LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Die „Luxembourg Private Equity Association“ gab auf ihrer Jahreskonferenz einen Ausblick auf die Zukunft des Sektors

Für die meisten Menschen ist Private Equity nichts, was ihnen etwas sagt. Doch die Gruppe jener privaten Investoren, die ihr Geld in Unternehmen stecken, die nicht an der Börse notiert sind, wird immer größer. Deshalb gründeten 2010 zwanzig von ihnen die „Luxembourg Private Equity Association“ (LPEA). Mittlerweile zählt der Verband rund 210 Mitglieder und wächst stetig. Zum dritten Mal veranstaltete er seine jährliche Konferenz in der Philharmonie. In Anlehnung an Industrie 4.0 lautete der Titel „Private Equity 3.0“, denn es ging um die Zukunft der noch jungen Branche nach „leveraged buy-outs“, also den kreditfinanzierten Unternehmenskäufen durch eine Investorengruppe, einem Stadium der 80er Jahre, dass LPEA-Präsidentin Rajaa Mekouar-Schneider als „Private Equity 1.0“ bezeichnete, über effizienzorientiertes Management hin zu „Private Equity 3.0“, bei dem „venture capital“ stärker wächst als Buy-outs.

Das Thema interessierte so viele Teilnehmer, dass der kleine Saal der Philharmonie quasi aus den Nähten platzte. Teilnehmer aus Luxemburg, Liechtenstein, Frankreich, Deutschland, der Schweiz oder Großbritannien waren erschienen, um zu erfahren, wohin sich Private Equity entwickeln könnte.

Mekouar-Schneider hat da sehr klare Ideen: „Wir wollen die Nummer eins für Private Equity in Europa werden“, hielt sie fest. Der scheidende, offiziell herzlich verabschiedete LPEA-Geschäftsführer Paul Junck unterstrich, dass in diesem Segment allein in Luxemburg 500 Milliarden Euro verwaltet werden, was Private Equity zu einer Säule des Finanzplatzes mache. „Weltweit werden 500 Billionen Dollar von Private Equity-Unternehmen verwaltet“, unterstrich die LPEA- Präsidentin. Neun der zehn großen Anleger seien in Luxemburg präsent. Private Equity habe sogar seit 2014 die Konzerne des S&P Index überholt. Und: „Der Kuchen wächst“, zeigte sich die Expertin überzeugt. Eine Antriebsfeder für die Zukunft seien vor allem Kriterien wie Nachhaltigkeit und Sozialverträglichkeit, von den Rednern unter dem Akronym ESG für „Environmental Social Governance“ zusammen gefasst. ESG werde den Markt ebenso antreiben wie Millenials und Frauen, die sozialverantwortliche Investments wollen. Aber auch der afrikanische Markt und die digitale Revolution spielten für die Zukunft eine Rolle, hielt die LPEA-Präsidentin fest. Innerhalb der privaten Investoren sind laut ihr vor allem Family Offices wichtige Investoren, noch vor Stiftungen. Gefahren sieht sie angesichts möglicherweise steigender Zinsen bei aufgenommenen Schulden, steigendem Wettbewerb sowie digitalen Brüchen.

Nachhaltigkeit wird Kriterium für den Kauf

Prinz Maximilian von und zu Liechtenstein, CEO von LGT, einem Unternehmen im Bereich Private Banking und Asset Management, das dem Fürstenhaus gehört und über 200 Milliarden Franken verwaltet, ist mit der LPEA-Präsidentin relativ einig, was die Zukunft angeht. Als Trends macht er zum einen ein steigendes Interesse der Investoren an Unternehmen aus, die mit sozialen und anderen Herausforderungen umgehen können. Zum anderen ist er überzeugt, dass große Venture Capital-Unternehmen mit Private Equity-Fonds auf den Markt kommen werden. Als Beispiel nannte er die japanische Technologie-Gruppe Softbank, die 2016 mit Saudi-Arabien den rund 100 Milliarden Dollar schweren Technologie-Fonds „Vision Fund“ auflegte. „Das Interesse an Nachhaltigkeit wächst“, zeigte sich der Prinz aus Liechtenstein überzeugt. „Diese Elemente wurden bislang zu wenig beachtet.“ Früher seien die Aktionäre die Gewinner gewesen. „Der große Verlierer war unser Planet.“ Jetzt würden der Klimawandel, steigende Meeresspiegel und daraus folgende wirtschaftliche und politische Konsequenzen für ein Umdenken sorgen.

LGT, das von ihm geleitete Unternehmen, hat darauf reagiert. „Wir haben ein ESG-Cockpit entwickelt, mit dem wir Unternehmen, die wir kaufen wollen, nach einem Fünf-Sterne-System bewerten“, hielt er fest. Von und zu Liechtenstein rechnet im Private Equity-Bereich mit einer stärkeren Regulierung hinsichtlich der Umwelt.

Beim anschließenden Panel gaben ihm die Teilnehmer Recht. Nino Tronchetti Provera, dessen Unternehmen Ambienta 1,2 Milliarden Euro verwaltet, ist ebenfalls der Meinung, dass Umweltaspekte an Bedeutung zunehmen. Cornelia Gomez, Leiterin des Bereichs ESG und Nachhaltigkeit bei PAI Partners, stimmt ihm zu und bemerkt auch eine wachsende Sensibilisierung der Politik. Serge Younes, in gleicher Position wie Gomez bei InvestIndustrial tätig, die unter anderem in Eutelsat, Ducati und Aston Martin investiert haben, erzählte, wie sie ein Unternehmen dazu gebracht hätten, Teile zu reparieren und auch Plastik zu recyceln. „Am Ende war es sogar finanziell interessant. So sollte es sein.“