LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Julia Roberts als Mutter eines Drogenabhängigen in „Ben is Back“

Vor ein paar Wochen sah man Steve Carrell als besorgten Vater eines drogenabhängigen Sohns in „Beautiful Boy“ von Felix Van Groeningen. Der Film basierte auf realen Ereignissen und endete mit einem Schriftzug, der besagte, dass der Sohn seit acht Jahren clean ist, und das, weil sein Vater ihn nie aufgab. Auch Ex-„Pretty Woman“ Julia Roberts spielt nun in „Ben is Back“ von Peter Hedges Holly, die Mutter vom süchtigen Ben (Lucas Hedges; er ist der Sohn vom Regisseur), der an Weihnachten die Entzugsanstalt verlassen hat, um seine Familie zu sehen. Was aber mit Ben geschehen wird, ist nicht so ersichtlich wie in „Beautiful Boy“.

Der Hund ist weg

Außer seinen farbigen Halbgeschwistern Liam (Jakari Fraser) und Lacey (Mia Fowler), freut sich weder seine Schwester Ivy (Kathryn Newton), noch sein farbiger Stiefvater Neal (Courtney B. Vance) über die Rückkehr von Ben. Alle erinnern sich noch an seine Exzesse, wenn er high war. Nur seine Mutter gibt ihm eine Chance.

Bei einer Shopping-Tour sieht er ein paar alte Drogen-Kumpel wieder, aber abgesehen von einem freundlichen Gruß, lässt er sich auf nichts mehr ein. Als die Familie aus der Weihnachtsmesse nach Hause kommt, stellen sie fest, dass eingebrochen wurde. Außer dem Hund Ponce kam aber nichts abhanden. Ben geht davon aus, dass einer seiner alten Bekannten den Vierbeiner aus Rache mitgenommen hat. Mit seiner Mutter macht er sich auf die Suche nach
Ponce. Eine Reise durch die nächtliche Stadt beginnt, mit ihren heimlichen Ecken, wo sich Rauschgiftsüchtige und Dealer herumtummeln.

Wenig Neues

Lucas Hedges war 2017 für seine Rolle in „Manchester by the Sea“ für den Oscar nominiert. Er war außerdem in „Lady Bird“ (2017) und „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ (2017) zu sehen. Er spielt Ben mit genügend Nuancen, sodass man ihm sowohl die Drogenabhängigkeit anmerkt, wie seinen Willen, endlich aus diesem Teufelskreis herauszukommen. Zweimal hat er allerdings eine Tüte Heroin in Händen, und er lässt noch dazu in seinem Minenspiel Zweifel aufkommen, ob er es denn nun ehrlich mit seiner Mutter meint. Interessant ist der zweite Teil des Films, wo sich Holly und Ben auf die Suche nach Ponce machen. Stellenweise erinnern die Bilder an die Atmosphäre der Kriminalfilme aus den 1950er, wo man nicht richtig weiß, ob die Figuren gut oder böse sind. Julia Roberts kann in diesen Momenten gefallen, auch wenn sie nicht wirklich aus sich herausgeht.

Interessant ist außerdem Hollys Gespräch mit Ben über dessen Schuld am Tod des Mädchens Maggie. Allerdings wirkt dieses Plädoyer der Mutter halbherzig, da vergessen wird zu sagen, dass alle Menschen wissen, was Drogen bewirken. Somit handelt jeder aus freien Stücken, wenn er zu Drogen greift, so auch Maggie. Das Drogen-Milieu des Dealers Clayton (Michael Esper) wird ganz konventionell beschrieben, ohne neue Elemente. „Ben is Back“ gefällt eher durch ehrliche Beschreibung der Mutter-Sohn-Beziehung.