ETTELBRÜCK
LIZ MIKOS

Der Chor „Les jeunes qui chantent“ verzückt sein Publikum mit seiner A-Cappella-Performance

Im Rahmen des A CAPE’lla Festivals, das heute beginnt, tritt auch der Chor „Les jeunes qui chantent“ des Ettelbrücker Conservatoire mit a cappella auf. Diese Gesangsgruppe ist Teil der „Chouerschoul“ und nimmt Mitglieder ab dem Alter von 16 Jahren an. Neben der Freude am Singen und der Stimmentwicklung bietet die Chormusik den Jugendlichen eine gute Schulung des Gehörs und der ästhetischen Wahrnehmung sowie eine gute Orientierungshilfe, um eigene Kreativität zu leben. Laura Henriquez hat bereits im Kindesalter ihre Liebe zur Musik entdeckt und ist dann später auch den „Les jeunes qui chantent“ beigetreten. Wie sie zum A Cappella- Gesang kam und was diesen so besonders macht, verrät die 18-Jährige im Interview.

Wie kamst Du zum A- Cappella-Gesang?

Laura Henriquez Als ich sechs war, habe ich bereits die „Chouerschoul“ im Conservatoire in Ettelbrück besucht und da hat das eigentlich alles seinen Lauf genommen. 2016 bin ich dann im Robert Schuman-Chor aufgenommen worden. Dort haben wir auch schon angefangen etwas mehr mit a cappella zu arbeiten. Mit unserem neuen Chorleiter Matthias Rajczyk haben wir uns dann aber erst wirklich deutlich mehr auf den Gesang ohne Instrumente fokussiert. Vorher waren unsere Proben und Konzerte meist instrumental begleitet, jetzt können wir einfach mehr verschiedene Dinge mit unseren Stimmen ausprobieren. Wenn man nämlich vom Klavier begleitet wird, gibt es immer einen Ton, an dem sich stimmlich orientiert wird, was es einfacher macht, selbst den Ton zu halten. A-Cappella-Gesang fordert sehr viel mehr Kontrolle, damit wir nicht auf einmal höher oder tiefer singen, da unsere eigenen Stimmen die einzige Orientierungsquelle sind. Das ist auch das, was an dieser Form des Gesangs schwieriger ist, insbesondere, wenn mehrere Leute mitsingen.

Was magst Du an dieser Form des Gesangs besonders?

Laura Dadurch, dass man a cappella singt, kann die Qualität der Stimmen viel leichter erkannt werden. Ich finde es aber auch einfacher zuzuhören, wenn ich mich rein auf Stimmen konzentrieren muss, weil es irgendwie purer ist und nichts da ist, das vom Gesang an sich ablenkt. Man hört einfach jede Stimme ganz klar raus und ich finde, dass genau das es einfacher macht, die Musik zu genießen. Ich würde es auch wichtig finden, den Leuten diese Art der Musik wieder etwas näherzubringen. Ich habe manchmal das Gefühl, dass wir Menschen das, was die Musik uns gibt, nicht genug wertschätzen. Insbesondere auch, wenn es um klassische Musik geht, die leider von jungen Menschen oft nicht mehr als voll, oder als modern angesehen wird. Deshalb ist es auch schön, dass es wieder immer mehr Initiativen gibt, um andere Genres hervorzuheben, wie auch dieses Gespräch, das es uns ermöglicht diese Passion mit unseren Mitmenschen zu teilen. Ich habe beispielsweise die Erfahrung gemacht, dass viele Leute nichts mit dem Begriff a cappella anfangen konnten. Wegen solcher Initiativen und auch wegen des A CAPE’lla Festivals können wir unsere Musik wieder etwas mehr in den Vordergrund rücken und zeigen, dass es diese Form des Gesangs auch gibt.

Haben aktuelle Bands oder die „Pitch Perfect“ Filme Deiner Meinung nach einen Einfluss auf die Verbreitung des A-Cappella-Gesangs?

Laura Ich weiß gar nicht, ob hier überhaupt so viele junge Leute mit a cappella vertraut sind. Natürlich kenne ich einige, da ich in dieser Szene unterwegs bin, aber ich denke schon, dass unter anderem Bands wie „The Real Group“ oder „Pentatonix“ ein kleiner Aufschwung des a cappella zu verdanken ist. Bei denen ist es ja so, dass jede Stimme einzeln im Fokus steht. In unserem Chor hingegen singen immer zwei bis drei Leute eine Stimme und diese Stimmen vermischen sich dann, daher ist es bei uns ein bisschen anders. Aber die Gesangsart hat ganz bestimmt seit der „Pitch Perfect“ Filme und auch dank erfolgreicher Bands an Aufmerksamkeit gewonnen. Für mich ist es allerdings nicht so, dass ich mir mit dem Gesang den Durchbruch erwünsche. Ich singe rein aus Spaß an der Sache und will später Medizin studieren. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es Leute gibt, die sich davon so inspirieren lassen, dass sie versuchen, mit dem A-Cappella-Gesang Erfolge zu feiern.

Wie hat sich der Chor auf das A CAPE’lla Festival vorbereitet?

Laura Wir treten ja einmal mit „The Real Group“ auf und geben noch ein kurzes Einzelkonzert. Vor einer Woche hatten wir ein Konzert in der alten Kirche in Diekirch, wo wir auch zum Teil mit A-Cappella-Stücken aufgetreten sind und dieses Set werden wir dann auch am 2. Februar noch einmal zum Besten geben. Als großes Highlight performen wir „Freedom!“ von George Michael zusammen mit „The Real Group“, ebenfalls am Sonntag. Vor dem Auftritt werden wir dann auch erstmal auf die Band treffen und einen gemeinsamen Soundcheck machen und vielleicht auch noch einmal den Song zusammen proben. Ansonsten haben wir unsere wöchentliche Probe eingehalten, die in der Regel zwei Stunden dauert. Hier konzentrierten wir uns dann hauptsächlich auf die Stücke, mit denen wir noch nicht aufgetreten sind, wie in diesem Fall „Freedom!“.

Seid ihr als „Les jeunes qui chantent“ aufgeregt vor einem solchen Auftritt?

Laura Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich, auch je nachdem, ob die Band einem davor schon ein Begriff war. Es ist natürlich eine große Chance und ich freue mich sehr, da ich einfach die Arbeit, die „The Real Group“ als Musiker abliefern, sehr bewundere. Ich würde aber nicht sagen, dass ich zum jetzigen Zeitpunkt nervös bin, da überwiegt gerade eher die Vorfreude. Ich freue mich darauf, einen schönen Moment mit diesen Menschen teilen zu können und hoffentlich ein gutes Konzert abzuliefern. Das kann sich allerdings kurz vor dem Auftritt noch ändern, denn vor einem Konzert bin ich dann meist doch etwas aufgeregt. Aber in erster Linie will ich dort einfach Spaß haben und dass die Leute auch Freude an unseren Stimmen haben.

Wie wird eine Auswahl für einen solchen Auftritt vor-bereitet?

Laura Das macht unser Chorleiter Matthias Rajczyk. Ich kann das jetzt natürlich nicht genau sagen, aber ich gehe davon aus, dass er erst einmal überlegt, was für unseren Chor möglich ist und welche Lieder wir je nach Location gut rüberbringen können. Man muss ja auch immer den Saal, in dem man singt mit einplanen, wie der Klang dort ist, ob es schallt und auch die Größe des Raums sowie du Zuschaueranzahl spielen da eine Rolle. Es bringt uns als Chor ja auch nichts, mit einem Stück aufzutreten, das wir zwar cool finden, das aber in unserer Konstellation vielleicht nicht so schön klingt. Es wird auf jeden Fall ein Konzert, für das wir uns wirklich sehr ins Zeug gelegt haben. Ich denke, dass es für das Publikum interessant wird zu sehen und zu hören, wofür wir so hart gearbeitet haben. Wir freuen uns jedenfalls auf eine gute Zeit.

„Les jeunes qui chantent“ treten am 2. Februar zusammen mit „The Real Group“ auf; Eintritt für Erwachsene kostet 26 Euro, unter 26 Jahre zahlt man 13 Euro, mit Kulturpass 1 Euro; Tickets sowie das vollständige Festivalprogramm gibt es auf www.cape.lu