LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Neue Spielzeit im Ettelbrücker CAPE: Zuschauern und Künstlern wieder Perspektiven bieten

Carl Adalsteinsson strahlt, als er die Journalisten in der Banannefabrik begrüßt, um die neue Spielzeit des Ettelbrücker CAPE vorzustellen. „Endlich geht es wieder los“, freut er sich und spricht von einer speziellen Saison, „einerseits weil wir unseren 20. Geburtstag feiern und andererseits natürlich wegen der Corona-Pandemie, die unser Programm ab März lahmgelegt hatte und auch die neue Saison prägt“.

38 Veranstaltungen hätten abgesagt werden müssen, 37 davon werden in der neuen Spielzeit nachgeholt. „Das war mir sehr wichtig. Schließlich hatte es seine Gründe, dass wir die Produktionen geplant und diese Künstler eingeladen hatten. Wir wollten sie einem Publikum zeigen, und das Publikum wollte sie sehen. Natürlich wollten wir auch Perspektiven schaffen. Ich denke, das ist das Wichtigste in einer solchen Periode. Eine kulturelle Einrichtung muss den Künstlern Perspektiven bieten. Viele von ihnen leben in prekären Situationen. Vor allem aber haben sie ein großes Verlangen zu arbeiten. Gleichzeitig möchten wir selbstverständlich auch dem Publikum wieder Perspektiven bieten. Kultur ist gesellschaftsrelevant, sie ist auch lebensrelevant. Ich bin deshalb sehr froh, dass die Türen der Kulturhäuser, der Theater und Konzertsäle wieder öffnen können, weil die Kultur Teil des Lebens von uns allen ist. Das ist also ganz klar das schönste Geburtstagsgeschenk“, sagt der Direktor des CAPE. Eine akademische Sitzung oder Ähnliches wird es derweil nicht geben, erst das 25. Jubiläum soll groß gefeiert werden.    

20 Jahre Kulturhaus im Norden

Der 20. Geburtstag bietet laut Adalsteinsson dafür aber die Gelegenheit, „de faire bouger les choses“. Im CAPE wird dies in Form einer Renovierung des Empfangsbereichs passieren. Ab Oktober wird sich dieser Teil des 20 Jahre alten Gebäudes in neuer Frische präsentieren. Auch die Webseite wurde neu gestaltet, um den virtuellen Empfang des Publikums ebenfalls zu verbessern. „Am 15. September 2000 wurde das CAPE nach fünfjähriger Bauzeit eröffnet. Der damalige Bürgermeister Edouard Juncker, der sich sehr für die Kultur im Norden einsetzte, hat viel dafür getan, dieses Projekt Realität werden zu lassen, dies in enger Zusammenarbeit mit der früheren Kulturministerin Erna Hennicot-Schoepges. Der Begriff ,dezentrale Kulturhäuser‘ wurde nach dem Europäischen Kulturhauptstadtjahr 1995 geprägt, dies vor allem auf Initiative der Ministerin, die das kulturelle Angebot dezentralisieren wollte. Zuerst wurden die Kulturfabrik in Esch/Alzette, das CAPE in Ettelbrück und des Trifolion in Echternach geschaffen. Mittlerweile gibt es zehn regionale Kulturhäuser“, rief er in Erinnerung.

Mission „Kreativität junger Leute“ weiterentwickeln

„Wir wollen das CAPE in Zukunft noch mehr in den Dienst der Jugend und Lyzeen stellen. Schulvorstellungen und ein Programm für junges Publikum hatten wir von Anfang an, jetzt wollen wir noch viel proaktiver werden. Quasi direkt vor unserer Tür befinden sich sechs Lyzeen, jene in der Region mit eingerechnet, kommen wir auf zehn. Unser Ziel ist es, die Kreativität jedes jungen Menschen anzuspornen“, unterstreicht Adalsteinsson. In diesem Kontext war bereits ein partizipatives Projekt in Form einer Oper, gemacht von Jugendlichen für Jugendliche, geplant, mit der diese Saison eigentlich hätte eröffnet werden sollen. Da aber die dafür vorgesehenen Workshops - 45 Jugendliche hatten sich eingeschrieben – wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden konnte, wird das Projekt um ein Jahr verschoben.

Auf 123 Veranstaltungen kann sich das Publikum nun freuen, darunter sieben Koproduktionen. „Wir haben wiederum versucht, ein möglichst ausgeglichenes Programm auf die Beine zu stellen, immerhin müssen wir unserem Namen ,Centre des Arts pluriels‘ gerecht werden. Dazu zählen Musik, Theater/Musiktheater, Tanz/Bewegung, Nouveau Cirque und bildende Kunst. Ein regionales Kulturzentrum hat die Rolle eines kulturellen Nahversorgers zu spielen“, beschreibt Adalsteinsson.

Was die Umsetzung der sanitären Maßnahmen anbelangt, so werden im CAPE zwei Szenarien befolgt: Beim Großteil der Veranstaltungen wird der Abstand von zwei Metern gewährleistet, wodurch allerdings nur eine Auslastung von 20 Prozent möglich ist. Nur bei fünf Spektakeln kommt das zweite Szenario zum Einsatz: Es werden mehr Plätze besetzt, dafür ist jedoch das Tragen der Maske obligatorisch. „Bei Events wie Singer-Songwriter-Konzerten wäre es dem Künstler nicht möglich, die nötige Atmosphäre zu schaffen, wenn er in einen großen Saal blicken müsste, in dem 80 Leute verteilt sitzen“, erklärt der Direktor.

Start mit „Nouveau Cirque“

Die neue Spielzeit startet in Ettelbrück am 3. Oktober mit einem „Nouveau Cirque“-Spektakel des Duos „Spot the Drop“. „Mit dem Titel dieser ersten Veranstaltung könnte man durchaus auch diese Spielzeit überschreiben: ,Wo hört Gewohnheit auf, wo fängt Wahnsinn an?‘“, sagt Adalsteinsson. Im Bereich „Danse & Cirque“ kann man sich außerdem auf den Auftritt der „National Dance Company Wales“ (26. März) freuen. Gespannt sein darf man auch auf das Gemeinschaftsprojekt „3x20“ von Jean-Guillaume Weis und Pascal Schumacher (12. Mai).

Musik, Theater und junges Publikum

In der Musiksparte geht es am 4. Oktober los mit Kammermusik vom Trio Perdichizzi-Moulin-Kruithof. Das „Orchestre Philharmonique du Luxembourg“ (OPL) ist am 16. Oktober zu Gast. Morgens bereits findet eine Schulvorstellung in Form eines moderierten Konzerts für Kinder statt. Mit dem jungen Bläserquintett „pentaTon“ wird am 9. Dezember eine Kreation geboten, dies mit unter anderem einem Werk des luxemburgischen Komponisten Marco Pütz. Vom 4. bis 7. Februar wird zum Klavierfestival geladen, das in Zusammenarbeit mit dem luxemburgischen Pianisten Pascal Meyer als Ko-Kurator organisiert wird und in dessen Mittelpunkt Werke des russischen Pianisten und Komponist Alexander Nikolajewitsch Skrjabin stehen. Zwei Generationen von Liedermachern erwarten die Besucher am 21. November beim Doppelkonzert von Konstantin Wecker mit Jo Barnikel und Andy Houscheid.

„Ich bestehe darauf, jedes Jahr eine Oper, ein Musical und Musiktheaterstück zu programmieren“, so Adalsteinsson. In der neuen Spielzeit darf man sich auf Rossinis Oper „La Cenerentola“ (21. Januar), das Broadway-Musical „The Addams Family“ (20. März) und „Die Geschichte vom Soldaten“, eine Kreation von Kammerata Luxembourg & Kopla Bunz (3.+4. Juni), freuen.

Im Theater- und Kabarett-Bereich machen verschiedene Truppen mit ihren Produktionen im CAPE Station, so etwa „Der Richter und sein Henker“ (26.+27. November), das Künstlerkollektiv „Independant Little Lies“ mit seiner neuen Kreation „Amadeus“ (3.+4. Dezember) oder Ian de Toffoli mit seinem „Terres Arides“ (2.+3. Februar). Besonders interessant sein dürfte auch die Kreation in Zusammenarbeit mit dem Escher Theater „Was heißt hier Liebe? Ein Spiel um Liebe und Sexualität“ (4. März). Samuel Hamen hat das Kultstück von 1976 in die Gegenwart versetzt. Die Produktion des Trifolion „Fake Facts – Der Stoff, aus dem die Wahrheiten sind“ klingt nicht weniger vielversprechend (30. März).

Diverse Ausstellungen und Konferenzen runden das Angebot im CAPE ab. Und was das Programm für das junge Publikum anbelangt, welches das CAPE mit dem „Mierscher Kulturhaus“ unter dem Motto „Caku“ nun schon seit über zwölf Jahren auf die Beine stellt, so stehen in dieser Saison nicht weniger als 18 Produktionen an. Dazu gehört mit „Mega Béis“ von Kopla Bunz (9.-11. Februar) auch eine Kreation.

Das ganze Programm unter www.cape.lu und www.caku.lu