LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Ursprünge der chinesischen Zivilisation in einer einzigartigen Ausstellung im MNHA

Die Ursprünge und Entwicklung der chinesischen Zivilisation sind Gegenstand einer neuen Ausstellung im „Musée National d’Histoire et d’Art“ (MNHA), die ab heute für das Publikum geöffnet ist. Zu sehen sind zahlreiche archäologische Schätze von immensem Wert, die die großen Kulturleistungen in der zentralchinesischen Ebene Henan in einem Zeitraum von annähernd drei Jahrtausenden beleuchten. Die bedeutenden Leihgaben stammen größtenteils aus dem Henan-Museum, aber auch aus anderen wichtigen Einrichtungen.

Exponate von immensem Wert

MNHA-Direktor Michel Polfer sprach von einer prestigeträchtigen Ausstellung. „Dem Publikum wird die bislang unvergleichliche Gelegenheit geboten, sich mit der Entstehung der chinesischen Zivilisation vertraut zu machen, dies über rund 140 Exponate von allerhöchstem Niveau. Die chinesischen Kollegen sprechen in diesem Kontext von Objekten der Kategorie 1, demnach von nationaler Wichtigkeit für China. Angesichts der Größe Chinas und seiner reichen Kultur ist dies beachtlich. Wir können also von einer außergewöhnlichen Chance reden, diese Stücke hier zeigen zu können“, freute sich Polfer gestern während der Pressebesichtigung.

Gegliedert ist die Ausstellung in zwei verschiedene Teile. Der erste Bereich ist chronologisch aufgebaut, beginnend mit der Han-Dynastie während der Bronzezeit 200 v. Chr. Sie gilt als ein goldenes Zeitalter der chinesischen Geschichte. „Zu dieser Zeit formierten sich in China die ersten zentralen Staaten, die also wirklich von einem politischen Zentrum aus geführt wurden. Der chronologische Teil der Schau endet 200 n. Chr.“, erklärte der Direktor des MNHA. Der zweite Expo-Teil ist thematisch ausgerichtet. In diesen Räumen werden Objekte aus einem größeren Zeitraum ab der Bronzezeit bis ungefähr 1000 n. Chr präsentiert. Eine Auswahl an Exponaten aus drei Jahrtausenden kann demnach entdeckt werden.

Herausragende Rolle Henans

Die herausragende Rolle Henans in der Geschichte Chinas belegen zahllose archäologische Fundstätten, die im Eingangsbereich der Ausstellung auf einer Karte markiert sind. Henan (dt.: „südlich des [Gelben] Flusses“), in den großen fruchtbaren Tiefebenen Zentralchinas gelegen, gilt als Wiege der chinesischen Zivilisation. Die Bevölkerungsdichte war dort von Anfang an sehr hoch. In der Jungsteinzeit entwickelten sich an mehreren Orten entlang des Gelben Flusses erste Kulturen. Die ersten Staaten mit einer Zentralregierung entstanden schließlich in der Bronzezeit. Die Dynastien Xia (ca. 2070 - ca. 1600 v. Chr.), Shang (ca. 1600 - 1046 v. Chr.) und Zhou (1046 - 256 v. Chr.) gelten jeweils als frühe Staaten. Über 3.000 Jahre lang blieb die Region das Herz des kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Lebens in China.

Kult um das Material Jade

Zahlreiche Ess- und Trinkgefäße vorwiegend aus gebranntem Ton, aber auch aus Bronze, glasierter Keramik oder sogar aus Jade sind in den verschiedenen Sälen ausgestellt. In der Song-Dynastie (960-1279 n. Chr.) entwickelte sich indes Porzellan allmählich zum wichtigsten Material. Von großer Bedeutung in China war indes seit jeher das Mineral-Gemenge Jade. „Es war das gefragteste und wertvollste Material des Adels“, sagte Polfer. Dass es von sehr hohem Wert war, davon zeugt auch das chinesische Sprichwort „Gold ist wertvoll - Jade ist unschätzbar“. Im alten China bereits begann sich ein regelrechter Kult darum zu entwickeln. „Es wurde als Material gesehen, das die Verbindung zur Himmelssphäre und den Himmelsgöttern herzustellen vermochte“, merkte der Museumsdirektor an. Rituelle Gegenstände waren deshalb ebenso häufig aus Jade angefertigt wie Grabbeigaben in Form von Schmuck, Totenmasken oder sogar einem kompletten Gewand. „Man war nämlich davon überzeugt, dass Jade die Zersetzung des Körpers verhindern konnte“, so Polfer.

Apropos Grabbeigaben: Die alten Chinesen glaubten an ein dem irdischen Leben ähnliches Jenseits, in dem die Verstorbenen ihre Lieblingsgegenstände benötigen. Neben Behältern mit Essen und Trinken wurden in frühen Epochen zudem häufig Tier- und sogar Menschenopfer beigegeben. „Starb eine Person von hohem Rang, wurde sie in ihre letzte Ruhestätte von einer ganzen Reihe Menschenopfer begleitet, etwa von seinen bevorzugten Frauen, Musikern oder Dienern. In den Grabanlagen der Herrscherriege der Shang und Zhou wurden schon mal bis zu 350 Tote gefunden“, berichtete Polfer. Erst 384 v. Chr. wurde diese Praxis durch Herzog Xian von Qin abgeschafft, und die Menschenopfer wurden durch Statuetten ersetzt, die Angestellte, Dienstboten und Unterhalter darstellten.

Weiterentwicklung des Kunsthandwerks

Materielle Kostbarkeiten waren der herrschenden Klasse im antiken China sehr wichtig, weshalb sich das Kunsthandwerk ständig weiterentwickelte. Zahlreiche aufwendig gestaltete rituelle Gefäße aus Bronze, die übrigens nur einmal benutzt werden durften und anschließend vergraben wurden, sind ebenso im MNHA zu sehen, wie - vor allem im zweiten, thematisch ausgerichteten Ausstellungsbereich - Schmuck, Waffen, Statuetten oder mythische Wesen aus unterschiedlichem Material. Die Künstler, die für den Hof oder Adlige tätig waren, blieben übrigens anonym und genossen keinen besonderen sozialen Status.


Alle Infos unter www.mnha.lu