LUXEMBURG
LIZ MIKOS

In Corona-Zeiten bekommt „Vakanz doheem“ eine ganz neue Bedeutung

Alles war anders geplant. Geburtstagsfeier mit allen Freunden und Familie, drei Tage nach London mit meinem Bruder und anschließend den Rest der Woche ruhig ausklingen lassen. Dann kam Corona, mein Urlaub blieb bestehen, wurde aber von London auf die Couch verlegt, statt British Breakfast gab’s Pizza im Karton und statt großer Feier konnte ich mich während ganzer drei Tage über Kuchen freuen - so können sich Pläne also ändern.

Nicht, dass ich die größte Planerin wäre - es war tatsächlich das erste Mal seit langem, dass eine Woche schon Monate im Voraus so durchgetaktet wurde. Aber nun sieh mal einer an, wozu das führt... Über den abgesagten Trip war und bin ich natürlich nicht sonderlich begeistert, aber wie sagt man so schön: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Aber genug mit den Floskeln und dem Bedauern, denn tatsächlich war der Quarantäne-Urlaub, anders als befürchtet, äußerst unterhaltsam und hatte jede Menge kleine, schöne Überraschungen parat.

Feier in Isolation

Damit, dass die Geburtstagsfeier im Hausarrest eine der memorabelsten meines Lebens wird, hätte wahrscheinlich niemand gerechnet. Viele meiner Bekannten und Freunde sitzen im selben Boot - wir armen März- und April-Kinder - teils sogar völlig allein und befinden sich derzeit wohl noch in Ungewissheit: Werde ich nur mit hässlichen Fotos auf den sozialen Netzwerken überrascht?

Ich hatte mich jedenfalls auf einen gewöhnlichen Tag, im Gammel-Look, mit Kuchen und einem schiefen aber lieb-gemeinten „Happy Birthday“ eingestellt. Dass die Torte nicht fehlen würde, war mir klar - es ist nämlich jedes Jahr der einzige Wunsch den ich wirklich äußere. Ebenfalls sicher, war, dass der Tag im allerengsten Kreis stattfinden würde: Mutter, Vater, Bruder, meine zwei Kater und ich. Mit Geschenken vor der Haustür, dem Blumenlieferanten, süßen Videos, in denen Freunde singen und etlichen Video-Calls - unter anderem mit Opa und Oma - hatte ich nicht mehr gerechnet. Virtuell anstoßen fühlte sich beim ersten Mal irgendwie falsch an, die Male danach ganz lustig und mittlerweile ist der „Facetime-Apéro“ bei vielen sogar schon zur Wochenendtradition geworden. Wie kreativ die Menschen sind, die einem nahestehen, wird in dieser Zeit erst wahrhaftig deutlich. Von daher an alle, die noch ein wenig Angst haben, an Tagen, die man eigentlich lieber mit der gesamten Familie teilen möchte, alleine zu sein: Lasst euch überraschen - womöglich schlummert auch in euren Bekanntenkreisen der eine oder andere kreative Kopf, der gerade alle zusammentrommelt um euch einen sensationellen Quarantäne-Tag vorzubereiten.

Entdeckungen aller Art

Nach dem großen Feiern, die große Ernüchterung und Langweile - dachte ich. Dem war allerdings nicht so. So viel, wie in der einen Woche Hausarrest-Urlaub, habe ich schon lange nicht mehr bei mir zuhause entdeckt, denn auf einmal konnten Dinge wie Aufräumen, Schrank ausmisten, Bücher neu sortieren und Auto waschen nicht mehr endlos aufgeschoben werden, wenn man nicht nur rumhängen wollte. Auf einmal war es wieder da, das seit Wochen vermisste Shirt, oder der Pulli, von dem man nicht mehr wusste, dass man ihn überhaupt besitzt. Bücher sind nicht mehr planlos in ein Regal gestopft, sondern nach „gelesen“ und „nicht gelesen“ sortiert, sodass einem klar wird, wie riesig der sogenannte Stapel ungelesener Bücher (SuB), wirklich ist - gut, dass ich eben wieder vier neue bestellt habe (lokal selbstverständlich!). Ja... Lesen ist auch so schön. Wusste ich schon vorher und fast nichts habe ich lieber getan als in fremde Welten zwischen zwei Buchdeckeln abzutauchen und die reale Welt auszublenden, aber wenn einen der Alltag einholt, wird die Zeit, die man in diese entspannenden Momente investiert auch wieder geringer... Beim Quarantäne-Urlaub konnte das wieder in vollen Zügen genossen werden und der SuB ein klitze-kleines Bisschen schrumpfen, um dann gleich wieder zu wachsen.

Beim Aufräumen sind unter dem Bett auf einmal auch Spielzeuge meiner Kater wiederaufgetaucht. Jetzt weiß ich dann auch, was sie mir mit dem etwas aggressiveren Unterton vermitteln wollten. Es war keine neuartige, arrogantere Attitüde, sondern lediglich der Wunsch, diese blaue Plüschmaus, die sie anfangs nicht einmal mit einem Blick würdigten, zurückzubekommen. Man will halt immer das, was man nicht haben kann, selbst die Flauschmonster. Nun ist sie erneut im Besitz der Fellknäuel und hat schon nach gut einer Stunde ihren Reiz wieder verloren.

Entspannung pur

Zu sagen, ich hätte nur sinnvolle Dinge getan, wäre dann allerdings doch gelogen. Beim Urlaub in den eigenen vier Wänden stand die Erholung immer noch an allererster Stelle. Wenn ich mich weniger konzentrieren wollte, griff ich nicht zum Buch, sondern fing an meine DVDs wieder aus allerlei Schränken hervorzukramen, immerhin hat Netflix gerade zu dem Zeitpunkt angekündigt, die Bildqualität runterzufahren. So entstand dann der Beschluss, während eines ganzen Tages, der Teenie-Nostalgie zu verfallen und meine Familie und Nachbarn unter anderem mit den Soundtracks von High School Musical und Mamma Mia zu beglücken. „We’re all in this together“ laut mitzugrölen, schien perfekt zur aktuellen Situation zu passen und Singen, wenn auch falsch, macht ja bekanntlich glücklich. Nach dem Gejaule hat sich auch niemand beschwert, wenn der Mittagsschlaf dann mal zwei Stunden statt 20 Minuten dauerte - endlich bisschen Ruhe.

Zur Ruhe kommt man aber auch bei einem Spaziergang an der frischen Luft - allein. Meine normale Route wurde irgendwann langweilig, entspannend, aber dennoch zu eintönig. Also mussten neue, alte Wege her, von denen ich schon vergessen hatte, wie schön sie doch sind. Also habe ich täglich, nach dem Nickerchen, einen neuen Fleck Wald erkundet und den beruhigenden Klängen der Natur gelauscht. Relaxen kann so einfach sein.