COLETTE MART

Neben den Corona-Kranken und -Toten, neben den isolierten Menschen in Altersheimen, schält sich immer klarer heraus, dass die Geschäftswelt zum vorrangigen Opfer der Krise wird, und hier sind sehr viele Familien betroffen. Im hauptstädtischen Bahnhofsviertel erleiden die Geschäfte einen Kumul von Problemen. Neben der Trambaustelle, die den Alltag in diesem Viertel seit langem beeinträchtigt, kam die Ausgangssperre hinzu. Dass Betriebe, die bereits um die Jahreswende Probleme hatten, nicht auf Anhieb von den Unterstützungsmaßnahmen der Regierung profitieren, führt dazu, dass diese Geschäfte doppelt bestraft werden. Geschäftsleute haben Kredite, respektive Miete zu bezahlen, sie müssen ihre Familien ernähren, und auch, wenn sie staatliche Unterstützung in der Bezahlung ihrer Mitarbeiter bekommen, fragt man sich, wie sie es mit einigen Tausend Euro Unterstützung schaffen sollen, diese Krise zu überstehen.

Während also Mitarbeiter der öffentlichen Funktion, sowie auch Lohnempfänger noch einigermaßen gut, respektive glimpflich aus der ganzen Situation herauskommen (obwohl man nicht weiß, in wie fern die Zahl der Arbeitslosen mittelfristig zunehmen wird), haben tausende Familien aktuell bereits richtige Existenzsorgen, und hier wäre schlicht und einfach noch mehr nationale Solidarität gefragt. Geschäftsleute und Kleinunternehmer sind keineswegs alle reiche Leute, und oft bauen sich Familienbetriebe über Generationen auf. Sie gründeten über Jahrzehnte auf der Mitarbeit von Ehefrauen im Betrieb, die lange Zeit gar keine eigene soziale Absicherung hatten. Ein Geschäft aufzubauen fordert Mut und Initiative, oft auch Samstags- und Sonntagsarbeit, sowie, im Falle von Restaurants und Cafés, Schichtarbeit und lange Öffnungszeiten am Abend. Hier handelt es sich um eine Welt und um Sorgen, die viele Menschen in der öffentlichen Funktion nicht genug nachempfinden. Wenn man am Ende des Monats nicht automatisch ein Gehalt auf dem Konto hat, sondern genauestens nachzählen muss, was in der Kasse ist, wenn die Einnahmen zahlreichen Schwankungen unterliegen, wenn sie darüber hinaus wettergebunden sind, wie das vielfach in der Restaurant- und Kleiderbranche der Fall ist, ist man automatisch näher an regelmäßigen Existenzängsten.

Die Gehaltsempfänger in der öffentlichen Funktion sollten in diesem Zusammenhang bedenken, dass die großen und kleinen Betriebe in der Privatwirtschaft jenes Geld erwirtschaften, mit dem letztendlich die öffentliche Funktion in Luxemburg finanziert wird. Aus diesem Grund empfiehlt sich derzeit mehr Solidarität. Staat und Gemeinden sollten hier und jetzt öffentliche Gelder an den Privatsektor zurückgeben, eine proaktive Investitionspolitik betreiben, sich um die kleinen Geschäfte kümmern, und nicht zu viele Bedingungen stellen. Hinzu kommt, dass während der derzeitigen Pandemie die Menschen ihre Konsumgewohnheiten eventuell verändern, weil sie merken, dass sie auch mit weniger Kleider und auch weniger Reisen auskommen, weil sie einfach weniger Geld haben, oder weil sie vermehrt online einkaufen. Wie dies sich mittelfristig auf die Relance in der Wirtschaft auswirkt, ist ungewiss und besorgniserregend.