LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Die erste „SGG Crossroads Conference“ setzt auf soziale Veränderung - mit Stars und Profis

Sie waren nicht sehr zahlreich, die rund 120 Gäste, die sich gestern im ING Gebäude zur ersten „SGG Crossroads Conference“ zusammenfanden - aber einflussreich. „Ich habe nur die Chefs eingeladen“, erklärt Serge Krancenblum. Er ist CEO des Fondsdienstleisters SGG, der in der Öffentlichkeit weniger bekannt ist, in Fachkreisen dafür um so mehr. Immerhin gehören mehr als 300 Fonds zu seinen Kunden, die Serviceplattform ist in 23 Ländern aktiv und verwaltet über 250 Milliarden Euro.

Die Konferenz trägt den Überzeugungen des CEO Rechnung. „Ich bin sicher, dass die Finanzindustrie eine große Verantwortung trägt. Investoren denken heute ganz anders, die wollen nicht nur Geld anlegen, sondern auch eine soziale Wirkung erzielen“, erklärt er. Da befinde sich die Industrie am Scheideweg und müsse beides vereinen - worauf der Name der Konferenz hinweisen soll, die beiden Seite zusammenbringen und neue Ideen vorstellen will.

Die eintägige Veranstaltung fand gestern zum ersten Mal in Luxemburg statt und soll künftig auch in anderen Ländern abgehalten werden. „Wir sind nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung“, insistiert Krancenblum. Für ihn ist „Compliance“ wichtig. Wie ernst es ihm persönlich ist, zeigte sich zum einen darin, dass der SGG-Chef persönlich zusicherte, zehn Prozent seines Gewinns zu spenden - also immerhin wohl einige Millionen Euro . Zum anderen hatte er die Konferenz ein Jahr lang vorbereitet und große Namen geholt, um dem Ziel der Sensibilisierung näher zu kommen.

Stargast des Tages war der irische Musiker Bob Geldof, der sich durch die Initiierung der Live-Aid-Konzerte sowie aufgrund seines sozialpolitischen Engagements gegen die weltweite Armutsentwicklung und für die Entschuldung der sogenannten Dritten Welt einen Namen gemacht hat und sogar mehrfach für den Friedensnobelpeis vorgeschlagen wurde. Geldof selbst sagte erst zu, als er von der Sinnhaftigkeit der Konferenz überzeugt war und fesselte das Publikum eine Stunde lang.

Aus Indien war Finanzminister Pierre Gramegna für ein Grußwort zugeschaltet, der auf die „green finance“-Initiativen verwies.

Myriam Vander Elst, Vizepräsidentin und Europachefin von „Epic“ sprach über Philanthropie. Epic erhält rund 3.500 Bewerbungen aus 100 Ländern und prüft sehr genau, bevor 36 Organisationen ausgesucht werden. Sie überzeugt Firmenchefs von Carrefour, Dior und anderen Unternehmen, Gehälter auf eine runde Zahl zu bringen, beispielsweise von 583 Euro auf 580. Die drei Euro werden dann gespendet. Das lohnt sich zwar erst ab rund 200 Mitarbeiter. „Aber oft geben die Unternehmen das Doppelte oder Dreifache dazu“, insistiert sie. Ihr wichtigster Job: Dafür zu sorgen, dass es ein genaues Wissen darüber gibt, was mit dem Geld gemacht wird. Dies Methode nutzt auch der Uber-Konkurrent Lyft - und fände dadurch immer mehr Kunden.

Roger Hartmann, der als Ex-UBS-Chef und Banker viel Erfahrung hat, sprach über „Compliance“, Patrick Scheurle, CEO von BlueOrchard, über „Impact Investing“, also die Investition in nachhaltige, soziale Projekte, die gewinnbringend sind. Derzeit haben die Schweizer rund fünf Milliarden in 350 Projekte investiert.

Der Neuseeländer und Ex-Profisurfer Nev Hyman schließlich stellte eine Produktion von Häusern vor, deren Module aus Plastikmüll gefertigt werden und warb für seinen in Luxemburg aufgelegten Fonds.

Vor rund zehn Jahren veranstaltete die „Banque de Luxembourg“ Konferenzen zum Thema Philanthropie, bis es nach der Gründung der „Fondation de Luxembourg“ still darum wurde. Krancenblum setzt auf den Erfolg seiner Konferenz. „Ich glaube nicht an Barmherzigkeit, aber ans Geschäft. Und hier sind alle Profis.“