LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Es ist noch genügend Bauland vorhanden - Einige wenige verfügen aber über Großteil desselben

Die Wohnungsnot und der beständige Anstieg der Immobilienpreise beschäftigt nun schon seit Jahren die Politik, ohne dass diese aber bislang eine zufriedenstellende Lösung gefunden hätte. Nach Marc Hansen (DP) versucht sich nun also die neue Wohnungsbauministerin Sam Tanson (déi gréng) an der Herkulesaufgabe, für mehr bezahlbaren Wohnraum im Großherzogtum zu sorgen.

Baulandpreise steigen stärker an als Immobilien

So stellte die Ministerin gestern zuerst den Mitgliedern der parlamentarischen Bautenkommission, und dann auch der Presse eine Reihe von Berichten vor, die vom „Observatoire de l’habitat“ und dem „Luxembourg Institute of Socio-Economic Research“ (LISER) erstellt wurden und die Grundstückspreise zum Inhalt haben.

Wie Tanson dabei unterstrich, berge die Studie jedoch keine großen Überraschungen, sei doch auch schon vorher bekannt gewesen, dass nicht nur die Miet- und Verkaufspreise für Wohnungen, sondern auch die Baulandpreise beständig ansteigen würden. Zwischen 2010 und 2017 durchschnittlich um 6,1 Prozent pro Jahr, wobei die Preise aber - am teuersten ist es in und um die Hauptstadt - natürlich je nach Region sehr unterschiedlich seien. Auch sei die Steigerung der Baulandpreise stärker als diejenige von Immobilien, wobei der Medianpreis für Bauland im Zeitraum 2016-2017 bei 65.521 Euro pro Ar gelegen habe. Angesichts dieses ständigen Anstiegs sei es dann auch für viele Baulandbesitzer natürlich interessanter, ihre Grundstücke zu behalten und nicht zu verkaufen.

Wie die Ministerin weiter unterstrich, verfüge Luxemburg immer noch über so viel Bauland, dass 50.000 bis 80.000 Wohneinheiten gebaut werden könnten. Allerdings konzentriere sich der Großteil dieses Baulands in den Händen einiger weniger - Tanson sprach hier von einigen „happy few“, sollen zehn Prozent der Besitzer doch über 60 Prozent verfügen. Im Jahr 2016 hielten 15.907 Personen 72,5 Prozent der verfügbaren Fläche und 746 Privatunternehmen 14,9 Prozent. Nur elf Prozent liegen in den Händen des Staates und der Gemeinden. Die immer wieder genannte „Bomi“, die ihr Grundstück nicht verkaufe, da sie dieses für ihren Enkel behalten wolle, sei also nicht für das Wohnungsproblem im Großherzogtum verantwortlich.

Sam Tanson sprach sich gestern jedenfalls für einen Paradigmenwechsel aus. Die öffentliche Hand müsse, und die Ministerin nannte als nachahmenswertes Beispiel die Stadt Wien, in den Besitz von mehr Wohnungen und Grundstücken kommen. „Wir müssen proaktiver und strategischer an die Besitzer herangehen, um an Baugelände zu kommen“, so die Ministerin, die dafür eintritt, dass Staat und Gemeinden in Zukunft deutlich mehr bauen.

Eine Rolle spielen müsse hier selbstverständlich auch die Reform der Grundsteuer, die allerdings unter die Verantwortung der Innenministerin falle. Nötig sei auch eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Staat und Gemeinden. Die neue Ministerin hat indes den Eindruck, dass im Moment ein parteiübergreifender Konsens bestehe, in diesem Dossier endlich Nägel mit Köpfen zu machen...