ANKARA
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In der Türkei hat ein Prozess gegen 47 Angeklagte begonnen, die versucht haben sollen, Staatschef Recep Tayyip Erdogan während des Putschversuchs im vergangenen Jahr umzubringen. Das Gerichtsverfahren wurde am Montag in der Stadt Mugla im Süden der Türkei eröffnet. Den Angeklagten, darunter 37 Militärs, drohen lebenslange Haftstrafen wegen eines versuchten Attentats, Umsturz der verfassungsmäßigen Ordnung und anderen Verbrechen gegen den Staat.

Sie sollen am 15. Juli vergangenen Jahres in ein Hotel in der Küstenstadt Marmaris eingedrungen sein, in dem sich Erdogan mit seiner Familie aufhielt. Dabei sollen die Angeklagten zwei Polizisten getötet haben. Erdogan selbst hatte das Hotel kurz zuvor verlassen.

Im Chaos der Putschnacht wurden rund 270 Menschen getötet. Die Regierung ließ danach an die 40.000 Verdächtige unter dem Vorwurf der Beteiligung und Unterstützung des Putsches verhaften. Als Drahtzieher beschuldigte sie den im US-Exil lebenden Geistlichen Fethullah Gülen. Zehntausende mutmaßliche Gülen-Anhänger wurden aus dem Staatsdienst entlassen.

Der Prozess gegen die 47 Angeklagten fand in einem Geschäftsgebäude in Mugla statt, wo ein temporärer Gerichtssaal errichtet worden war. Das eigentlich Gerichtsgebäude war zu klein. Die Angeklagten wurden unter starker Bewachung zum Gericht gebracht. Etwa 60 Menschen demonstrierten vor dem Gerichtsgebäude gegen die Gülen-Bewegung und für eine Wiedereinführung der Todesstrafe für Putsch-Beteiligte.

Anfang Januar waren die ersten Urteile gegen mutmaßlich Putschisten gefallen: Ein Gericht in der westtürkischen Stadt Erzurum verhängte lebenslange Haftstrafen gegen zwei Ex-Militärs.