LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Unter Einhaltung strengster Schutzmaßnahmen: Besuche in Alters- und Pflegeheimen wieder möglich

Darauf haben viele gewartet, und zwar sowohl die Bewohner von Alters- und Pflegeheimen als auch ihre Familien. Besuche in diesen Einrichtungen sind fortan wieder möglich, wenn dabei strenge Hygiene-und Schutzmaßnahmen eingehalten werden. Es bleibt indessen den jeweiligen Häusern überlassen, wie sie derartige Visiten organisieren. Das sagten gestern Nachmittag Familienministerin Corinne Cahen und Copas-Präsident Marc Fischbach, dem Dachverband der Alten- und Pflegeeinrichtungen.

Spezieller Besucherraum

Zu Beginn der Videopressekonferenz erinnerte die Ministerin daran, dass die Visiten in den Alters- und Pflegeheimen nun schon seit sieben Wochen nicht mehr möglich gewesen seien, was eine lange Zeit sei, in der die älteren Leute ihre Familien nicht hätten sehen können. Im Mittelpunkt habe dabei aber immer das Wohl und die Gesundheit der älteren Leute gestanden, die in der Corona-Krise besonders gefährdet seien. Je länger die älteren Leute auf persönlichen Kontakt mit ihren Angehörigen hätten verzichten müssen, desto größer seien auch das Risiko der Einsamkeit und die Gefahren für die psychische Gesundeit geworden, gehe es doch nicht zuletzt auch darum, den Leuten Perspektiven zu bieten, so Cahen.

Unter den insgesamt 5.765 Bewohnern der Alters- und Pflegeheime in Luxemburg seien nicht mehr als 90 positiv getestet worden, wobei aber nicht alle auch Symptome gehabt hätten. 41 Bewohner, die positiv gewesen seien, seien inzwischen wieder gesund, derweil 29 Personen am Virus gestorben seien. In sämtlichen Alters- und Pflegeheimen würden im Moment sowohl die Bewohner als auch das Personal getestet werden; in vier Einrichtungen seien die Tests bereits abgeschlossen, und von 1.073 Personen seien hier 14 Tests positiv gewesen.

Wie die Ministerin unterstrich, würde das „Confinement“ dann auch nicht aufgehoben, sondern würden die Bedingungen angepasst werden, um Besuche in Alters- und Pflegeheimen wieder zu ermöglichen. So muss in Zukunft jeder, der einen Besuch machen will, sich vorher bei der Direktion der jeweiligen Einrichtung anmelden, wobei der Besuch in einem speziellen Raum stattfinden soll, der möglichst nahe beim Eingang des Heimes liegen soll.

Auch müssen alle sich vorher die Hände gewaschen haben und Masken tragen; mitgebrachte Sachen oder Geschenke werden ein paar Stunden stehen gelassen, ehe sie übergeben werden können. Nach dem Besuch muss der Raum mindestens 30 Minuten lang durchgelüftet werden; der Besucherraum wird danach außerdem gründlich gereinigt und desinfiziert. Besucher dürfen keine Symptome aufweisen und dürfen in den letzten 14 Tagen keinen Kontakt zu einem Covid-19-Erkrankten gehabt haben; das Gleiche gilt ebenfalls für die Bewohner der Einrichtungen. Bei Aufenthalten im Freien, zum Beispiel im Park der Einrichtung, muss ein Sicherheitsabstand von zwei Metern gewahrt werden. Kinder unter 16 Jahren dürfen ihre Großeltern vorerst nicht besuchen.

Kinesi- und Ergotherapeuten wieder zugelassen

Sich von sterbenden Angehörigen zu verabschieden, sei bisher trotz der Krise möglich gewesen und werde auch weiterhin erlaubt bleiben, so Corinne Cahen. Um zu verhindern, dass die Gebrechen der Senioren, die sich bewegen müssten, schlimmer werden, sollen etwa Kinesi- und Ergotherapeuten, Fußpfleger, Masseure und Psychologen von außerhalb der Einrichtungen wieder zugelassen werden. Sämtliche Häuser müssten sich jetzt diesbezüglich organisieren, so die Ministerin, die betonte, dass weiterhin extreme Vorsicht geboten bleibe.

Das tat auch Copas-Präsident Marc Fischbach, der von einer progressiven Lockerung des generellem Besuchsverbots sprach und bekanntgab, dass die Neuaufnahme von Senioren während der Krise drastisch zurückgegangen sei und inzwischen dann auch über 430 Betten nicht besetzt seien.

Die Familienministerin gab anschließend zu bedenken, dass wir in Zukunft lernen müssten, mit der Bedrohung des Coronavirus zu leben. Die Gefahr sei noch nicht gebannt, was besonders für die älteren Mitbürger gelte.

Sondergipfel der Großregion

Corinne Cahen nahm gestern in ihrer Funktion als Ministerin für die Großregion aber auch an einer Videokonferenz mit den Verantwortlichen der Großregion statt, darunter unter anderem auch die Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, und der Ministerpräsident der Wallonie, Elio Di Rupo, um sich über die Bewältigung der Corona-Krise in der Großregion abzustimmen.

Ziel des Sondergipfes war es, Maßnahmen für eine Exit-Strategie zu entwickeln und die im Zuge der Pandemie eingeführten Hürden an der Grenze weiter abzubauen. Die Aufnahme von Patienten aus den Nachbarregionen innerhalb der Großregion sei nur ein Beispiel von solidarischer grenzüberschreitender Kooperation, wie es in einer Mitteilung heißt. Die Grenzschließungen hätten herbe Einschnitte für die Großregion bedeutet. Als größte Pendlerregion Europas habe die Großregion ein gemeinsames Interesse daran, die grenzüberschreitende Realität zurückzugewinnen, um langfristigen Schaden für das Zusammenleben der Bürger in den Grenzregionen zu vermeiden.

Ab Montag: Wiederaufnahme der normalen medizinischen Aktivitäten

Premierminister Xavier Bettel und Gesundheitsministerin Paulette Lenert setzten ihrerseits gestern Nachmittag die Mitglieder des Kammerbüros über die aktuelle Situation in Sachen Covid-19 ins Bild, so wie sie das seit Beginn der Corona-Krise jede Woche im Plenum der Abgeordnetenkammer tun.

Eine für heute vorgesehene Pressekonferenz der Vereinigung der Ärzte und Zahnärzte, bei der es um die Wiederaufnahme der medizinischen Aktivitäten geht, wurde indes auf morgen verlegt, aber wie das Gesundheitsministerium gestern am Spätnachmittag mitteilte, sind ab nächstem Montag nach vorheriger telefonischer Anmeldung wieder normale Arztbesuche möglich.

Da heute wieder Regierungsrat ist, könnte es sein, dass am Nachmittag eine weitere Pressekonferenz stattfindet.

Kulturministerin Sam Tanson traf sich ihrerseits am Montag mit den Verantwortlichen verschiedener Kulturvereinigungen, um sich über die Lage der professionellen Künstler und Kunstschaffenden in der Corona-Krise auszutauschen. Dabei unterstrich die Ministerin, dass die Überlegungen zur Einführung eines Künstlerstatuts weitergeführt würden. •

REGIERUNG VERÖFFENTLICHT ZUSAMMENSETZUNG

„Task Forces“ und Arbeitsgruppen in der Krise

Es hatte Kritik gehagelt und drei parlamentarische Fragen (von ADR, Déi Lénk und CSV) gegeben bezüglich der Nicht-Öffentlichkeit der Zusammensetzung der verschiedenen Gremien, welche die Regierung in der Covid-19-Krise beraten. Gestern Nachmittag hat das Staatsministerium sie veröffentlicht. So gibt es eine „Cellule de crise Covid-19“, die von Gesundheitsministerin Paulette Lenert und dem „Haut Commissaire à la Protection Nationale“ Luc Feller geleitet wird, es gibt eine „Cellule Logistique“, die vom Gesundheitsministerium, der Armee und dem Verteidigungsministerium gesteuert wird und auch Verbindung zu den Botschaften hält, die beim „Procurement“ von medizinischem Material helfen. Dann gibt es eine „Covid-19 Monitoring Taskforce“. Die „Research Luxembourg Covid-19 Task Force“ unter Leitung von Dr. Ulf Nehrbass ist bekannt. Ebenso wurde die Zusammensetzung der „ad hoc“-Gruppe zur Begleitung der Lockerung der Covid-19-Maßnahmen, in der unter anderem Luc Frieden, der Präsident der Handelskammer und „Ombudsman“ Claudia Monti vertreten sind. Die „Groupe de travail interministériel sur la stratégie de déconfinement“ besteht aus Luc Feller (Staatsministerium, HCPN), Dr. Jean-Claude Schmit, Dr. Thomas Dentzer, Anne Calteux (Gesundheitsministerium), Paul Konsbruck (Staatsministerium) und Romain Martin (Hochschul- und Forschungsministerium). Für spezifische Bedürfnisse haben verschiedene Gremien auf externe Expertisen zurückgegriffen. Für die „Cellule de crise“ arbeiten so: Paul Schilling (Quercus s.à.r.l, unter Vertrag), Dr. Philippe Turk (Arzt in Rente, unter Vertrag), Marie-Lise Hillion (Santé et Prospectives s.à.r.l, unter Vertrag). Für die „Cellule Monitoring“ sind im Einsatz: Pol Masanas Amer (Beratungsgesellschaft Deloitte, unentgeltliche Beteiligung), Viola Fontanini und Pascal Langrenay (Beratungsgesellschaft PWC, zunächst zwei Wochen kostenlos, nun unter Vertrag) und Elena Emrick-Schmitz (PWC, unentgeltlich). Die „Cellule logistique“ arbeitet mit Marc Schlim (pensionierter Berater, unter Vertrag), Dr. Michel Nathan (Arzt in Rente, unter Vertrag), Feiza Benzaghou (Unabhängiger externer Experte, unter Vertrag), Xiaoyan Huang (Beratungsgesellschaft PWC, unentgeltlich in den ersten beiden Wochen, nun unter Vertrag), Yoon-shin Delcourt (externe Beraterin von Delcourt, Kim and Associates, nicht unter Vertrag). LJ