LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Weinbauminister Romain Schneider: Die Einführung des AOP-Labels 2014 hat sich bewährt

Woran erkennt man einen guten Wein - vor dem Kauf? Um dem luxemburgischen Wein bessere Marktchancen zu geben und gleichzeitig eine gewisse Differenzierung zu schaffen, wurde 2014 die Herkunftsbezeichnung „Appellation d’Origine Protégée - Moselle Luxembourgeoise“ eingeführt. Die Herkunft soll schlicht für Qualität stehen.

Einen direkten Bezug zum Thema Qualität hat auch die mit dem AOP-Label verbundene kleinräumliche Einteilung nach Weinlagen. Dafür gibt es drei verschiedene Bezeichnungen: „Côtes de...“, „Coteaux de…“, „Lieu-dit“. Eine Steigerung von der Großlage bis zu besonderen Einzellagen. Sie sollen den Weinkäufern die Unterscheidung von einfachen Qualitätsweinen, Weinen von hoher Qualität und außerordentlichen Weinen erleichtern.

Gilles Baum, DP-Abgeordneter aus dem Ostbezirk, setzte sich in einer parlamentarischen Anfrage an Landwirtschafts- und Weinbauminister Romain Schneider mit der seit fünf Jahren existierenden Herkunftsbezeichnung AOP und deren Nutzen auseinander.

Wie sieht die Entwicklung aus?

Baum wollte wissen, wie sich das Volumen der Weine mit und ohne Herkunftsbezeichnung AOP seit 2014 entwickelt? Wie gliedern sich die AOP-Weine prozentual nach den drei genannten Lagen-Kategorien sowie der Produktlinie „Crémant/Schaumwein“ auf? Setzen die Winzer durch das AOP-Label jetzt mehr auf Qualität statt Quantität? Wie hat sich das Label auf den Absatz des luxemburgischen Weines im In- und Ausland ausgewirkt?

Klasse statt Masse

Weinbauminister Schneider nahm die Fragen von Baum zum Anlass, die Marktentwicklung der letzten Jahre sehr ausführlich aufzuzeichnen. Wobei gleich festzustellen ist, dass die Tendenz, zumindest bei den Mengen und beim Konsum im langjährigen Mittel nach unten zeigt. Aber: Qualitätsweine verkaufen sich besser als einfache Weine ohne AOP. Der Rückgang bei der Menge ist einerseits gewollt, weil die Winzer mehr auf Qualität setzen, zum anderen oft durch Witterungseinflüsse, wie 2019, bedingt.

Laut Schneider sind nahezu 90 Prozent der luxemburgischen Weine AOP zertifiziert. Etwa elf Prozent einer Lese ergeben Weine ohne AOP. Diese werden als Basisweine für die Sekt- oder Schaumweinproduktion nach Deutschland exportiert. Langfristig geht die Menge der ungekennzeichneten Weine deutlich zurück.

Zwanzig Prozent absolute Spitze

Bei den Qualitätsweinen nach AOP überwiegt die Einstiegsklasse „Côtes de…“ mit einem Anteil von 73 Prozent an den Stillweinen. Die Mittelklasse „Coteaux de…“ ist mit sechs Prozent am schwächsten vertreten. Die Spitzenweine, bei denen die Einzellagen (Lieu-dit) angegeben werden, haben in den letzten fünf Jahren einen Anteil von 21 Prozent bei den Stillweinen erreicht. Im Gesamtbild betrachtet, werden 25 Prozent einer Lese zu „Crèmant de Luxembourg“ weiterverarbeitet, Stillweine machen demnach drei Viertel der Ernte aus.

Schneider erinnert noch einmal daran, dass das AOP-Label nicht allein aufgrund von EU-Vorschriften geschaffen wurde, sondern aus dem Willen aller luxemburgischen Weinproduzenten zu mehr Qualität entstanden ist. Dazu zählt auch die bewusste Senkung der Erntemenge zugunsten der Qualität. Vor der Einführung des AOP-Labels lag der Hektarertrag im Jahresmittel - über einen Zeitraum von zehn Jahren - bei 103 Hektolitern. Nach der AOP-Einführung ist der Hektarertrag auf rund 81 Hektoliter gefallen - zugunsten der Qualität.

In Luxemburg ist, ähnlich wie in Frankreich, der Weinverbrauch innerhalb von zwanzig Jahren um rund zwanzig Prozent gesunken. Bei den Verbrauchern setzt sich mehr und mehr die Überzeugung „weniger, aber dafür besser“ durch. Seit 2014 liegt der inländische Jahresverbrauch von Luxemburger Wein bei rund 63.000 Hektolitern.

Wer weniger trinke, sei andererseits dazu bereit mehr Geld für bessere Qualität auszugeben, so die Überzeugung des Weinbauministers.