LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Rotondes halten an „Congés Annulés“ fest und starten optimistisch in die Saison 2020/21

Not macht erfinderisch – das gilt in Corona-Zeiten auch für Programmvorstellungen. In den Rotondes funktioniert dies via „Drive in“. Die Journalisten können also bequem mit dem Auto auf das Areal fahren und durch Hupen, das Aufdrehen des Autoradios, das Betätigen der Scheibenwischer oder der Scheinwerfer signalisieren, mit wem sie ein kurzes Gespräch führen wollen. Blöd natürlich, wenn man überhaupt nicht mit dem Auto unterwegs ist. Auch daran haben die Organisatoren selbstverständlich gedacht und stellen netterweise Tretroller zur Verfügung, mit denen man sich dann vor versammelter Mannschaft zum Affen machen darf, bevor man schließlich zum Speeddating mit den Programmverantwortlichen übergehen kann.

Allgemeine Erleichterung

Die Stimmung ist gut. Es gibt Popcorn, Softdrinks und Bier. Wiedersehen macht Freude. Laura Graser, verantwortlich für das Bühnenprogramm, ist erleichtert, dass die aktuelle Saison doch noch einen richtigen Abschluss mit den „Congés Annulés“ im August finden kann und unter den gegebenen Umständen auch ein Programm für die nächste Spielzeit vorbereitet werden konnte. Der Großteil der Events und Produktionen, die wegen der Corona-Krise in den letzten Monaten ausfallen mussten, konnte in die nächste Saison verlegt werden. „Wir haben aber nun nicht eine spezielle Covid-Saison auf die Beine gestellt“, versichert sie. Als die Corona-Pandemie im März die Schließung aller kulturellen Einrichtungen erforderte, habe bereits ein großer Teil des Programms gestanden. „Wir haben danach keine spezifischen Formate entwickelt. Sofern es möglich war, wollten wir an der Planung festhalten, um den Künstlern und auch dem Publikum Perspektiven zu bieten. Natürlich war am Anfang alles ein bisschen furchtbar, als uns nämlich bewusst wurde, dass das laufende Programm für die Mülltonne war. Phasenweise waren wir etwas ratlos, wussten nicht wie wir uns verhalten und planen sollten, irgendwann haben wir aber den Mut gefasst und weiter am Programm gearbeitet. Um die aktuelle Saison doch noch rund abzuschließen, hieß es, Kompromisse zu finden“, gibt sie zu bedenken.

Logistische Herausforderung

Was nun das Bühnenprogramm 2020/21 anbelangt, so hatte vor allem die Entscheidung für Erleichterung gesorgt, dass in den Veranstaltungsräumen entweder die Abstandsregel eingehalten werden müsse oder das Tragen der Maske obligatorisch sei. „Müssten wir uns in den Rotondes an den Mindestabstand von zwei Metern halten, könnten wir fast kein Publikum empfangen. Da die meisten unserer Produktionen nicht länger als eine Stunde dauern, ist das Tragen der Maske zumutbar“, meint Laura Graser. Ungewiss sei derweil noch, wie es ab Herbst um die Schulvorstellungen stehe. So oder so stelle die Logistik eine große Herausforderung dar. Das weiß auch Marc Scozzai, zuständig für die Organisation der Ausstellungen. Die Expo „LEAP – Luxembourg Encouragement for Artists Prize“, die im März laufen sollte, wird nun im Herbst stattfinden, und die „Triennale Jeune Création“ wird um ein ganzes Jahr auf nächsten Sommer verschoben. „Inzwischen haben wir die virtuelle Plattform bravenewworld.lu geschaffen, um in einer ersten Phase zumindest einer der Missionen der Triennale gerecht zu werden: die Künstler zusammenbringen, damit sie untereinander Netzwerke aufbauen, sich austauschen und diskutieren können. Die Triennale hätte ja dieses Jahr größer aufgezogen werden sollen, dies in Zusammenarbeit mit dem Casino Luxembourg, es war demnach eine Herausforderung, das alles umzuorganisieren“, bemerkt Marc Scozzai.

Steph Meyers, Direktor der Rotondes, fällt es wie immer schwer, seinen „Coup de coeur“ der nächsten Saison zu nennen. „Ich muss da immer ganz diplomatisch sein“, lacht er. „Bemerkenswert ist für mich ganz einfach, dass es uns trotz allem gelungen ist, ein ganzes Programm auf die Beine zu stellen, und dass wir noch dazu heute eine neue Internetseite präsentieren können. Die Umstände sind zwar außergewöhnlich, aber trotzdem unterscheidet sich das Programm der nächsten Spielzeit jetzt nicht so wesentlich von früheren“, sagt er. Klar ist, dass mit Optimismus geplant wurde, immerhin weiß niemand mit letzter Sicherheit, wie es weitergeht. „Die Spannung bleibt groß, davon hatten wir in letzter Zeit aber eigentlich genug. Ich hoffe, dass sich alles beruhigt und keine neuen Spielregeln bezüglich der Vorgaben kommen. Und wenn doch, dann werden wir Wege finden, uns anzupassen, daran sind wir auf diesem Areal direkt neben dem Bahnhof ohnehin gewohnt“, schmunzelt er.

Angepasste „Congés Annulés“

Ein angepasstes Programm gibt es auch bei der diesjährigen Auflage der „Congés Annulés“. Alle Konzerte finden im Freien statt, es gibt feste Sitzplätze, und der Eintritt ist frei. „Als es Mitte März losging, standen 60 Prozent des Programms. Zahlreiche internationale Bands hatten wir bereits gebucht. Dann kamen Schlag auf Schlag die Absagen, und wir mussten alles überdenken. Die diesjährige Auflage fällt kürzer aus: vom 1. bis zum 23. August. Im vergangenen Jahr hatten wir 46 Bands, diesmal sind es 26. Genau wie bei der letzten Ausgabe treten wieder 21 luxemburgische Bands auf, dafür konnten wir aber nur fünf internationale Acts verpflichten“, erklärt Marc Hauser, verantwortlich für das Konzertprogramm. Die Auftritte internationaler Gruppen, die abgesagt werden mussten, sollen zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Die bereits geleistete Arbeit sei demnach nicht umsonst gewesen, findet er. „Die ganze Zeit über gab es diese Ungewissheit, davon haben wir uns aber nicht entmutigen lassen und irgendwann entschieden, an den ,Congés Annulés‘ festzuhalten, in der Hoffnung, dass die Konzerte dann auch tatsächlich gespielt werden können, wenngleich im Sitzen und mit Maske. Es ist immerhin ein Anfang und besser, als sich nur Konzerte zuhause im Streaming anschauen zu können“, hält er fest.
Die „Congés Annulés“ starten am 1. August um 18.00 mit einer großen „Opening Night“. Auf der Bühne stehen With Francky goes to Pointe-à-Pitre, Wolf Müller & Niklas Wandt, Airship81, Herr2003 (DJ Set) und Suske&Wiske & Mr Lambik (Video DJ Set). Bis zum 23. August werden jeden Abend DJ Sets auf der Terrasse für das richtige Sommerfeeling sorgen, beziehungsweise wird von mittwochs bis samstags Live-Musik mit unter anderem Bartleby Delicate, Edsun, Claudine Muno, Napoleon Gold und eine De Läbbel Session geboten. An den Sonntagen werden in Zusammenarbeit mit dem Rocklab Screenings von Musikdokumentarfilmen organisiert. Und auf eine weitere Neuheit darf man sich freuen: Am 16. August läuft ab 14.00 ein Flohmarkt für Schallplatten und CDs.
Alles Weitere unter www.rotondes.lu