MAMER
SIMONE MOLITOR

Kinneksbond startet mit überarbeitetem Programm und angepasstem Saal in die Saison

Eine schwere Zeit liegt hinter den Verantwortlichen der Kultur- und Theaterhäuser. Nachdem die letzte Saison wegen der Corona-Pandemie frühzeitig beendet werden musste, standen sie alle vor der Herausforderung, die zu dem Zeitpunkt bereits geplante Spielzeit 2020/21 umzuorganisieren. Vor kurzem stellte Direktor Jérôme Konen das Programm des Mamer Kinneksbond vor, „das unzählige Male überarbeitet und angepasst werden musste, um schließlich im Einklang mit den aktuellen Gegebenheiten zu sein“. Kreation, Solidarität und Geselligkeit - dies seien die drei großen „mots d’ordre“ der neuen Spielzeit. Der Startschuss fiel derweil bereits am 18. und 19. September mit zwei ausverkauften Hommage-Abenden an Jay Schiltz. „Äddi Jay, du waars net keen“ ist eine von vielen Kreationen, die das Kinneksbond im Angebot hat.

Mehrere Kreationen und Koproduktionen

Die Kreation „Trip“ der „Compagnie Corps in Situ“ beschrieb der Direktor als „ein Stück, das den Zeitgeist trifft“. Eingetaucht in das Hippie-Universum der 60er und 70er Jahre erkunden fünf TänzerInnen verschiedene Formen von „immobilen Reisen“, die sowohl der Flucht als auch der Identitätsfindung dienen (am 25. und 26. Februar). Jedes Jahr unterstützt das Kinneksbond auch eine internationale Kreation, diesmal „Rabudôru, Poupée d’amour“ von Olivier Lopez, der das Lachen als Werkzeug nutzt, um die Welt anders zu denken. Es geht einerseits um die Tabuisierung der Sexualität und andererseits um unser Verhältnis zu Objekten (am 17. März). Seit mehreren Jahren koproduziert das Kinneksbond jede Saison mindestens ein Stück mit dem „Théâtre du Centaure“. In dieser Spielzeit darf man sich auf „Hamlet“ in einer Inszenierung von Myriam Müller gefasst machen (am 28. und 30. April).

 „Eine Kollaboration mit dem ,Orchestre de Chambre du Luxembourg‘ (OCL) und ,Opéra-Théâtre de Metz Métropole‘ gehört ebenfalls traditionell zu unserem Programm. Leider ist das in diesem Jahr nicht möglich. Dennoch haben wir mit ,Réson(d)ance‘ am 14. Mai ein Projekt mit dem OCL im Programm, das Musik und Tanz verbindet. Zwei große Komponisten des 20. Jahrhunderts stehen an diesem Abend im Fokus: Claude Debussy und Darius Milhaud. Die Choreografen werden wir ab Ende Oktober über einen Projektaufruf suchen“, informierte Konen. Im musikalischen Bereich darf man sich darüber hinaus auf eine erste Kollaboration mit den „United Instruments of Lucilin“ und die Kreation „Play Smart!“ freuen. Dazu überschreitet das Ensemble die Grenzen des klassischen Repertoires, um die möglichen Symbiosen zwischen Musik und neuen Technologien zu erforschen. Das Konzert entsteht unter der Federführung von Roby Steinmetzer, Alan Edward Williams und Philippe Schwarz, dies teils mithilfe einer Smartphone-App in Zusammenarbeit mit Schülern und schließlich einem interaktiven Publikum (am 16. Juni).

Bewegende und aktuelle Themen

Große Themen werden 2020/21 ebenfalls im Kinneksbond aufgegriffen. „Eine unserer Missionen ist es, uns für alle Problematiken zu öffnen. Manche davon sind durch die Krise vielleicht etwas in den Hintergrund gerückt“, meinte Konen. „Ashes to Ashes“ (am 21. und 22. Oktober) geht auf ein schriftliches Zeugnis von Zalmen Gradowski zurück, das aus der Asche von Auschwitz ausgegraben wurde. Simon Wauters und Agnès Limbos haben daraus ein aussagekräftiges Objekttheaterstück geschaffen. In „Pink Boys and Old Ladies“ geht es um das Anderssein und die Selbstakzeptanz. Im Mittelpunkt steht ein Junge, der gerne Kleider trägt und sich deshalb mit Fragen nach seiner sexuellen Orientierung konfrontiert sieht (am 18. November). Ein anderes Thema, das die Aktualität derzeit besonders stark prägt, wird in dem Stück „Schtonk“ mit Luc Feit aufgegriffen (am 27. November): „alternative Fakten“ und Rechtspopulismus. Die Bühnenkomödie nach dem gleichnamigen Film von Helmut Dietl widmet sich dem aberwitzigen Medienskandal um die gefälschten Hitler-Tagebücher. In „Toutes les choses géniales“ geht es um das Thema Suizid, das in einer bewegenden Geschichte aufgegriffen wird (am 27. und 28. Januar). Die Hauptrolle in „HEN“ – nach dem geschlechtsneutralen Pronomen, das Schweden eingeführt hat - spielt eine transformistische Marionette mit multiplen Identitäten und wechselnden Geschlechtern (am 4. und 5. Juni).

Zu den weiteren Highlights der Saison gehören „Laterna Magica“, inspiriert an den intimen Leiden von Ingmar Bergman (am 29. Oktober), „Here and now“, wo es unter Einbindung des Publikums um die Frage geht, warum wir ins Theater gehen (11. Februar), „Bells and spells“, in dem Victoria Thierrée Chaplin und Aurélia Thierrée - Tochter beziehungsweise Enkelin von Charlie Chaplin - die Zuschauer in ein magisches Universum entführen (3. März), „De Ratefänger vun Hameln“, präsentiert von Dan Tanson (7. bis 9. März) oder auch noch „Machine de cirque“, eine energiegeladene und mitreißende Show, in der fünf Performer auf humoristische Weise ihre akrobatischen Kunststücke zeigen (27. und 28. März).

Umwandlung in ein Theatercafé

„Die Rückkehr zu einer gewissen Normalität wird in dieser Saison eine besondere Herausforderung. Trotz allem ist es uns wichtig, gesellige Momente zu bieten. Man kommt nicht nur hierher, um sich ein Theaterstück anzuschauen, sondern auch um andere Menschen zu treffen. Angesichts der aktuellen sanitären Maßnahmen ist dies nicht unbedingt leicht. Um die Theaterszene wirklich auf allen Ebenen zu unterstützen, also auch die Leute, die hinter der Bühne arbeiten, haben wir die Bühnenbildnerin Trixi Weis gebeten, den Großen Saal vom 18. September bis zum 24. November in ein Theatercafé umzugestalten, in dem die strikte Einhaltung der Hygienevorschriften möglich ist“, erklärte Konen. Dazu wurden die roten Sitzreihen entfernt und durch ein Sammelsurium an Vintage-Möbeln ersetzt. Das Publikum nimmt auf weichen Sofas oder ikonischen Regiestühlen Platz, muss während der Vorstellung keine Maske tragen und wird noch dazu von einem Kellner am Tisch bedient. In der neuen Spielzeit gibt es demnach weder Kompromisse in Bezug auf die Qualität der Darbietungen noch auf die Sicherheit oder das Ambiente.

Alles Weitere unter www.kinneksbond.lu