewegung zweifeln lässt. Gleichzeitig versucht die Führungsebene mit dem Tod ihres Gründers, Doktor Stephen Meyer, umzugehen.

Dritte Staffel läuft aktuell

HBO: Eigentlich ist HBO ein Kabelsender, der jedoch in den letzten Jahren auch im Internet über mehrere Plattformen seine Serien und Filme im Stream anbietet. Zum Beispiel über „HBO NOW“ oder „HBO Nordic“. Letzteres ist in Schweden, Finnland, Norwegen und Dänemark verfügbar.

Game of Thrones

In diesem mittelalterlichen Fantasie-Epos kämpfen mehrere Familien und Fraktionen um den Eisernen Thron, ihre Freiheit und das Überleben. Doch unbeachtet nähert sich aus dem Norden ein fast unbezwingbarer Gegner. Vorlage für die Erfolgsserie ist die Buchreihe „A Song of Ice and Fire“ von George R. R. Martin. Seit Staffel 6 fehlt den Machern jedoch eine konkrete Vorlage, da Martin seine Buchreihe noch nicht abgeschlossen hat.

Die achte und letzte Staffel erscheint 2019

Silicon Valley

Viele der technischen Innovationen unserer Zeit stammen aus Silicon Valley, einem Teil der „San Francisco Bay Area“. Die Serie nimmt die Tech-Branche auf den Arm und führt deren absurden Seiten mittels Richard Hendriks und seinen Freunden vor. Diese arbeiten an einem bahnbrechenden Algorithmus zur verlustfreien Komprimierung von Daten und stehen dabei Hooli - einer Parodie auf Google und Apple - im Weg.

Staffel 5 erscheint am 25 März

Westworld

Ein Ort, an dem man in eine andere Rolle schlüpfen und seinen kühnsten Fantasien freien Lauf lassen kann. Das ist „Westworld“, eine Art Vergnügungspark, der wie der Wilde Westen aussieht und von Androiden bevölkert ist, die fast perfekt den Menschen imitieren. Bis etwas schief läuft. Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Film aus dem Jahre 1973 und zeichnet sich durch den Kontrast der beiden Welten sowie der schauspielerischen Leistung aus.

Staffel 2 startet diesen April

Big Little Lies

In der wohlhabenden Küstengemeinde von Monterey, Kalifornien, kommt es bei der alljährlichen Spendengala zugunsten der örtlichen Grundschule zu einem Todesfall. Die Serie konzentriert sich auf die befreundeten Mütter Jane Chapman, Madeline Mackenzie und Celeste Wright und die Geschehnisse in den Wochen davor. „Big Little Lies“ war eigentlich als Mini-Serie angelegt, erhält aber aufgrund des großen Erfolgs eine weitere Staffel.

Bislang eine Staffel

True Detective

Die erste Staffel erzählt die Geschichte von zwei Ermittlern, die über 17 Jahre nach einem Serienmörder fahnden und dabei auf Okkultes und Mysteriöses stoßen. Die zweite Staffel zeigt drei Polizisten aus drei verschiedenen Abteilungen, die eine Reihe von Verbrechen unter die Lupe nehmen. Jede Staffel erzählt eine abgeschlossene Handlung. Die erste Staffel bekam überschwängliches Lob, die zweite konnte die Erwartungen jedoch nicht erfüllen.

Eine dritte Staffel ist in Planung