LUXEMBURG
KIM GREIS

Der 20-Jährige Younes Bouchnafa sorgte mit einer Aktion für Flüchtlinge für Aufsehen

Dieses Jahr will Younes Bouchnafa sein Abitur abschließen, damit er später Psychologie studieren kann. Nebenbei ist er in Vorständen von diversen Organisationen vertreten. Durch sein Engagement für Flüchtlinge zog er rezent Aufmerksamkeit auf sich. Wir haben ihn dazu befragt.

Um was ging es bei Deiner Aktion?

Younes Bouchnafa Ich bin von Luxemburg aus über München nach Hamburg geflogen. Spontan ging mir die Idee durch den Kopf, Blätter mit der Aufschrift „REFUGEES WELCOME“ zu beschriften, um sie auf mein T-Shirt und auf das Gepäck zu kleben.

Was war der Zweck Deiner Aktion?

Bouchnafa Manche behaupteten, ich hätte damit lediglich provozieren wollen. Dem kann ich aber nicht zustimmen, auch wenn ich bei kritischen Themen gerne mal stichele. Ich möchte den Menschen zeigen, dass ich human bin und mich für Gerechtigkeit einsetze. Der Zweck lag darin, die Reaktion der Menschen zu beobachten, Feedback zu erhalten und eventuell Diskussionen zu führen.

Wie haben die Leute reagiert?

Bouchnafa Die Reaktionen der Leute gingen von positiver Zustimmung bis hin zum bösen Rassismus. In Luxemburg gab es fast nur böse Blicke, einige wenige äußerten sich auch wirklich negativ zur Aktion. In Deutschland aber haben die meisten zur tollen Aktion gratuliert und verschiedene Leute machten sogar Fotos. Dem Abgeordneten Claude Wiseler konnte ich lediglich einen bösen Blick abgewinnen. Enttäuscht war ich vom Schauspieler Elyas M’Barek, welcher auch auf dem Weg nach Hamburg war. Er schien nicht von der Aktion begeistert zu sein; als ich ihn um ein Foto mit mir und meinem Schild bat, lehnte er mit Missfallen ab und ging.

Wirst Du in Zukunft ähnliche oder andere Aktionen unternehmen?

Bouchnafa Ich habe die syrischen Flüchtlinge empfangen, als sie hier ankamen, um ihnen meine Solidarität kundzutun. Zudem sammele ich Kleidungsstücke und Spielzeug, das ich in verschiedenen Foyers abgebe. Das Ziel der Aktion war, dass die Leute auf mich aufmerksam werden. Das wurde erreicht. Nun heißt es: Machen statt immer nur reden.

Wieso setzt Du dich für Flüchtlinge ein?

Bouchnafa Ganz einfach: Weil ich menschlich bin. Bedenkt man das Leid, das diese Menschen in ihrer Heimat und auf der Flucht erleben mussten, dann ist es selbstverständlich, dass ich ihnen helfe. Wir wurden zur richtigen Zeit am richtigen Ort geboren, wäre hier Krieg, dann würde ich auch flüchten und mich über jede Hilfe freuen.

Hast Du konkrete Vorschläge, wie man die Problematik angehen und lösen kann?

Bouchnafa Momentan zählt es, Menschen in Not zu helfen. Solange es Kriege gibt, müssen sich alle Länder an der Aufnahme von Flüchtlingen beteiligen. Meiner Ansicht nach, haben die Regierungen der letzten Jahrzehnte auf diesem Gebiet versagt. Sie sind teilweise selbst für die Krise verantwortlich, da sie Waffen in betroffene Gebiete liefern.

Würde Luxemburg 1.000 Flüchtlinge aufnehmen, dann wären das zwischen neun und zehn Flüchtlinge pro Gemeinde. Stören würde es niemanden. Doch sind die Einwohner Luxemburgs bereit so viel Toleranz zu zeigen?