LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Symphonic-Metal-Band ShadoWhisperS legt mit „Mara“ erstes Album vor

Symphonischer Metal mit Gothic-Elementen - in diesen musikalischen Gefilden bewegt sich die luxemburgische Band ShadoWhisperS. „Die ganz Harten bezeichnen es als Pussymetal. Das macht mir aber überhaupt nichts aus“, lacht Laurent Schleck, Keyboarder der Band, die vor kurzem ihr erstes Album „Mara“ veröffentlicht hat. Er selbst bevorzugt die Bezeichnung „Symphonic-Metal-Band“. „Wir verbinden Metal mit klassischer Musik, deshalb gibt es viele Streicherpassagen, auch Klavier- und Bläserteile, das Ganze in Verbindung mit etwas düsteren Texten. Es ist ein bisschen ein Nischenprodukt im Metal, genau das war aber von Anfang an unser Ziel“, sagt er.

Tatsächlich liegen die Anfänge bereits einige Jahre zurück, ShadoWhispers gibt es nämlich seit 2009, doch erst 2017 kam eine erste EP mit dem Titel „A Tincture Of Gothic Fiction“ zustande. Warum hat das so lange gedauert? „Die Band habe ich damals mit Bassistin Piquet Jung gegründet. Es hat einfach etwas länger gedauert, bis wir die richtigen Leute zusammenhatten. Zwischendurch hat die Besetzung mehrfach geändert. Manchmal war der Frust dann auch groß, weil wir immer wieder von vorne anfangen und die Lieder neu einstudieren mussten. Fast hätten wir aufgegeben. Aber jetzt passt es, wir ziehen alle in die gleiche Richtung, und es läuft, besonders seit Diane Frisch als Sängerin dabei ist“, erzählt er.

Unverkennbare Einflüsse, aber keine Kopie

War eigentlich ganz gezielt nach einer Sängerin gesucht worden? „Ja“, antwortet der Musiker, „weil es eben auch etwas Spezielles ist, diese harte Musik mit einer Frauenstimme zu unterlegen. Das ergibt einen ganz passenden Kontrast“. Was die musikalischen Einflüsse anbelangt, so listet Laurent Schleck den symphonischen Metal etwa von Nightwish, Epica oder Stream of Passion auf. „Es gibt Unmengen an Bands, die man in gewisser Weise als Vorbilder bezeichnen könnte. Within Temptation fällt mir auch noch ein, was ein bisschen mehr in Richtung Pop geht. Was ebenfalls mit einfließt, sind die etwas progressiveren Sachen. Ayreon kann man nennen. Früher auch Dream Theater, jetzt aber nicht mehr so. Beim Komponieren versuche ich immer, auch komplexere Sachen einzubauen, Taktwechsel und so weiter, am Ende soll es aber noch natürlich klingen und nicht aufgesetzt“, beschreibt er.

Trotz unverkennbarer Einflüsse zeigt er sich davon überzeugt, dass sich ShadoWhisperS von anderen Bands dieses Genres abhebt. „Wir sind definitiv keine Kopie von irgendeiner anderen Band“, stellt er klar. „Das ist ein Prozess, der relativ lange gedauert hat. Eigentlich ist man sowieso permanent dabei, die Lieder umzuarrangieren und neue Sachen auszuprobieren, vielleicht gerade, wenn man denkt, ein Song würde zu sehr nach etwas klingen, was es schon gibt. Genau deshalb ist ,Mara‘ kein Album, das mal eben so in vier Wochen fertiggestellt war“, gibt er zu bedenken.

Albtraumhaftes als roter Faden

Wer ist eigentlich „Mara“? „Das ist eine Figur aus der nordischen Mythologie, die nachts die Albträume bringt. Auch im englischen,Nightmare‘ und dem französischen ‚Cauchemare‘ steckt der Name. Und da die Songtexte eben von Albträumen handeln, von düsteren Gestalten, von Fantasiewesen, die in der Nacht unterwegs sind, haben wir etwas recherchiert und sind dabei auf diese Figur gestoßen. Diese Idee hat uns allen gefallen. Das Thema Albträume oder Träume im Allgemeinen sollte sich dann auch wie ein roter Faden durch das ganze Album ziehen, ohne dass das Ergebnis jedoch ein Konzeptalbum mit einer zusammenhängenden Geschichte sein sollte“, beschreibt der Musiker, von dem die Songideen übrigens größtenteils stammen, während Sängerin Diane die Texte schreibt. Meist wird dann gemeinsam im Probesaal an den Tracks gebastelt, wobei sich jeder einbringt. „Ich bin kein Gitarrist und auch kein Drummer, es ist deshalb klar, dass wir zusammen an der Grundlage, mit der ich ankomme, arbeiten, bis wir ein stimmiges Ergebnis haben“.

Von wirklich düsteren Stücken kann trotzdem nicht die Rede sein, dazu sind die symphonischen, teils sogar richtig orchestralen Passagen zu prägnant. Letztlich nimmt die Sängerin mit ihrer klaren Stimme dem Ganzen vom Sound her auch die Härte. „Shiny happy people ist es trotzdem nicht“, stellt Laurent klar und lacht.

Obwohl es sich beim Symphonic-Metal wie erwähnt eher um ein Nischenprodukt innerhalb der Metal-Szene handelt, gibt es weitere Bands in Luxemburg, die sich dieser Musikrichtung verschrieben haben. „Praktisch zeitgleich haben damals beispielsweise Elysian Gates angefangen, die aber komplett anders klingen, obwohl es sich um das gleiche Genre handelt. Eine noch ganz junge Band, Arduinna’s Dawn, ist gerade dabei, ihre erste CD aufzunehmen. Auch ihr Sound klingt anders, weil sie viele keltische Elemente einfließen lassen. Es gibt also in diesem Genre tatsächlich eine relativ große Bandbreite“, bemerkt Laurent.

Das Publikum in Luxemburg sei dagegen noch etwas rar. „Langsam aber sicher beginnt man uns zu kennen. Es ist natürlich etwas schwierig, immerhin gibt es in Luxemburg über 200 Metal-Bands. Wenn dann jedes Wochenende irgendwo ein Konzert ist oder sogar zwei, auf die sich die Anhänger dieser Musikrichtung verteilen, hat niemand viele Leute“, bedauert er.

Anderes Publikumbei „Metal & Pipes“

Darüber hinaus sind die Bandmitglieder von
ShadoWhisperS seit einiger Zeit noch mit einem anderen Projekt unterwegs: „Metal & Pipes“, dies zusammen mit Organist Paul Kayser. „Zuletzt haben wir im Januar ein Konzert in der Kirche von Weiler-la-Tour gegeben, weitere Auftritte sind geplant, etwa am 12. Juli in Kehlen. Wir spielen unsere eigenen Sachen, aber auch klassische Lieder, und Paul begleitet uns an der Kirchenorgel. Das wollen wir auch auf CD rausbringen. ,Metal & Pipes‘ ist deshalb ein interessantes Projekt, weil wir vor einem ganz anderen Publikum spielen, also vor Leuten, die üblicherweise kein Metal-Konzert besuchen“, weiß der Keyboarder.

Weitere Songs hat ShadoWhisperS übrigens bereits in Arbeit, sodass wohl ein zweites Album folgen wird, das in einem noch größeren Gemeinschaftsprozess entstehen soll. „Da stehen wir aber noch ganz am Anfang. Jetzt wollen wir erst einmal ,Mara‘ unter die Leute bringen. Schön wäre es vielleicht einmal als Vorband in der Rockhal oder im Atelier zu spielen oder bei einem kleinen Festival im Ausland aufzutreten. Von der großen Bühne und internationalen Karriere träumen wir aber nun nicht, dazu sind wir alle dann doch schon ein bisschen zu alt. Viele haben Familie. Da sind wir also ganz realistisch“, lacht er.


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