LUXEMBURG
SVEN WOHL

Spielkritik: „Civilization: Beyond Earth“

Die Aliens lauern überall. Sie greifen die Konvoys an und machen den Kolonialisten das Leben schwer. Doch an Aufgeben ist nicht zu denken - Das Artefakt ist zum Greifen nahe! Gut, dass frische Kadetten aus der Hauptstadt nachrücken. Unter schweren Verlusten rotten sie die käferartigen Wesen aus und die Späher erreichen endlich das Artefakt. Die ergatterten Erkenntnisse bringen das Reich einen Schritt näher, absolute Dominanz über den fremden Planeten auszuüben.

Käferjagd oder Schmusekurs?

Die Barbaren, die einem früher in „Civilization V“ mal das Leben schwer gemacht haben, wurden also in „Beyond Earth“ durch Aliens ersetzt. Ihre Artenvielfalt und Quantität macht sie zu einer echten Gefahr, doch diese Neuheit unterstreicht das Design des Spiels. So hat man zu Beginn eine wesentlich breitere Palette an militärischen Optionen und „Beyond Earth“ fordert einen gleich zu Beginn, diese auszureizen. Erkundungen sind wichtiger denn je, denn die Artefakte können alles Mögliche bieten. Technische Fortschritte und Affinitätspunkte gehören da zu den nützlicheren Dingen. Energie, das die Rolle von Geld übernimmt, spielt eine weniger große Rolle.

Vieles ist gleich geblieben im Vergleich zu „Civilization V“, auch wenn es eine neue Optik hat: So soll man eine Zivilisation gründen und ausbauen. Nur muss man es hier auf einem fremden Planeten tun und ist bereits technisch hochgerüstet. Science-Fiction-Waffen sind also angesagt, nicht Keulen und Schwerter. Viele Neuheiten kommen halbgar daher: Das großartig angepriesene Affinitäten-System ist nichts weiter, als ein Ersatz für den Faktor Kultur, auch wenn er sich interessanter spielt.

Die Anführer einer jeden Nation können sich für drei verschiedene Richtungen entscheiden, in die sie sich entwickeln können. Harmonie, Vorherrschaft und Reinheit - Diese drei Philosophien bestimmen nicht nur die Fähigkeiten, die die eigene Zivilisation ausbaut, sondern beeinflussen auch die Entwicklung zahlreicher Einheiten. Harmonie beispielsweise sorgt dafür, dass man besser mit den Aliens klar kommt, diese sogar domestiziert und ausnutzen kann. Vorherrschaft verstärkt eher die militärische Vorgehensweise, während Reinheit die Menschen unverändert lässt und Terraforming in den Vordergrund stellt.

Eine Frage der Technik

Auch der neue Technologiebaum hat es in sich. Anders als zuvor kann man sich hier wesentlich freier entfalten. Neben Technologiezweigen gibt es noch Spezialisierungen, die entweder die Affinität vorantreiben oder neue Möglichkeiten freischalten. Das ist zu Beginn noch gewöhnungsbedürftig, dynamisiert den Spielverlauf jedoch angenehm. Gleiches gilt für die Tatsache, dass man in einem Spiel nicht alle Technologien freischalten kann. Spannend ist auch die Tatsache, dass keine Technologien mehr ausgetauscht werden können, womit sich die Völker sehr unterschiedlich entwickeln können. Quests, also Aufgaben mit Belohnungen, sorgen für noch mehr Individualität.

„Beyond Earth“ sieht also anders aus und spielt sich auch anders, aber einige althergebrachte Probleme der Serie sind immer noch vorhanden. Die künstliche Intelligenz der anderen Völker ist immer noch lachhaft und hat ein absurdes Kurzzeitgedächtnis. Das macht das Siegen natürlich dementsprechend einfach. Ein anderes Problem ist neu: Wer „Civilization V“ liebte, weil man eine Art alternative Geschichte durchleben kann, der wird hier keine Freude daran haben. Das Science-Fiction-Szenario liegt nun einmal nicht jedem. Eine eigene Identität schafft sich das Spiel mit Leichtigkeit. Doch der Charme fehlt irgendwie.