Lange Jahre war Wirtschaftsminister Etienne Schneider nicht gerade das, was man einen ausgesprochenen Fan der Solarenergie bezeichnen könnte. Gestern nun eine - wenn auch kleine - Wende: Das EU-Klimaziel und die Reduktion von Treibhausgasen sollen durch die weitere Entwicklung vor allem der Solarenergie erreicht werden. Aha. Dabei war es lange Zeit Schneiders Politik gewesen, die Förderung von Solarstrom zurückfahren und stattdessen Wasserkraft, Biogas und Windkraft zu fördern. Sonnenstrom sei im Gegensatz zu den anderen alternativen Arten zu teuer, hieß es. Dass sich Pfennigfuchser wie Aldi in Deutschland die Dächer mit Solar ausrüsteten, hat sich dort schon bezahlt gemacht. Und apropos Windkraft, die stattdessen lieber gefördert wurde: Wo sind denn in Luxemburg die vielen Anlagen? Man kann sie an einer Hand abzählen.
Der grüne Abgeordnete Henri Kox hatte es schon vor einiger Zeit als Holzweg bezeichnet, wenn man den Umstieg auf erneuerbare Energien hinauszögere, und er appellierte, die Einspeisevergütung für Solarstrom nicht zu deckeln, was dann aber doch geschah.
Jetzt endlich soll hierzulande sogar kollektiv erzeugter Solarstrom gefördert werden. Besser spät als gar nicht. Während kurz hinter der Sauer die Dächer voller Solaranlagen zu sein scheinen, hatten sich das in Luxemburg nur manche Landwirte geleistet: Von Solarenergie - aber auch anderen erneuerbaren Energiegewinnungen - ist im Luxemburg, seien wir doch ehrlich, nicht wirklich viel zu sehen. Jetzt will der Staat sogar unterstützen, dass sich mehr Privatleute über gemeinsame Projekte an der Entwicklung der erneuerbaren Energien im Land beteiligen. Warum nicht gleich so?
Aus dem Wirtschaftsministerium hieß es bislang stets auch, die Solarenergie käme der hiesigen Wirtschaft nicht zugute, weil die Anlagen ja in Fernost gebaut würden. Dabei kommen Installation und Wartung von Solaranlagen durchaus der heimischen Wirtschaft zugute, vor allem dem hiesigen Handwerkssektor. Und es ist auch nicht so als würden alle Solaranlagen in China produziert: Solarworld, die gestern von einem florierenden US-Geschäft berichteten, produzieren in Deutschland und den USA, wobei Recycling fester Bestandteil des Produktionsprozesses ist. Vor allem in den USA, aber auch in vielen Ländern Asiens und Afrikas erlebt die Solarenergie einen Boom.
Die Energiewende muss man aktiv vorantreiben, nur dann ist man glaubwürdig - und nur dann ist sie auch erfolgreich. Dabei betont doch Luxemburg, das Land wolle Vorreiter bei ICT, Fintec, Biotec oder Greentech sein. Bei Greentech, ehrlich? Das Land ist weder in der Spitzengruppe noch dem Mittelfeld vertreten. Warum baut Apple seine neuen, milliardenteuren Datacenter in Irland und in Dänemark, auch wenn man sogar über Luxemburg kurzzeitig nachdachte? Weil dort die Anlagen mit Ökostrom arbeiten können. Es ist eben nicht mehr wie früher; am Fall Apple sieht man nämlich: Umweltschutz und ein gutes Angebot alternativer Energien können sogar handfeste Investitionsargumente für Firmen sein. Ökostrom ist ein Standortvorteil.


