LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Staatsanwaltschaft fordert 14 Jahre Gefängnis für Autobombenleger

Im Prozess gegen den Autobombenleger wurden am Mittwoch, neben weiteren Zeugenvernehmungen, die Plädoyers der Verteidigung und Staatsanwaltschaft gehalten.

Ein Onkel beschrieb seinen Neffen Z. als eher liebenswürdigen Menschen, als einen eher zurückhaltenden und passiven Jungen. Sein Neffe hätte kein gutes Verhältnis zu seinem Vater gehabt. Der Vater hätte sich auch „null“ um ihn gekümmert. Kim hätte beim Vater keinen Schutzraum gefunden. Der Zeuge war überzeugt davon, dass man bei rechtzeitigem Eingreifen das Schlimmste hätte abwenden können. Nichts hätte aber darauf hingedeutet, dass Kim seinen Vater hätte töten wollen.

Was war passiert?

Eines Tages hätte Kim dann nicht mehr geredet. „Da muss irgendetwas passiert sein, von dem ich nichts weiß“, berichtete der Onkel.

In seiner „kompromisslosen Aussage“ zeigte Z. dem Gericht ein letztes Mal seine Uneinsichtigkeit und erlaubte damit einen tiefen Einblick in seine „pathologische“ Persönlichkeit. Er zeigte sich aufmüpfig, rief dazwischen und ließ die Vorsitzende oft nicht ausreden, beschimpfte sie teilweise. „Ich bekomme jetzt das Urteil und dann fertig“, sagte er. Reue vor Gericht ist ihm fremd.

In seinem Plädoyer zitiert der Verteidiger Gennaro Pietropaolo den Schriftsteller Hervé Bazin: „Familles, je vous hais! disait Gide (qui pourtant en fit une). Disons plus simplement, à deux lettres près: Familles, je vous ai.“ Kim sei misstrauisch. Seine Botschaft sei nie von der Familie verstanden worden. Er sei deshalb immer aggressiver geworden. Er sei stumm geblieben und hätte sich immer mehr isoliert. Sein Mandant bräuchte Hilfe, mit einer langjährigen Gefängnisstrafe sei ihm nicht geholfen. Der Verteidiger beantragt eine bedingte Freilassung mit Auflagen. Kim sollte in psychiatrische Behandlung. Doch da unterbrach der Angeklagte seinen Verteidiger, er sei nicht psychisch krank, rief er in den Gerichtssaal.

Anklage: Von langer Hand geplant

Er hätte sich alles anders vorgestellt. Er wollte eine große Nummer sein. Er hätte sich ein Luxus-Leben mit schönen Frauen gewünscht. Nun findet er sich ohne Luxus-Leben wieder, sagte die Anklagevertreterin und warf Z. einen vorsätzlichen (versuchten) Mord an seinem Vater vor. Die Bombe hätte das Opfer umbringen können, sagte die Staatsanwältin. Die Tat sei auch von „langer Hand geplant“ worden. Die Möglichkeit, die Strafe auf Bewährung auszusetzen, soll Z. auf jeden Fall verwehrt bleiben, da er gefährlich sei. Von einer günstigen Sozialprognose könne man nicht sprechen. Auch wenn er zur Tatzeit unter einer psychischen Störung litt, die sein Urteilsvermögen oder die Kontrolle über seine Handlungen beeinträchtigte, für die Anklagevertreterin bleibt er strafbar.

Die Anklagevertreterin beantragte nach langem Plädoyer 14 Jahre Haft für den Angeklagten. Das Gericht kann jedoch den Umstand der psychischen Störung des Angeklagten bei der Urteilsfindung berücksichtigen.

Das Urteil fällt am 31. Oktober.