CLAUDE KARGER

Nach drei knallharten Jahren an der Spitze der britischen Konservativen hat Theresa May am Freitag ihr Mandat wie angekündigt niedergelegt. In wenigen Wochen, wenn die Tories denn einen neuen Chef gefunden haben, wird sie auch als Regierungschefin ersetzt.

Wenige Monate dann vor dem definitiv definitiven Austritt Großbritanniens aus der EU. Knapp drei Jahre sind es her, dass 51,9 Prozent von 72,2 Prozent Wahlberechtigten sich bei der von Mays Vorgänger David Cameron zur Beschwichtigung der Brüssel-Hasser in seiner Partei versprochenen Abstimmung am 23. Juni 2016 für das „Goodbye“ aus der Union entschieden.

Ein nie dagewesener Vorgang. Der Schock, der die EU erschütterte, Cameron wegblies, das Vereinigte Königreich spaltet und zum zentralen Anliegen der dortigen Politik wurde, hat sich noch lange nicht gelegt.

Es gibt auch nach zwei Jahren Austrittsdiskussionen und tage- und nächtelangen Debatten im britischen Parlament immer noch keine Klarheit, ob es einen geordneten Austritt der Briten aus der EU geben wird oder die Insel am 31. Oktober im Chaos versinkt, wenn das EU-Regelwerk dort plötzlich nicht mehr gilt.

Natürlich trägt nicht zuletzt Theresa May Schuld an dem Schlamassel. Während Cameron offensichtlich völlig unvorbereitet auf den Ausgang des Referendums war, scheint es rückblickend, als habe sie sich nicht genügend Zeit genommen, eine echte Strategie für die Austrittsverhandlungen auszufeilen und ihre Regierungsmannschaft darauf einzuschwören, geschlossen dahinter zu stehen. Dann kamen die vorgezogenen Parlamentswahlen von 2017. Als Offensive gemünzt, um die Kraft der Tories und Mays Legitimität bei den Austrittsverhandlungen - in die sie auch vielleicht zu viele „rote Linien“ reinbrachte - zu stärken, endeten sie im Verlust der absoluten Majorität der Konservativen und zwangen die Premierministerin mit der unionistische Partei Nordirlands in einer fragilen Koalition zusammen zu arbeiten. Trotz Dauer-Zurückruderns ab dem Moment und fiesem Gegenwind in ihrer Partei wollte sich May keine Blöße geben und vermied es, Allianzen mit anderen Parteien zu suchen. Die Annäherung an Labour kam am Ende viel zu spät und konnte nicht gelingen. Ein Grund des Scheiterns war sicher auch Mays Kommunikationspolitik. Statt Worte der Versöhnung zu finden, marschierte sie mit immer den gleichen Parolen durch. So stur und kalt, dass manche ihr schon den Spitznamen „Maybot“ verliehen hatten. Eine Geschichte des Scheiterns geht nun zu Ende.

Die spannende Frage ist: Wie geht es weiter mit der Führung Großbritanniens, die, wie manche meinen, eigentlich nicht mehr in die Hände der Tories gehört, die kürzlich bei der skurrilsten Europawahl der Geschichte auf der Insel nur mehr neun Prozent der Stimmen holte. Während der unsägliche Nigel Farage mit seiner Brexit-Partei aus dem Stand fast 33 Prozent holte und die Liberaldemokraten 20 Prozent. Aber die Tories werden sich an die Macht klammern und einen der ihren in einer zurecht als obskur gerügten internen Prozedur zum Chef und Premier bestimmen. Egal wer es wird: er oder sie müssen das Brexit-Gezerre so oder so beenden und den Briten ein Zukunftsprojekt vorlegen, das die Strasse hält. Ansonsten ist auch Sense mit der Partei von Winston Churchill und Margaret Thatcher.