LUXEMBURG
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Seit dem 1. Januar sind die schriftlichen Prüfungen für Soldatenanwärter abgeschafft

Sie seien „nicht aussagekräftig“ genug gewesen mit Blick auf die Grundausbildung bei der Armee: Die theoretischen Eignungstests für Soldatenanwärter. Das schreibt Verteidigungsminister François Bausch (déi gréng) in seiner Antwort auf eine parlamentarische Frage des Piraten-Abgeordneten Marc Goergen. So wurden die schriftlichen Prüfungen, die 2019 übrigens lediglich 240 von 436 Kandidaten schafften, zum 1. Januar abgeschafft und „durch eine Serie von psychotechnischen Tests“ ersetzt. Das neue System biete auch die Möglichkeit, sportliche Eignungstestes nachzuholen, schreibt der Minister, der zu einem Dutzend Fragen Goergens Stellung bezieht. Die meisten betreffen das Nachwuchsproblem bei der Armee. Laut Bausch wurden zwischen 2015 und 2018 im Durchschnitt 120 Soldaten jährlich vereidigt, im vergangenen Jahr absolvierten allerdings nur 78 Rekruten die Grundausbildung.

Ein Grund für die rückläufige Zahl mag der Umstand sein, dass auch andere Verwaltungen zahlreiche Profile rekrutiert haben, die auch die Armee bräuchte. Ein anderer, dass die KFOR-Friedensmission im Kosovo zu Ende ging. Die Beteiligung an solchen Friedensmissionen habe bei jungen Rekruten eine „gewisse Attraktivität“, so der Minister. „Wir hoffen dem mit unsern Plänen neue Kontingente auf Rotationsbasis an einer Friedensmission einzusetzen, entgegen zu wirken“, schreibt François Bausch, der auch unterstreicht, dass der Freiwilligendienst zwar keine Garantie mehr für einen Posten beim Staat ist, die Armee aber alles tut, um Perspektiven für ihre Soldaten zu schaffen. 2019 konnten so 71 von 75 freiwilligen Soldaten einen Posten im öffentlichen oder privaten Sektor finden.

Aus den ministerlichen Antworten geht ferner hervor, dass mittlerweile elf Prozent der Armeeangehörigen Frauen sind und die Armee zwar keine spezifischen Schutzmaßnahmen für Transgender-Soldatinnen eingeführt hat, dafür aber eine „Null-Toleranz-Politik“ gegenüber jeglichen Formen von Diskriminierung, Belästigung und Mobbing durchführt. Stellung bezieht Bausch dann auch zu einer europäischen Armee, für die noch kein klares Konzept vorliegt. Aber: „Ich kann mir eine europäische Armee als Krönung eines langen Prozesses vorstellen“. Vor allem aber müsse es konkrete Fortschritte bei einer verbesserten Zusammenarbeit im Beschaffungswesen und der Schaffung von mehr multinationalen Armeeeinheiten geben. „Wichtig ist auch, dass wir uns auf gemeinsame Werte einigen, die gegebenenfalls militärisch verteidigt werden sollen“.