LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

In Zeiten der „Robo Advisers“ setzt Raiffeisen weiterhin auf Kundennähe

Sehr zufrieden“ zeigte sich das Raiffeisen-Direktionskomitee gestern mit der Entwicklung der Aktivität der Genossenschaftsbank im ersten Semester des laufenden Jahres. Die Zahlen (s. Kasten) würden zuversichtlich stimmen, dass auch 2017 ein gutes Geschäftsjahr werde, meint Guy Hoffmann, der Vorsitzende des Direktionskomitees. In einem von sehr niedrigen Zinsen und wachsenden „Compliance“-Kosten geprägten Umfeld alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

Mit seiner Strategie 2015-2020 hat sich Raiffeisen auf diese Herausforderungen eingestellt. Während intern an der Optimierung der Arbeitsflüsse gearbeitet wird - auf diesem Posten sieht Guy Hoffmann noch einiges an Einsparpotenzial - setzt die Genossenschaftsbank weiterhin auf hochqualitative Kundenbetreuung, neue Anlageprodukte und bequemes Online-Banking. Im März hat sie in letzterer Sparte eine neue Plattform gestartet. Im „Private Banking“ haben die Kunden nun die Wahl zwischen verschiedenen Vermögensverwaltungsformeln. Außerdem hat sich die Bank ein Auswahlverfahren gegeben, das die besten Fonds auswählt, die der Risikobereitschaft der Kunden angepasst sind. Es sei gelungen, mehr Kunden für die Vermögensverwaltung zu begeistern, freute sich Guy Hoffmann.

Neue Agenturen, Beratungstermine zuhause

Kundenbetreuungsqualität wird nicht nur in der Bankzentrale in Leudelingen groß geschrieben, sondern auch in den 40 Raiffeisen-Filialen in Luxemburg. „Proximität ist kein leeres Wort“, unterstreicht Guy Hoffmann. Gestern noch wurde eine Filiale in der neuen „Nordstrooss Shopping Mile“ in Marmach eröffnet. In Bettemburg ist noch eine weitere Eröffnung vor Jahresende geplant. Und auch in Differdingen und Belval will Raiffeisen noch mehr Präsenz zeigen. Wobei die Öffnungszeiten den Bedürfnissen der Kunden angepasst wurden: Dienstags, Mittwochs und Donnerstags können sich die Kunden noch bis 19.00 beraten lassen. Die Genossenschaftsbank geht aber noch einen Schritt weiter: So können die Kunden auch einen Termin mit Raiffeisen-Beratern zuhause beantragen, auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten. Auf die Frage, ob Investitionen in solche kundennahe Dienste noch lange rechnen würden in Zeiten, wo Bankgeschäfte und selbst Vermögensberatung immer mehr Online vollautomatisiert ablaufen - Stichwort „Robo Advisers“, sagt Hoffmann: „Wir müssen Verkaufskanäle für alle Generationen anbieten, in denen jeder sich wieder findet“. Dass diese Strategie fruchtet, spiegele sich nicht zuletzt in der hohen Zufriedenheit der Kunden wieder, die durch TNS-ILReS-Umfragen belegt sei.

Laut Hoffmann stimmt die Auffassung, dass junge Menschen bei der Vermögens- oder Finanzierungsberatung immer mehr auf digitale Instrumente setzen, nur bedingt. Es sei schon so, dass auch Kunden jüngerer Jahrgänge bei komplexeren Transaktionen immer noch lieber direkt mit einem Kundenberater sprechen.

Relativ zugeknöpft gab sich Hoffmann indes über die genauen Effekte der Partnerschaft zwischen Raiffeisen und Postscheck, die im Februar 2016 besiegelt wurde und es den CCP-Kunden beispielsweise erlaubt, das Sparkontenangebot von Raiffeisen zu nutzen, deren Agenturen oder deren Geldautomaten. Nur so viel: Die Partnerschaft sei ein wichtiger Treiber des Geschäftsvolumens.