KÖLN/LUXEMBURGKATJA FISCHER (DPA)

Bei Matratzenkauf ist das Probeliegen auf der Neuerwerbung einfach Pflicht

Auf 20 Matratzen und 20 Daunendecken sollte die Prinzessin auf der Erbse nächtigen und bekam kein Auge zu. Gut, das sensible Mädchen lag auch auf einer Erbse. Manch ein Normalsterblicher schläft auf seiner einen Matratze auch nicht gut - er hat die falsche gekauft.

Ein Bettenkauf braucht Zeit. Das weiß jeder, der den Loriot-Sketch im Bettenfachgeschäft gesehen hat. „Wenn meine Gattin aufwacht, nimmt sie gerne eine Tasse Tee mit etwas Gebäck“, gibt der ältere Herr dem Verkäufer zu verstehen, nachdem seine Gattin beim Probeliegen eingeschlafen war. Nicht nur Herr Hallmackenreuther, der Verkäufer im Sketch, hat Verständnis dafür, dass seine Kunden schon mal wegschlummern.

Es gibt untrügliche Indizien, wann es Zeit ist, sich um eine neue Unterlage zu kümmern: Weist die alte Matratze Kuhlen auf, schmerzt am Morgen der Rücken oder findet man nachts kaum noch Ruhe. Dann sollten zumindest die Matratzen ausgewechselt werden. Spätestens nach zehn Jahren müssen sie aus hygienischen Gründen erneuert werden, auch wenn sie äußerlich noch in Ordnung sind. Beim Schlafen entsteht viel Feuchtigkeit, die in den Matratzen versickert. Studien haben ergeben, dass eine Matratze nach zehnjährigem Gebrauch bis zu vier Kilogramm schwerer sein kann als am Anfang.

Wer sich ein neues Bett anschaffen möchte, sollte sich gut beraten lassen

Ein Bett von der Stange gibt es nicht, denn die Menschen sind verschieden, jeder braucht sein eigenes Bett, wissen die Experten.

Seiten-, Rücken- oder Bauchschläfer benötigen Matratzen mit unterschiedlichen Liegeeigenschaften, auch die Wohlfühltemperaturen variieren. Paare machen sich daher am besten gemeinsam auf den Weg.

Viele Fehlkäufe kommen dadurch zustande, dass einer das Bett für beide aussucht. Das kann nicht funktionieren. Eine zierliche Frau hat ganz andere Liegeeigenschaften als ein 1,80 Meter großer Mann. Eine Liegeprobe ist für beide unumgänglich. Sie sollten möglichst nicht abends stattfinden, denn jedes Bett ist toll, wenn man müde ist. Die beste Zeit ist der Vormittag, raten Bettenexperten. Kunden sollten auch möglichst Matratzen mit verschiedenen Materialien testen.

Federkernmodelle bestehen aus einem System von Stahlfedern, die sich einzeln und unabhängig voneinander bewegen. Legt sich ein Mensch darauf, verteilen sie den Druck. Die Federn tragen außerdem zu einer guten Belüftung der Matratze bei, so dass sie auch für stark schwitzende Menschen oder kleinere Räume gut geeignet ist. Denn die Körperbewegungen sorgen für den sogenannten Pump-Effekt und damit für einen permanenten Luftaustausch. Federkernmatratzen sind auch in den gerade so angesagten Boxspringbetten verarbeitet. Hier sollte man nicht nur auf die Optik des Bettes schauen, sondern vor allem darauf achten, dass es ergonomisch passt.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Standard- und Kaltschaum

Aus synthetischem Polyurethan-Schaum besteht die zweite Variante. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Standard- und Kaltschaum. Letzterer ist elastischer.

Etwas aus der Mode gekommen sind Latexmatratzen. Sie waren beliebt in den 90er Jahren, sind aber auch heute noch durchaus zu empfehlen.„Sie bestehen aus einem Kautschukschaum und stützen sehr gut ab. Daher eignen sie sich besonders für etwas schwerere Menschen. Die Matratzen geben nur an den Stellen nach, an denen sie belastet werden und kehren bei Entlastung wieder in die Ausgangslage zurück. Und das Material leistet unter Belastung wachsenden Widerstand, was zur Entspannung aller Muskeln beiträgt. Da die Matratze allerdings auch selbst ein recht hohes Gewicht hat, ist es nicht einfach, sie regelmäßig zu wenden, damit sie in Form bleiben.

Jede Matratzensorte vermittelt ein spezielles Liegegefühl, das man unbedingt ausprobieren sollte

Wichtig ist, dass die Matratze den Körper gut stützt, wenn im Schlaf die Muskulatur erschlafft. In der Seitenlage sollte die Wirbelsäule eine gerade Linie bilden. Außerdem sollte die Matratze nicht zu warm oder zu kühl sein.

Egal, für welche Matratze man sich entscheidet, sie muss zum übrigen Bettsystem passen. Bei einem guten Bett sind daher alle Komponenten aufeinander abgestimmt. Nicht nur Lattenrost und Matratze müssen im Einklang sein, auch die Kissen sollten passen.

Für Menschen, die gegen Hausstaubmilben allergisch sind, gibt es allergendichte Matratzenüberzüge, sogenannte Encasings. Neue Matratzen werden am besten direkt damit bezogen, empfiehlt Anja Schwalfenberg vom Deutschen Allergie- und Asthmabund. Partnerbetten oder Matratzen von Kindern, die im gleichen Raum schlafen, sollten ebenfalls die Überzüge bekommen. Sinnvoll ist es auch, die Oberbetten beziehungsweise Kopfkissen und Decken mit Encasings zu beziehen. Bei Personen mit empfindlichen Atemwegen, die sehr sensibel auf Düfte und Gerüche reagieren, kann es hilfreich sein, neue Matratzen und Bettwaren für einige Zeit auslüften zu lassen.