Die Jugendgarantie muss „top priority“ sein, sagte der für Arbeit zuständige europäische Kommissar László Andor am Montag vor dem „Spanish Youth Council“. Tatsächlich kann sich die Politik auch hierzulande derzeit vor Prioritäten kaum retten. Es brennt an vielen Ecken. Dieser Tage stehen die Wettbewerbsfähigkeit und die Arbeits- und Beschäftigungspolitik im Mittelpunkt der Diskussionen, die zahlreichen Vorschläge der zuständigen parlamentarischen Kommission stehen zur Debatte. Einer der Hauptpunkte: Die Förderung der Wettbewerbsfähigkeit, bei der Luxemburg im Vergleich noch vergleichsweise gut dasteht, in Richtung einer weiter vorangetriebenen Diversifizierung der Wirtschaft.

Damit allein ist es jedoch nicht getan. Denn was nützt es, die Biotechnologie oder den IT-Sektor zu fördern, wenn das Hauptproblem der Arbeitslosigkeit nach wie vor in der nicht ausreichenden oder falschen Qualifikation liegt? Wenn die akademische Landschaft Luxemburgs auch weiterhin floriert und immer mehr junge Menschen den Weg zum Studium einschlagen, so fehlt es, scheinbar, vor allem hier an den richtigen Lösungen - einerseits Jobs für Minderqualifizierte schaffen mit entsprechender Weiterbildung, andererseits die erfolgreich getesteten Pilotprojekte - von einer Einführungsphase in einem Betrieb bis zum „contrat d’appui-emploi“ über ein Jahr hinaus - auszuweiten. Die Sekundarschule bildet jedoch das grundlegende Fundament, den Ausgangspunkt, der alle Möglichkeiten der Zukunftsgestaltung aufzeigt- auch wenn durch die Reform das Studium stärker im Mittelpunkt stehen soll. Der Reformtext zur „Lycéesreform“ wird auf seinem jetzigen Instanzenweg allerdings von jeder Menge Zweifel begleitet hinsichtlich eben jener Stabilität und Anpassungsfähigkeit des „Lycée“ an die gesellschaftlichen Entwicklungen: Schulabbrecher, Anerkennung alternativer Bildungswege, die erworbenen Fähigkeiten und die reellen Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt sowie das Fehlen einer pädagogischen Grundstrategie, die den nationalen Begebenheiten angepasst wäre, sind nur einige der Punkte, die sowohl die Politik fordern als auch die Lehrer. Ebenso, wie das Problem der Schulabbrecher (von aktuell rund acht Prozent) mit „Schule“ bekämpfen zu wollen.Schülern eine Perspektive zu vermitteln, heißt auch nicht, sie mit einem überbordenden Informationsangebot zu erschlagen. Die Jugendgarantie, an die vor allem im Hinblick auf die Rekordarbeitslosigkeit in Spanien und Griechenland hohe Hoffnungen geschürt werden - in Europa sind 7,5 Millionen Jugendliche ohne Arbeit, Ausbildung oder Schulabschluss - wird nur dann erfolgreich sein, wenn sie nicht von vorn herein in eine von Konkurrenzdenken beherrschte Arbeitswelt, nicht zu finanzierende Wohnungen und dubiose Arbeitsmodelle hinführt. Um bares Geld geht es dabei auch: 14 Millionen junge Menschen ohne Arbeit entsprechen laut der Rechnung der Europäischen Kommission 1,21 Prozent des europäischen BIP - 153 Milliarden Euro pro Jahr. Den gesellschaftlichen Impakt von Langzeitarbeitslosigkeit nicht einmal berücksichtigt. Zeit also für eine stichfeste Strategie und richtige Prioritäten.