CLAUDE KARGER

„Flatten the curve“. Die Mission der Vermeidung der Überforderung des Gesundheitssystems durch zu zahlreiche Covid-19-Fälle ist gelungen, sieht man sich die Daten an, die das Gesundheitsministerium seit gestern endlich expliziter präsentiert. Nimmt man den Durchschnitt der positiven Covid-Tests pro Tag - 38.000 wurden seit Ausbruch der Krise bereits durchgeführt - sieht man, dass die Kurve seit Ende März abflacht. Der Effekt der strengen Ausgangsbeschränkungen und des gebotenen „Social Distancing“. „Sie haben uns Zeit gekauft“, lobte am Donnerstag ein Arzt von der Covid-19-Station der Kirchberger Klinik die Entscheidungen der Regierung.

Wer einmal in eine solche Station reingeschaut hat, versteht sofort, dass bei einer Welle von schlimmen Fällen die Ressourcen, an die man anfänglich nur schwer kam, rasend schnell aufgebraucht sein würden. Ist Luxemburg also in der Pandemie noch einmal glimpflich davon gekommen? Auch wenn die Datenlage momentan positiv ist: niemand kann das heute sagen. Auch in den Ländern nicht, wo der schreckliche Erreger zunächst eingeschlagen hatte. Denn er ist immer noch nicht ausreichend erforscht und es gibt auch immer noch keinen Impfstoff. Im Klartext: falls die Neuinfektionen wieder hochschnellen sollten, gibt es eigentlich nur die Möglichkeit, nochmal zurückzukehren zum verschärften generellen „Shutdown“, um die Verbreitung des Virus möglichst zu bremsen. Es sei denn, man wäre tatsächlich in der Lage, die Infektionen so zu „monitoren“, dass die Ansteckungskette schnellstens unterbrochen werden kann. Während die Tests bei spezifischen Risikogruppen - wie bei den Bewohnern von Altersheimen - bereits angelaufen sind, hat die Regierung gestern ein „monitoring à large échelle“ beschlossen. Es ist Teil einer Strategie der „proaktiven Milderung der Pandemie“. Klar: was die Datenlage besser ist, was die Strategie gegen das Virus effizienter ist. Dass solch ein großflächiges Test-Projekt allerdings noch viele Monate in Anspruch nehmen wird, scheint auch klar zu sein. Allerdings kann auch bei betonfesten Daten nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden, dass die Infektionen nicht doch wieder aufflammen.

Es wird nie ein Null-Risiko geben. Es gilt natürlich, es so klein wie möglich zu halten, andererseits die Folgeschäden im Blick zu behalten, die ein lang andauernder „Lockdown“ hat. Und die sind jetzt bereits, kurz vor Tag 40 der generellen „Quarantäne“, enorm in vielen Hinsichten.

Nicht nur für die Wirtschaft, die Jahre brauchen wird, um diesen Schlag zu verdauen, sondern auch für die Psyche der Nation, die langsam aber sicher in eine Art „Burnout“ gerät. Trotz enormer Mittel für Hilfsmaßnahmen auf allen Ebenen bedroht das Virus massenhaft Existenzen und Zukunftsperspektiven. Das können wir als Gemeinschaft natürlich nicht zulassen. Deshalb ist es der richtige Weg, Schritt für Schritt den Weg in eine Normalität zurückzufinden. Eine Normalität, von der das Virus ein Teil sein wird. Diese Schritte können wir gemeinsam allerdings nur gehen, wenn auch jeder seine Verantwortung übernimmt. Stichwort: „Barrieregesten“. Aber auch: Stichwort Solidarität - im Alltag.