LUXEMBURG/LAUSDORN
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Unfall von Lausdorn: Zwei Personen im Visier der Staatsanwaltschaft

Fast ein Jahr nach den dramatischen Ereignissen von Lausdorn gab die Pressestelle der Justiz gestern weitere Präzisionen zum Ermittlungsstand bekannt. Derzeit wurden vom Untersuchungsrichter zwei Personen in den Akten geführt werden, hieß es in der Mitteilung, die auch entsprechend juristisch verantwortlich gemacht werden sollen. Nachdem sich am 14. April 2018 ein Autofahrer gegen 2.00 bei Lausdorn einer Verkehrskontrolle entzogen hatte, nahmen zwei Polizeistreifen die Verfolgung des verdächtigen Wagens im Eildienst auf. „Zu einem gegebenem Moment befanden sich die Einsatzwagen auf der N7, wo es in Höhe Lausdorn bei einem Wendemanöver von einem der Polizeiwagen zu einer Kollision mit dem zweiten Einsatzwagen kam. Hierbei wurden zwei Beamte lebensgefährlich verletzt“, wie der Pressemitteilung der Polizei zu entnehmen war. Ein Beamter erlag seinen schweren Verletzungen noch an der Unfallstelle.

Fahrlässige Tötung könnte angeklagt werden

Auf der einen Seite ist es der Fahrer, der sich der polizeilichen Kontrolle entzog. „Il est inculpé du chef d’homicide involontaire, de coups et blessures involontaires, de rébellion et de conduite en état d’ivresse“, wie es offiziell in der Mitteilung heißt, also fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung, Rebellion und Trunkenheitsfahrt. Angesichts möglicher Verdunklungsgefahr wurde er vom 15. April bis 23. April 2018 in Untersuchungshaft genommen, um damit Aspekte wie der Alkoholkonsum im Detail verfolgt werden konnten.

Auf der anderen Seite ist es der Polizeibeamte, der mit seinem Polizeiwagen gegen das zweite Dienstfahrzeug kollidierte, dessen Fahrer kurz angehalten hatte, um einen anderen Autofahrer nach Informationen zu fragen. „L’agent en question a été inculpé du chef d’homicide involontaire et de coups et blessures involontaires“, ist der Pressemitteilung zu entnehmen. Inzwischen seien vier Personen in der Nebenklage zugelassen worden.

Die Kriminalpolizei Diekirch und die Generalinspektion der Polizei sind mit der Aufgabe betraut, „die zur Wahrheitsfindung erforderlichen Ermittlungsmaßnahmen durchzuführen.“ Der Untersuchungsrichter, der die Untersuchung durchführte, richtete 32 Anfragen und Anordnungen an die Ermittler, die in diesem Fall bisher insgesamt siebzehn Berichte erstellt haben.

Neben der Vernehmung mehrerer Zeugen wurden an Tankstellen aufgenommene Bilder, Tonaufnahmen der Rettungsdienste und Kommunikationen und Daten, die auf beschlagnahmten Mobiltelefonen gespeichert sind in die Ermittlungen eingeflossen.

Mehrere Gutachten angefordert - einige Ergebnisse stehen noch aus

Der Untersuchungsrichter ordnete auch mehrere Gutachten an, nämlich eine Autopsie des verstorbenen Polizisten, Gutachten zur Ermittlung des möglichen Blutalkoholspiegels der an der Strafverfolgung beteiligten Polizisten, „die sich als negativ erwiesen“, wie der Pressemitteilung zu entnehmen ist, ein Gutachten, um nachträglich den Blutalkoholspiegel der Person zu bestimmen, die flüchtete, eine Expertise eines ausländischen Fachmanns, um Daten aus dem Auto zu sichern, das von dem Angeklagten gefahren wurde, der geflohen ist, aber keine Ergebnisse geliefert hat, ein Gutachten eines ausländischen Fachmanns, um die genaue Entstehung des Unfalls zu rekonstruieren und die in den beiden am Unfall beteiligten Polizeifahrzeugen gespeicherten Daten zu sichern, sowie ein Gutachten zur Ermittlung der genauen Folgen für die schwer verletzte Polizistin, die sich noch im Krankenhaus und in einem kritischen Zustand befinde, wo das Ergebnis noch aussteht.

Was nun den Fortgang des Verfahrens anbelangt, führt die Pressestelle folgendes aus: „L’instruction poursuit ainsi son cours et dès que tous les actes posés à la demande du juge d’instruction seront terminés, il appartiendra aux parties et au parquet de conclure si l’instruction leur paraît complète ou si d’autres devoirs d’instruction devraient encore être posés.“ Eine abschließende Vernehmung der Angeklagten wird vor Ende der gerichtlichen Untersuchung stattfinden.

Was genau in der Anklageschrift stehen wird...

Es sei daher zu diesem Zeitpunkt nicht vorhersehbar, wann der Staatsanwalt die Angelegenheit an die „Chambre du conseil“ verweisen kann. Es wird dieses Gericht sein, das auf der Grundlage der geschlossenen Ermittlungsakte entscheiden muss, welche Tatsachen an das Gericht verwiesen werden (oder nicht), welche Personen angeklagt werden müssen (oder nicht) und wegen welcher Straftaten sie sich gegebenenfalls vor den Richtern zu antworten haben.