LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Staatsanwaltschaft fordert Haft, Verteidigung sieht Mitschuld des Opfers

Am 23. Juli 2011 kam es zu einem tragischen Unfall auf der „Montée Clausen“, bei dem ein Motorradfahrer durch einen Frontalzusammenstoß mit einem Auto tödlich verletzt wurde. Der angeklagte Unfallverursacher, Ludovic M., der sich wegen fahrlässiger Tötung vor der 12. Strafkammer verantworten muss, rang am zweiten Prozesstag sichtlich um Fassung.

„Ich entschuldige mich für mein Tun“

Auf die Frage, was er zur Sache zu sagen habe, antwortete der Angeklagte der Richterin: „Ich will mich entschuldigen für das Leid, das ich der Familie zugefügt habe.“ Er glaubte an jenem Tag die Distanz zum Überholen gut eingeschätzt zu haben. Leider habe er erst im letzten Moment bemerkt, dass der Platz beim Überholen eines Busses nicht ausreichte, so der Angeklagte.

Nebenkläger fordern Schadenersatz

Trotz nur leichter Verletzungen, die eine Passantin am Unfallort erlitt, erklärte deren Anwalt als Vertreter der Nebenklage, dass seine Mandantin wegen des Unfalls unter psychischen Störungen leide. Zwei Passanten waren von Motorradteilen getroffen und dabei leicht verletzt worden. Der Rechtsanwalt beantragte ein psychologisches Gutachten sowie Schadenersatz für seine Mandantin.

Liegt die Verantwortung nur beimAngeklagten?

Der Schmerz, den sein Mandant der Familie des Opfers zugefügt habe, sei dem Angeklagten sehr bewusst und er würde darunter leiden. Wegen der Unvorsichtigkeit seines Mandanten, musste eine Person sterben, so Rechtsanwalt Roby Schons. Das große Leid, das der Familie durch den Tod des Motorradfahrers zugefügt wurde, hebe aber nicht die Zweifel an der Geschwindigkeit seines Mandanten während des Unfalls auf. Es gäbe nämlich keine hundertprozentige Genauigkeit in Bezug auf die Untersuchungen der Sachverständigen zum gefahrenen Tempo.

Es wäre auch juristisch fraglich, ob die zivile Verantwortlichkeit alleine bei dem Angeklagten liege, so Rechtsanwalt Franz Schiltz. Es gäbe nämlich laut toxikologischen Untersuchungen eine Beeinträchtigung der Handlungsfähigkeit des Opfers. Laut Untersuchungen stand das Opfer unter leichtem Alkoholeinfluss und Bluttests hätten ergeben, dass das Opfer am Tag des Unfalls Canabis zu sich genommen hatte. Auch verschiedene Beiträge der Nebenklagen hätten ihn erstaunt, er räumte ein, dass das Gericht hier das letzte Wort haben sollte. Beide Anwälte plädierten auf mildernde Umstände für ihren Mandanten.

Für Staatsanwalt Jean-Jacques Dollar ist der Fall klar: „Alkohol hatte in diesem Fall erheblich zum Unfall beigetragen“. Nach ihm hatte das Opfer keine großen Möglichkeiten, dem Wagen auszuweichen. Der Staatsanwalt forderte eine zweijährige Freiheitsstrafe und 12 Monate Fahrverbot für den Angeklagten.

Das Urteil fällt am 20. Februar.