Die geplante gesetzliche Regelung des Status des Psychotherapeuten regt einige grundsätzliche Gedanken zum Platz der Psychotherapie an. Während in Luxemburg zahlreiche Institutionen, Vereinigungen, sowie auch Psychiater, Psychologen und Allgemeinpraktiker psychotherapeutische Hilfe anbieten, soll das Gesetz den Status des Psychotherapeuten auf jene beschränken, die ein abgeschlossenes Psychologie-, respektive ein Medizinstudium aufzuweisen haben.

Eine zusätzliche Ausbildung als Psychotherapeut wird verlangt; Therapeuten, die diese Bedingungen nicht erfüllen, dürfen auch nicht praktizieren, was natürlich in der Praxis zahlreiche Fragen aufwirft. Tatsächlich sind nämlich auch Sozialpädagogen und Erzieher in diesem Sinne tätig, genauso wie Psychoanalytiker, die manchmal eine philosophische oder literarische Grundausbildung haben.

In einer Zeit, in der der Druck in der Arbeitswelt groß ist, die partnerschaftlichen Beziehungen kompliziert geworden sind und zu zahlreichen Zerreißproben in der Familien führen, ist für viele Menschen Hilfe bei psychischen Problemen sinnvoll, auch wenn sie noch immer ein Tabu ist. Viele schämen sich bis heute, zuzugeben, dass sie therapeutische Hilfe suchen; dabei könnte eine stärkere Verankerung der psychischen Betreuung und Beratung im Alltag der Menschen dazu führen, dass wir weniger Krankschreibungen, weniger Schlaf- und Beruhigungsmittelkonsum verzeichnen, mit jenen oft verheerenden Konsequenzen, die diese Medikamente auf die Arbeitsfähigkeit der Menschen haben. Die Gesetzesvorlage 6578 kurbelt die öffentliche Diskussion um die Psychotherapie an und trägt zu deren Enttabuisierung bei. Prinzipiell ist auch der Ansatz richtig, Patienten schützen zu wollen und eine solide Ausbildung seitens der Therapeuten zu verlangen. Dort aber, wo es um menschliche Emotionen geht, und wo auch Patienten sich emotional an ihren Therapeuten binden, was dann auch Teil der psychologischen Arbeit ist, ist es illusorisch zu glauben, dass man mit einem Gesetz die Gesamtheit der Problematik überhaupt erfassen kann.

Weder eine präzise Ausbildung in der Medizin oder der Psychologie, noch ein geschützter Titel garantieren dem Patienten, dass seine Gefühle und Probleme verstanden und sensibel angegangen werden.

Des Weiteren bleibt es wichtig, der Psychotherapie, die an wesentliche Dimensionen des menschlichen Lebens rührt, gewisse Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten, die der Komplexität der Arbeit mit der menschlichen Psyche Rechnung tragen. Die Psychoanalyse zum Beispiel ist in ihrem Ansatz unkonventionell, impliziert einen Vertrag zwischen Analytiker und Patient, und prinzipiell also keine Krankenkasse. Sie bietet dem Patienten eine Arbeit an sich selbst, mit dem philosophischen Ziel, eine grundsätzliche Überlegung über sich selbst einzuleiten, um den Anforderungen des Lebens besser gewachsen zu sein. Dieser Ansatz ist auf jeden Fall richtig, und setzt der Hektik und der Oberflächlichkeit des modernen Lebens etwas entgegen. Er zeigt auch die Schwierigkeit einer politischen Debatte dort, wo es schlussendlich um die menschliche Seele geht. Wir sollten uns also Zeit lassen, alle Aspekte der Problematik zu berücksichtigen und durchzudiskutieren.