PARISCHRISTIAN SPIELMANN

Neue Produktion von „Notre-Dame de Paris“ im Pariser „Palais des Congrès“

Als das Musical „Notre-Dame de Paris“, nach dem Roman von Victor Hugo, 2014 erstmals in Luxemburg in der Escher Rockhal gespielt wurde, lautete die Überschrift der Kritik an dieser Stelle „Kalt wie Stein!“. Nach der Premiere der Neuproduktion im Pariser „Palais des Congrès“ muss man jedoch feststellen, dass es Regisseur Gilles Maheu mit kleinen Veränderungen geschafft hat, dem Musical von Richard Cocciante (Musik) und Luc Plamondon (Texte) Leben einzuhauchen.

Kleine Veränderungen

Seit der Uraufführung von „Notre-Dame de Paris“ am 16. September 1998 im Palais des Congrès sind über 18 Jahre vergangen, aber das Musical hat seinen Kultstatus in Frankreich nicht verloren. Garou als Original-Quasimodo wurde nie vergessen, und seine raue Stimme ist das Markenzeichen des buckligen Glöckners der Kathedrale Notre-Dame geworden. In der neuen Fassung spielt ihn der Italiener Angelo Del Vecchio, der diese Rolle seit 2011 kennt. Seine raue Stimme erinnert ganz klar an die von Garou, genau wie seine ganze Art, die jedoch überholungsbedürftig ist. Sein Höhepunkt ist die gefühlvolle Interpretation von „Danse mon Esmeralda“, ein Lied, das Gänsehaut erzeugt.

An der Geschichte von Quasimodo, der unsterblich in die Zigeunerin Esmeralda (Hiba Tawaji) verliebt ist, genau wie der Erzdiakon der Kathedrale Frollo (Daniel Lavoie) und der Gardehauptmann Phoebus (Martin Giroux), hat Maheu nichts verändert. Die Show fängt immer noch mit dem Hit „Le temps des cathédrales“ an, den der Poet Gringoire (Richard Charest; er spielte diese Rolle auch 2014 in der Rockhal) singt, und mit einer spektakulären Choreografie von Martino Muller. Verschiedene Tanzeinlagen sind weggelassen oder stark eingeschränkt worden, sodass die Schauspieler und Schauspielerinnen im Mittelpunkt stehen und natürlich die wunderbaren Songs, die das ganze Rückgrat des Musicals bilden.

Geschafft!

Zwischen verschiedenen Szenen sind kurze musikalische Introduktionen eingebaut worden, welche die Übergänge verbinden. Das Bühnenbild ist unverändert geblieben und so dient die Rückwand, die Fassade der Kathedrale, noch immer als Kletterwand für das Ensemble, aber nur in Szenen, bei denen diese Einlagen aus Gymnastik, Kampfsport und Tanz nicht stören. Einzig die Szene, in welcher der absolute Hitsong des Musicals „Belle“ von Quasimodo, Frollo und Phoebus gesungen wird, müsste von mehr Intimität profitieren. Wenigstens stören keine lästigen Choreografien in der neuen Fassung die Fantasievorstellungen der drei, was sie mit Esmeralda anstellen wollten.

Daniel Lavoie übernimmt nach 1998 erneut die Rolle des Priesters, nun mit grauen Haaren, und glänzt besonders mit seinem Solo „Être prêtre et aimer une femme“. Alyzée Lalande singt die Fleur-de-Lys, die Geliebte von Phoebus, die den Tod von Esmeralda fordert, sollte sie den Hauptmann jemals wieder lieben. Die Rolle vom König der „Cour des Miracles“ Clopin spielt Jay.

Die neue Produktion des Klassikers „Notre-Dame de Paris“ konnte mit wenigen Mitteln zu einem überaus sehenswerten Musical umgestaltet werden.


Weitere Informationen und Tickets unter

www.notredamedeparislespectacle.com