LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

„Luxembourg Tech School“ lehrt PC-Spiele und Big Data

Gaming, Big Data oder FinTech: Sei es das eigene Computerspiel oder eine Formel für einen Erfolgssong, in den drei Modulen des Wahlfach-Projektes „Luxembourg Tech School“ dreht sich alles um Digitaltechnik. Die Schüler können ihre IT-Interessen ausleben, ihr außerschulisches Wissen aufpolieren und ihren Lebenslauf für Praktikums- oder Unibewerbungen interessanter machen. An dem Pilotprojekt beteiligen sich die Lyzeen Michel-Rodange, Aline Mayrisch und Athénée. Derzeit stecken die 32 Schüler zwischen 15 und 18 Jahren mitten im zweiten Modul: Mithilfe großer Datensätze wollen sie bestimmten Fragestellungen nachgehen. Über Internetseiten wie die Web-Plattform Kaggle.com suchen sie nach großen öffentlichen Datensätzen, die sie dann mithilfe von Algorithmen genauer untersuchen.

„Es geht um den Nutzen von Big Data für die Lösung gesellschaftlicher Probleme“, erklärt Projektleiter Dr. Sergio Coronado und Assistant-Professor an der Uni Luxemburg. Nach einer Einführung und Videokursen daheim arbeiten die Schüler nun an ihren Projekten. „Sie arbeiten in acht Teams, zwei Stunden pro Woche hier im Kurs und mindestens nochmal zwei daheim“, sagt Coronado.

Das eigene Game im Google Play Store

Die Schüler sind motiviert. Neun von ihnen haben für die Ergebnisse des ersten Moduls - ein eigenes PC-Spiel - Preise von Bildungsminister Claude Meisch bekommen. „Momentan haben wir von unserem Spiel ‚Gravity Assist‘ nur eine Demoversion gemacht, aber wir wollen es später in den Google Play Store stellen“, erzählt Preisträger Lucca vom Lycée Michel-Rodange. Bei dem Spiel, das als bestes Unterhaltungsspiel ausgezeichnet wurde, muss man sich den Weg aus einem Bunker suchen. Lucca und sein Mitstreiter Lukas haben das Spiel selbst programmiert, gemalt und animiert. Den Preis für das beste Unterhaltungsspiel haben Stanislas, Andy und Marion für ihr PC-Game „Strong Bonds“ erhalten.

Aber die Motivation ist vor allem hoch, weil sie an selbstgewählten Themen arbeiten. Die Gruppe um Paul und Paula beschäftigt sich mit den Verspätungen von Luxemburgs Bussen. „Es ist theoretischer als das PC-Modul, aber dafür realitätsnaher“, sagt die 17-Jährige Paula vom Athénée. Der gleichaltrige Valentin vom Aline Mayrisch hat sich mit seiner Gruppe hingegen für ein ganz phantastisches Thema entschieden. Sie analysieren Daten über Ufos: „Wir wollen herausfinden, ob sie in bestimmten Regionen besonders häufig gesehen wurden.“ Die 15-jährige Julie untersucht mit ihren Mitstreitern die Ursachen für Krisen in der Welt: „Wir fragen uns, ob es an Hunger, Ungleichheit oder anderen Faktoren liegt, aber derzeit ist unsere Datenmenge noch nicht groß genug“, sagt die Schülerin, die das Aline Mayrisch besucht.

Algorithmus für US-Präsidenten

Auch Daphné und Pit vom Athénée haben ein besonders ehrgeiziges Ziel: „Wir wollen den perfekten Song schreiben“, erklärt der 18-Jährige. Die Gruppe interessiert, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Erfolg eines Songs und seines Textes gibt. Dazu werten sie mit PC-Programmen mehr als 500.000 Songs aus.

Mitschülerin Lucy befasst sich in ihrer Gruppe mit Reden der US-amerikanischen Präsidenten ab 1850. Die Schüler wollen wissen, ob ein Algorithmus für die Wortwahl analysieren kann, ob eine Rede von einem demokratischen oder von einem republikanischem Politiker gehalten wurde.

„Für die USA ist es leichter Datensätze zu finden und außerdem sind die Parteien klarer getrennt als etwa in Luxemburg, daher sind die USA für den Anfang einfacher für unsere Analyse.“ Allein von Barack Obama haben die Schüler 49 Reden für ihre Untersuchung gefunden. Auch Lucy kann sich über das erste Modul der „Luxembourg Tech School“ freuen, denn mit ihren Mitstreitern Andrea, Daphné, und Fabien Schanet hat sie für das PC-Spiel „Utopia“ den Preis als beste Gruppe gewonnen. „Wir haben uns die Arbeit sehr gut aufgeteilt, nach den Stärken im Team.“

Die Marke „Luxembourg Tech School“ ist eine Initiative zwischen „Digital Lëtzebuerg“, dem Bildungsministerium, dem „Service de coordination de la recherche et de l’innovation pédagogiques et technologies“ (SCRIPT) und des „Centre de gestion informatique de l‘éducation“ (CGIE). Im kommenden Jahr sollen zwei weitere Standorte hinzukommen.

Weitere Informationen unter www.techschool.lu