KÖLN/LUXEMBURG
INGO ZWANK

Ausgelassen-jeckes Feiern am Rhein: Ein Tag mitten in der närrischen Metropole Köln

Die „Fünfte Jahreszeit“ ist angebrochen - die Narren sind am 11. November („Elfter im Elften, 11.11“) wieder los! Bereits der Weg von einem kleinen Eifler Bahnhof nach Köln in die närrische Metropole am Rhein stellt sich als recht Promille-vergnüglich dar. Die ersten Narren haben bereits um 7.00 im Zugabteil das Fässchen angeschlagen, ganz nach dem Motto: „Es ist kalt, also müssen wir vorglühen“. Der Hauptbahnhof in Köln ist natürlich bereits früh mit Narren überlaufen, auffällig ist die enorme Polizeipräsenz.

Neuerung in diesem Jahr

Vorbei am Dom - den umgibt wieder eine „Wildpinkler-Absperrung“ - und auf in die närrische Schlacht. Bereits am Dom präsentiert sich überraschend das neue, noch designierte Kölner Dreigestirn. Die Neuerung in diesem Jahr: Das Festkomitee Kölner Karneval hat für die Session eine alte Tradition neu belebt. Erstmals seit 1955 kommt das Dreigestirn nicht aus einer, sondern aus drei unterschiedlichen Karnevalsgesellschaften. Der designierte Prinz Marc I. (Michelske) hat seine karnevalistische Heimat bei der KG Schlenderhaner Lumpe e.V. von 1963. Der designierte Bauer Markus (Meyer) ist Präsident der Großen Allgemeinen KG von 1900 Köln e.V., während die designierte Jungfrau Catharina (Michael Everwand) die Fahne der Lesegesellschaft zu Köln von 1872 hoch hält.

Eines der Hauptevents findet auf dem Heumarkt statt. Hier hat an diesem Tag die „Willi Ostermann Gesellschaft“ das Sagen. Am „11.11.“ eines jeden Jahres veranstalten die „Ostermänner“ die traditionelle Sessionseröffnung.

Traditionell hat hier auch das designierte Kölner Dreigestirn gemeinsam mit der Oberbürgermeisterin der Stadt Köln, Henriette Reker, und dem Präsidenten des Festkomitees des Kölner Karnevals, Christoph Kuckelkorn, seinen ersten öffentlichen Auftritt. „Und natürlich treten auch wieder alle musikalischen Größen der Stadt an diesem Tage bei uns auf“, verrät Präsident Ralf Schlegelmilch. Generalstabsmäßig durchgeplant läuft das Programm so von morgens pünktlich 8.58 bis 20.00 nonstop durch - samt Fernsehübertragung.

Mittendrin tummeln sich - gerade bei einer Stärkung erwischt - ein paar Marienkäfer „aus dem Norden des Großherzogtums“, wie sie verraten. Acht Freunde an der Zahl, die bereits am Samstag für das Spiel des 1. FC Köln angereist waren - und nun eben Karneval feiern. „Karten haben wir für eine Saalveranstaltung“, verraten sie, so dass der Heumarkt wohl erst später auf dem närrischen Fahrplan steht, „aber schön wird es sicher.“

Viele Karnevalisten sehen aber die Tradition des „Elften im Elften“ schwinden, Massenbesäufnisse statt Traditionspflege würden auf der Tagesordnung stehen. Schaut man sich die Bilanz des Jahres 2017 an, so fiel diese doch recht übel aus, wie sich ein Mitarbeiter der Stadt äußert. Mit zehnmal so vielen Toiletten, einem erneuten Glasverbot und jeder Menge Einsatzkräfte wollen Stadt und Polizei dafür sorgen, dass es gesitteter zugeht. Denn die Narren, die sich im „Kwartier Latäng“ in Hauseingängen übergeben, Wildpinkler und Schlägereien seien die schlechten Seiten des Karnevals, „und keinen Werbung für unsere Stadt“, wie es heißt. 2017 wurden 120 Fälle von Körperverletzungen, sexuellen Belästigungen und Diebstählen gemeldet. Dazu kamen fast 90 Fälle von ertappten Wildpinklern. Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker sagt: „Was wir im vergangenen Jahr erleben mussten, hatte nichts mehr mit Kultur zu tun.“ So wurde alleine die Anzahl der Toiletten auf rund 700 erhöht und die Standorte wurden noch besser ausgeschildert.

Absperrung durchbrochen

Wie lief es jetzt? Bereits sehr frühzeitig sind die traditionellen Veranstaltungsplätze der Sessionseröffnung, Alter Markt und Heumarkt, mit zehntausenden Feiernden vollkommen überfüllt, so dass diese geschlossen werden mussten. Zum Unmut einiger: Im Zülpicher Viertel überrannten die andrängenden Besuchermassen mittags Absperrungen, die seitens der Stadt Köln eingerichtet worden waren. Welche Bilanz zieht die Polizei an diesem alkohollastigen Tag? In den Abendstunden des Schnapsdatums schaut die Polizei Köln auf einen überwiegend friedlich-närrischen Verlauf des Karnevalsstartes. „Gleichwohl mussten die verstärkten und sichtbar präsenten Einsatzkräfte vielfach einschreiten, insbesondere, wenn alkoholisierte Jecken aus dem Ruder liefen“, resümiert die Pressestelle des Polizeipräsidiums Köln. Bis 20.00, als das Programm auf dem Heumarkt endet, mussten 130 Platzverweise erteilt und 33 Menschen in Gewahrsam genommen werden. Die Polizisten nahmen bislang fünf Tatverdächtige vorläufig fest. Etwa 70 Strafanzeigen wurden ausgefertigt, überwiegend wegen Körperverletzungsdelikten. Ermittlungsverfahren zu bislang sieben bekannt gewordenen Sexualstraftaten wurden eingeleitet, so die Pressestelle, die aber davon ausgeht, dass sich diese Zahlen erfahrungsgemäß noch erhöhen werden.