LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Pilotphase: Äußerst positive Erfahrungen mit der mehrsprachigen Betreuung

Das Projekt „mehrsprachige Erziehung in den Kinderkrippen“ ist umstritten. Derzeit läuft sogar eine Petition, die sich dagegen ausspricht und die momentan von 1.681 Personen (Stand Montagnachmittag) unterstützt wird. In der Realität scheint die Umsetzung dagegen weit weniger Probleme zu bereiten, wie im Rahmen einer Pressekonferenz gestern Erzieherinnen aus drei Kindertagesstätten, die in die Pilotphase eingebunden sind, verdeutlichten.

Aufstockung der personellen Ressourcen

„Die mehrsprachige Erziehung in den Kinderkrippen ist zweifelsohne das Projekt mit dem nachhaltigsten Effekt auf das ganze Bildungssystem. Kinder sollen möglichst früh die Sprachen hören, die sie morgen sprechen sollen. Besonderer Wert wird auf das Luxemburgische gelegt. Wichtig ist es aber auch, mit dem Französischen in Kontakt zu kommen und darüber hinaus die Muttersprache zu fördern, dies, indem die Eltern gezielter eingebunden werden“, resümierte Bildungsminister Claude Meisch das Programm der Regierung für die mehrsprachige Erziehung, das ab Herbst 2017 in allen Kinderkrippen umgesetzt werden soll. Um Chancengerechtigkeit zu garantieren ist bekanntlich eine Gratisbetreuung von 20 Wochenstunden vorgesehen. Eckdaten und Kriterien sind wohl zwecks Qualitätsgarantie festgelegt und werden auch überprüft, wie genau das Rahmenkonzept umgesetzt wird, ist aber den jeweiligen Kindertagesstätten überlassen. „Jede ,Créche‘ hat andere Kinder, hat es mit anderen Sprachsituationen zu tun und noch dazu andere personelle Ressourcen zur Verfügung, die wir aber um zehn Prozent erhöhen werden“, bemerkte Meisch. In jeder Kinderkrippe soll noch dazu ein „Référent pédagogique“ bestimmt werden, um die Umsetzung der mehrsprachigen Erziehung zu garantieren.

Anfängliche Skepsis schnell überwunden

Die promovierte Erziehungswissenschaftlerin Claudia Seele, die die Pilotphase betreut und koordiniert, sprach wohl von einer anfänglichen Skepsis, die aber durch einen verstärkten Austausch schnell überwunden war. Ein gewisser Erfahrungsschatz sei ohnehin bereits vorhanden, keine Kindertagesstätte hätte bei null anfangen müssen, gab sie zu bedenken. Das bestätigten indes die Verantwortlichen aus drei Kitas.

„Wir haben unser Programm angepasst. Unsere Kinder und auch das Personal sind sowieso multilingual. Jetzt achten wir bewusster darauf, wann wir welche Sprache einsetzen, so haben wir etwa einen Yogakurs auf Luxemburgisch und eine Marionette, die nur Luxemburgisch spricht. Wir bringen den Kindern keine andere Sprache bei, sondern bringen sie damit in Kontakt. Wenn wir sehen, dass ein Kind etwas nicht versteht, passen wir uns an. Fortschritte haben sich schnell bemerkbar gemacht, weil wir offener sind“, berichtete Aurore Nove aus der „Crèche Coccinella“ in Esch/Alzette.

Auch in der „Crèche Born“, mit größtenteils luxemburgischen Kindern, war man anfangs skeptisch, erkannte aber schnell, dass man das Rad nicht neu erfinden müsse. „Wir haben damit angefangen, das Französische in die Esssituationen - eine Alltagsaktivität, die die Kinder kennen und bei der sie sich wohlfühlen - einzubinden. Das funktionierte sehr gut und die Kinder haben sich schnell daran gewöhnt. Bücher eignen sich auch hervorragend, um andere Sprachen aufzugreifen. Mittlerweile können wir immer öfter beobachten, dass die Kinder sogar französische Wörter während des Freispiels benutzen. Ihr Interesse an anderen Sprachen ist gewachsen. Eigentlich haben sie von Anfang an kein Problem damit gehabt, ganz im Gegenteil“, sagte Angelique Hebert. Ähnlich schilderte Cindy Martins de Oliveira aus der „Crèche Anne Pescher“ in Strassen ihre Erfahrungen: „Die Kinder nehmen sehr schnell eine neue Sprache auf, sie sind offen und auch kompetent. In der Kita leben sie sowieso in einem multikulturellen Umfeld und sind mit vielen Sprachen konfrontiert“.