Das Theaterstück „Mass Appeal“ von Bill C. Davis wurde 1980 im Theater „Stage 73“ in New York uraufgeführt. Glenn Jordan verfilmte es 1984 mit Jack Lemmon als Priester Tim Farley und Zeljko Ivanek als Mark Dolson. 1996 übersetzte Jean Piat das Stück auf Französisch, und „L’Affrontement“ feierte seine Premiere im Pariser Théâtre Fontaine. Im April 2014 wurde das Stück erstmals seit 17 Jahren im Théâtre Rive Gauche wieder aufgenommen, in der von Dominique Piat und seinem Vater Jean überarbeiteten Fassung. David Suissa führte Regie. Francis Huster spielte Farley und Davy, der Sohn von Sänger Michael Sardou, den Seminaristen Dolson. Davy Sardou wurde letztes Jahr für seine Rolle mit dem Molière als bester Nebendarsteller ausgezeichnet. Seit Januar tourt das Stück mit seinen zwei Stars durch den französischsprachigen Raum und gastierte am Montagabend im Escher Theater.
Eine neue Aufgabe
Am Ende seiner Predigt will Farley mit seiner Gemeinde über die Rolle der Frau in der Kirche diskutieren. Warum darf eine Frau nicht Priester werden? Dolson wirft dabei handfeste Argumente in die zeitlose Diskussionsrunde, dass es Frauen waren, die Jesus in seinen schlimmsten Stunden vor und nach der Kreuzigung zur Seite standen, trotzdem wird die Frau aus den Hauptämtern der Kirche ausgeschlossen, obschon nichts Derartiges in den Schriften steht.
Farley muss sich um die praktische Ausbildung von Dolson kümmern. Immer wieder kommt es zu Streitgesprächen zwischen dem seit 40 Jahren amtierenden Priester und dem rebellierenden Seminaristen, der die Rolle der Kirche komplett anders sieht Lals Farley. Wenn die katholische Kirche sich exklusiv nur mit der Angst und dem Elend der Gläubigen beschäftigt, und nicht hingeht, um zusammen mit diesen die Probleme zu lösen, werden die Kirchen zu überflüssigen Gebäuden werden.
Humorvoll, kritisch und zeitlos
Farley steht für das traditionelle Gebilde der Kirche, ohne Wenn und Aber. Er trinkt gerne mal ein Schlückchen aus seinem Flachmann, denn „Gott hat den Wein in Whisky verwandelt“, und er wettet auf Pferde. Dolson ist in seinem tiefsten Innersten von seiner Berufung überzeugt. Er kannte das Leben auf der Straße, die Leiden der Drogen und hatte Sex. Geholfen hat ihm niemand, und darum will er als Priester den Menschen helfen, und das nicht unbedingt mit tröstenden Worten aus der Bibel.
„L’Affrontement“ ist voll von kritischen und zeitlosen Bemerkungen über die katholische Kirche, ihre Geschichte und ihre Aufgaben, Bemerkungen, die in sehr viel Humor verpackt sind. Der Routinier und der Newcomer spielten ihre Rollen mit extremer Überzeugung und viel Fingerspitzengefühl. Und dass Schauspieler auch nur Menschen sind, bewies die Predigt von Dolson. Farley hatte ihm gesagt, dass, wenn in der Kirche gehustet wird, dies ein Zeichen von Langeweile sei. Neben dem eingespielten Husten husteten auch Leute im Publikum, woraufhin Sardou den Faden verlor und herzhaft lachen musste. Dieses überragende Stück hätten sich alle hiesigen Politiker und Geistlichen ansehen müssen.


