LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Was Europa für kleine und mittlere Unternehmen tut, war in der Handelskammer zu erfahren

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) fragen sich oft, was die EU für sie macht. Deshalb wurde die Europäische Woche für kleine und mittlere Unternehmen ins Leben gerufen, innerhalb derer es überall in der EU Veranstaltungen gibt. In Luxemburg fand gestern ein Informationstag in der Handelskammer statt.

Neues Format

„Wir haben ein neues Format gewählt“, erklärt Sabrina Sagramola, die bei der Handelskammer nicht nur internationale Missionen leitet, sondern auch das „enterprise europe network“. „Wir wollen die kleinen und mittleren Unternehmen hochleben lassen.“

Diesmal gab es Workshops, auf denen Unternehmer erzählten, wie ihnen die EU geholfen hat. Beispiele aus der Praxis zu Programmen wie „Erasmus4Entrepreneurs und Eures waren ebenso präsent wie Hilfen für Unternehmen bei Innovation und Digitalisierung. Ein ganz entscheidendes Thema war natürlich die Finanzierung. Hier gab es Erklärungen zum COSME-Programm und über verschiedene Kredite. A den Ständen der Europäischen Investitionsbank (EIB) und des Europäischen Investment Fonds (EIF) war zu erfahren, welche Banken in Luxemburg Kreditlinien und Programme der EU für kleine und mittlere Unternehmen anbieten. Denn was viele nicht wissen: Diese werden immer über Partnerbanken und nie direkt vergeben. Doch die EU ist tatsächlich sehr aktiv. Allein 2015 flossen fünf Milliarden Euro in rund 70.000 KMU in der EU.

Über 200 Teilnehmer konnten sich darüber hinaus an zahlreichen Ständen der Partner der EU informieren. Vertreten waren unter anderem Technoport, Anefore, Adem, Microlux, ING, Fit4Cybersecurity oder 6zero1. Wer müde war oder Abwechselung brauchte, konnte eine Runde am Kicker spielen.

Punk-Manager mit Schokobonbons

Als Redner hatten die Veranstalter Alain Leduc gewonnen. Der CEO von Créativores wollte mit seinem „Punk Management“-Ansatz für neue Ideen sorgen und forderte dazu auf, quer zu denken, Gewohnheiten in Frage zu stellen und schräge Ideen zu pflegen. Als Beispiel nannte er die „Dinner in the sky“-Idee, die auch in Luxemburg schon angeboten wurde. Immer wieder rief er die Zuhörer zur Beantwortung von Fragen auf und belohnte sie mit Schokoladenbonbons. Das kam gut an. Er illustrierte den Vortrag mit praktischen Beispielen: Der Erfinder und Hersteller von Plastiktannenbäumen aus Deutschland kam durch Klobürsten auf die Idee, die er ebenfalls fertigte. Ein Unternehmen aus Frankreich hingegen hatte die Idee, Häppchen in kleinen Verpackungen als „Flying Buffet“ an Heliumballons zu hängen. „Das wurde von fast allen französischen Botschaften gebucht“, freute sich Leduc. Dann berichtete er von der niederländischen Firma van Moof, deren einige tausend Euro teure E-Bikes auf dem Transport oft beschädigt wurden - bis van Moof auf den Karton einen riesigen Bildschirm mit einer Radsilhouette druckte. „Ab da sanken die Rücklaufkosten um 80,6 Prozent“, erzählte Leduc, „denn die Spediteure glaubten, dass der Inhalt ein sehr großer Bildschirm sei.“ Damit seine Anregungen besser haften blieben, gab es am Ende noch ein Gruppenfoto mit Punkperücken für alle.

Hoher Gast aus Brüssel

Ein besonderer Gast war aus Brüssel angereist: Giacomo Mattinò, Leiter des Bereichs „Enterprise Europe Network und Internationalisierung von KMU“ bei der Generaldirektion Wachstum. Er hatte Neuigkeiten im Gepäck, war doch am Vortag die neue EU-Kommission vom EU-Parlament bestätigt worden. „KMU rücken jetzt noch mehr ins Zentrum. Das hat die Präsidentin schon bestätigt“, verriet er. Aufbauend auf dem, was schon steht, will die EU Erasmus für Handwerker und Finanzprogramme ausbauen. „Aber auch bei Herausforderungen wie Digitalisierung, Internationalisierung und Innovation will sie Unternehmen helfen, sich die notwendigen Fähigkeiten anzueignen“, sagte Mattinò. Nachhaltigkeit sei ebenfalls ein großes Thema.

Kampagne in 2020

Er lobte, Luxemburg sei bei zahlreichen Themen, die die KMU betreffen, schon sehr weit. Das wird gewissermaßen belohnt. Im kommenden Jahr wird die EU in Luxemburg, Belgien und den Niederlanden eine Kampagne zum Thema KMU durchführen. Diese wird voraussichtlich im Juni 2020 stattfinden und von mehreren Veranstaltungen begleitet werden. Erneut geht es darum, KMU darüber zu informieren, was die EU alles für sie tut.