CHRISTIAN BLOCK

Ob die anstehenden Osterferien angesichts der geltenden Ausgangsbeschränkungen und Versammlungsverbote Schülern und Eltern wohl eine wirkliche Erholung ermöglichen werden? Fest steht, dass das Experiment, den Unterricht auf Distanz fortzuführen, nach drei Wochen unterbrochen wird. Noch in dieser Woche will die Regierung entscheiden, wie es danach weitergeht. Ohne sich auf Spekulationen einlassen zu wollen und auch wenn man nachvollziehen kann, dass für Schüler, Eltern und Lehrer bis spätestens Freitag Klarheit herrschen soll, seien zwei Fragen erlaubt: Auf welcher Faktengrundlage wird jetzt eine Entscheidung getroffen - und ist vorhersehbar, wie sich die Situation binnen zwei Wochen entwickelt?

Welche Bilanz zieht nach knapp drei Wochen #schouldoheem? Oder sollte man vielleicht richtiger von Fernunterricht sprechen? Tatsächlich hat die binnen Tagen erfolgte und von viel Einsatz begleitete Umstellung großen Einfluss auf das ohnehin nicht immer einfache Verhältnis zwischen Eltern und Lehrern. Eltern mussten nun, neben der Umstellung auf das Homeoffice, Haushalt und anderen Verpflichtungen wieder eine größere Rolle in der Bildung ihrer Kinder wahrnehmen, während Lehrer versuchen mussten, sich teilweise mit neuen Utensilien zurechtzufinden und gleichzeitig Ansprechpartner zu bleiben, wo sie in ihrer Funktion als Lehrer durch die Distanz eingeschränkt sind. Dass die Umstellung nicht reibungslos verlaufen würde und es seine Zeit braucht, bis sich die Dinge einpendeln, war abzusehen. Alles in allem wird man aber festhalten müssen, dass es eine große Dynamik gab, dass sich Ministerium, Lehrer und auch andere Akteure schnell auf die neue Situation einstellten und - notgedrungen - versuchten, das Beste daraus zu machen.

Doch je länger der Unterricht im Klassensaal im Interesse der allgemeinen Gesundheit ausgesetzt werden muss, umso herausfordernder dürfte der Unterricht auf Distanz werden und umso lauter werden Bedenken zu hören sein. Denn wenn man sich bislang mit Wiederholungs- oder Vertiefungsübungen oder anderen Aufgaben auf aufgeschobene Prüfungen vorbereiten konnte, dürfte die Vermittlung neuer Lerninhalte unter den jetzigen Bedingungen nur begrenzt umzusetzen sein, jedenfalls nicht so, wie im Klassensaal. Auch organisatorische Fragen drängen sich dann auf, in der Berufsausbildung etwa. Können Wissenszertifizierungen und Prüfungen noch durchgeführt werden?

Abzusehen war auch, dass die Verlagerung des Lernens ins Zuhause ohnehin bestehende Ungleichheiten verstärkt, sowohl mit Blick auf Computer und anderes Material, wie auch auf die den Eltern zur Verfügung stehende Zeit, ihren Bildungsstand oder die Begebenheiten in den eigenen vier Wänden, beispielsweise Platz und Ruhe zum Lernen zu haben. Ideal, und in diesem Punkt wird es wohl einen breiten Konsens geben, sind die Bedingungen, um den Unterricht fortzuführen, nicht. Deshalb: Auch wenn die öffentliche Gesundheit derzeit absoluten Vorrang haben muss, so ist es doch genauso wichtig zu verhindern, dass Schüler durch die aktuellen Umstände bedingt auf ihrem Bildungsweg das Nachsehen haben.‹