LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

EY lud zur Konferenz kurz vorm Brexit - rund 250 Teilnehmer - Front Offices kommen her

Das Thema „Private Equity“ ist definitiv angesagt: Erst vergangene Woche hat die „Luxembourg Private Equity Association“ (LPEA) ihre große Jahreskonferenz in der Philharmonie mit über 200 Teilnehmern abgehalten, gestern dann lud EY zum „Private Equity and Venture Capital Summit“ in seinen Sitz auf dem Kirchberg. Rund 250 Gäste waren gekommen und einen Parkplatz im Umkreis zu finden war schwierig.

Die Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Experten von EY stellten die sechste weltweite jährliche Umfrage zu „Private Equity“ vor. Darunter wird übrigens das Geld von Privatanlegern verstanden, das in nicht börsennotierte Unternehmen fließt. Laut dem Bericht der Experten, die sich als führend beim Thema unter den Big 4 bezeichnen, wächst dieser Bereich weltweit: Allein 2018 wurden 681 Milliarden Dollar investiert. Eines der Probleme der „Private Equity“ ist denn auch die Suche nach geeignetem Personal. Das Thema „Talentmanagement“ taucht auf der Prioritätenliste der von EY befragten Manager denn auch direkt nach dem Ziel des Vermögenszuwachses auf. Auf dem dritten Platz steht das Kostenmanagement und auf dem vierten die Effizienz des „Back Office“. Bislang wird rund ein Fünftel des Geldes der Anleger in „Private Equity“ investiert (siehe Grafik). Das könnte laut den Experten durchaus mehr werden.

Dieser Meinung ist beispielsweise Alain Kinsch, „Country Managing Partner“ für EY Luxemburg. Er ist auch verantwortlich für das Thema „Private Equity Funds“ im Raum Europa, Naher Osten und Afrika. „Private Equity“ ist damit ganz klar Chefsache. „Private Equity wird noch stark wachsen. Das wird immer mehr eine Main Stream-Kategorie. Auch die Zahl der Investoren steigt. Wir befinden uns jetzt auf dem Vorkrisenniveau, also vor 2008“, sagte er gegenüber dem „Journal“. Darüber hinaus stellt er fest, dass Luxemburg in diesem Geschäft eine andere Rolle zukommt. „Früher wurden hier vor allem Back Office-Dienste angeboten. Jetzt gehen wir vom Back Office zum Middle Office. Dadurch erweitert sich die Wertschöpfungkette“, erklärt er. „Gleichzeitig gibt es mehr öffentliches Interesse.“ Laut Kinsch wurde 2018 in rund 13.000 Unternehmen weltweit investiert. „Das schafft Werte.“ Und wohl auch Interesse. Die Vertreter der „Private Equity“ gehen selbst verstärkt an die Öffentlichkeit. Gleichzeitig sei die Politik dazu positiv eingestellt, vermerkt Kinsch. „Denn hier wird oft in kleinere und mittlere Unternehmen investiert, nicht in multinationale Konzerne.“ Darüber hinaus hilft die aktuelle Niedrigzinssituation dem Sektor, denn so lange es schwierig ist, woanders Geld zu verdienen, wenden sich Investoren Alternativen zu.

Luxemburg profitiert in besonderer Weite von „Private Equity“. „Früher stand Luxemburg etwas abseits. Jetzt kommen PE-Fonds aus den USA und Großbritannien hierher. Auch das erweitert die Wertschöpfungskette“, weiß der EY-Landes-Chef. Laut ihm ist das eine kontinuierliche Entwicklung. „Es war ein langer Prozess via SICAR und RAIF, im Land beschlossene Gesetze und dem Aufbau des Sektors. Jetzt gibt es ein richtiges PE-Ökosystem, ähnlich wie in der UCITS-Industrie.“ Damit verweist er auf die Richtlinie für Fonds und Verwaltungsgesellschaften. Luxemburg ist europaweit Nummer eins bei den Fonds und weltweit Nummer zwei hinter den USA, denn hier werden über 4 Milliarden Euro verwaltet. Kinsch rechnet damit, dass die Entwicklung im „Private-Equity“-Bereich ähnlich positiv verläuft wie im Fondsbereich: als positiver Kreislauf. „Nehmen Sie nur die schwedische EQT Partners AB Investorengruppe“, sagt er. „Die haben ihre europäische Plattform nach Luxemburg geholt. Und sie sind nur einer von vielen. Jetzt sind die Entscheider hier.“ EQT verwaltet über 40 Milliarden Euro in 29 Fonds und beschäftigt über 600 Mitarbeiter in 14 Ländern. Laut Kinsch ist die Ansiedlung der Unternehmen und entscheidungsstarker Strukturen die Frucht der Arbeit der vergangenen 20 Jahre. Den Brexit als Grund will er nicht gelten lassen. „Der Brexit war nur ein Beschleuniger“, stellt er klar. Diese Auffassung teilen Expertinnen und Experten, mit denen wir am Rande der Veranstaltung gesprochen haben.

„Ein echter Hub“

Ein Brite, der dazu ein dezidierte Meinung hat, ist Peter Myners. Der Partner der Kanzlei Allen & Overy kam 2006 aus privaten Gründen nach Luxemburg. Auf dem EY-Gipfel äußerte er sich zu möglichen Szenarien nach dem Brexit. „Die Möglichkeiten hier in Luxemburg sind immens“, findet er. „Es ist jetzt intern in den Unternehmen auf der Karte.“ Laut dem Experten galt es vorher eher als notwendiges Übel. „Aber jetzt ist es ein echter Hub.“ Deshalb will seine Kanzlei massiv investieren und einstellen. Das Problem sei eher, gute Leute zu finden, denn Fachleute für regulatorische Fragen sind derzeit sehr gesucht. „Schließlich ist der Brexit der größte Dismerger der Geschichte“, zeigte sich Myners überzeugt. Die meisten Kunden seien gut vorbereitet. „Denn nach dem Brexit haben sie keinen Zugang zu AIFM und MiFID.“ Gemeint sind harmonisierte Regeln für Fonds. Sie erleichtern unter anderem den Vertrieb.

Laut Myners hat sich die Finanzaufsicht CSSF entgegen so manchem Vorurteil aus der Londoner City als überhaupt nicht lax erwiesen und manch einer hätte bis zu einem Jahr auf eine Lizenz gewartet. Denn viele Fondsgesellschaften wollen in Luxemburg präsent sein, um von hier aus weiter den europäischen Markt bedienen zu können. Manche würden ihr ganzes Büro aus London mit nach Luxemburg bringen, andere suchten verzweifelt gute Leute. Ein großer Vorteil Luxemburgs seien die im Vergleich zu London geringen Kosten, die operationale Effizienz und die Steuerregeln.

Für die mittelfristige Zukunft in fünf Jahren rechnet der Jurist mit einigen Problemen. „Aber die Fondsindustrie in Luxemburg wird wachsen und die Service Industrie mit ihr. Mehr Front Offices werden kommen.“ Wo sieht der Brite seine Heimat in fünf Jahren? „Das hängt von der Regierung ab. Aber ich denke, da wird es viel Raum für Steuersenkungen und ähnliches geben. Und in zehn Jahren läuft es in Großbritannien wieder.“