WALLHAUSEN/NAHEDAPD

Weingut „666 - Metal Wines“ an der Nahe will Headbanger überzeugen

Von außen sieht das kleine Einfamilienhaus mit angrenzendem Hof aus wie ein ganz normales Weingut - eines von vielen an der Nahe: Ein Familienbetrieb mit Stammkundschaft, einem Weingeschäft und einer Obstbrennerei. Doch tönen da nicht rockige E-Gitarren-Klänge aus den Fenstern? Gut möglich, denn neben dem traditionsreichen Weingut Schott gibt es hier, im rheinland-pfälzischen Wallhausen nahe Bad Kreuznach, noch ein weiteres: Das Weingut „666 - Metal Wines“.

„Etwas Neues“ wollte Michael Schott, Jungwinzer und gelernter Weinbautechniker, schon machen, nachdem er 2009 ins Familienweingut eingestiegen war. Es umzukrempeln, wie es viele Jungwinzer tun, „das war bei uns nicht nötig“, erklärt der 28-Jährige selbstbewusst. Also machte er seine zweite Leidenschaft - das Hören und das Spielen von gitarrenlastiger Heavy-Metal-Musik - zum Ausgangspunkt.

Wein statt Bier für Metal-Fans

In einer Band lernte Schott den Mediengestalter Tobias Schäfer kennen - „666 Metal Wines“ ist ihr gemeinsames Projekt. Der 2011er „Stoner Rock“ und der 2010er „Black Hills“ sind die ersten Metal-Weine. „Stoner Rock“ ist ein Cuvee aus Scheurebe, Riesling und ein wenig Sauvignon Blanc, der dunkle Rotwein wird geprägt von der Dunkelfelder-Traube, gemischt mit Regent. Im Metal-Jargon klingt das allerdings ein wenig anders: „Es ist Dein Festival. Deine Lieblingsband spielt. Du riechst die steinige Erde. Willst die reine Natur schmecken. Jemand reicht Dir ’ne Pulle ’Stoner Rock‘! Das ist Dein Moment!“

„Wir wollen an die Metal-Szene ran“, sagt Michael Schott, genannt Michel. Dass Fans der harten Rock-Töne nur Bier trinken, sei nämlich ein Vorurteil. Wein erlebe „einen totalen Boom“, sagt der Winzer, und das merke man auch bei Festivals oder Konzerten. Die Mitglieder seiner neuen Band Promince kommen allesamt aus der Weinregion Nahe. Geprobt wird im Weingut Schott - und dabei wird gerne auch die eine oder andere Flasche Wein geleert. „Unsere ganzen Songs sind vom Wein inspiriert“, sagt Schott schmunzelnd. Was habe da näher gelegen, als Wein und Musik zu verbinden?

Slogan: „Metal up your ass!“

Zumal diese Idee so ganz neu nicht ist: Die Toten Hosen machen seit einigen Jahren einen Wein zusammen mit dem Nahe-Weingut Tesch. Auch international ist das Phänomen verbreitet. The Police, Pink Floyd, die Rolling Stones, sie alle vertreiben längst ihren „eigenen“ Wein. Je 1.000 Flaschen Weiß- und Rotwein wurden in diesem Jahr abgefüllt, 200 sind schon verkauft. Im Frühjahr wollen die beiden Metal-Weinmacher bei den Hard Rock Cafés im Land anklopfen. Das Backstage-Catering beim berühmten Metal-Festival in Wacken „wäre ein Traum“, gesteht Michel. Für die Weinszene wäre das wohl eine kleine Revolution - aber schließlich ist ja auch Metal Ausdruck von Rebellion. Im Frühjahr wird Schott mit seiner Band Promince in Köln spielen, dann soll es die erste Metal-Wein-Probe geben: Mit Live-Konzert und von der Bühne aus moderiert.
www.metal-wines.com