LUXEMBURG
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Diskussion der Schulorganisation im Gemeinderat Luxemburg

Die hauptstädtischen Gemeinderäte scheinen nunmehr in der schulischen Realität angelangt zu sein. Wie die Diskussion um die am vergangenen Montag vorgestellte Schulorganisation 2018-2019 verdeutlichte, hat die Rolle der Gemeinden in den letzten Jahren nämlich stark geändert. So legte das Schulgesetz von 2009 fest, dass das Schulpersonal dem Erziehungsministerium und nicht mehr den Gemeinden untersteht. Rat Carlo Back („déi gréng“) wies demnach darauf hin, dass sich die Aufgabe der Gemeinde lediglich auf die Verteilung des vom Ministerium zugestandenen „Kontingents“ auf die 19 Schulen der Stadt beschränkt. Er plädierte dafür, diese Verteilung gemäß dem Sozialindex vorzunehmen, sowie nach den in den verschiedenen Schulen erzielten Ergebnissen der im Zyklus 4.2. durchgeführten „standardisierten Tests“ zur Aufteilung der Kinder nach Sekundarschultyp.

Back wünschte sich eine Fusion der Schulen Rollingergrund und Eich, würden sich im letzteren Stadtviertel doch viel kleinere Klassen finden als im ersteren. Diese suboptimale Einteilung würde zu Frust bei Lehrern wie Schülern führen. Er appellierte von daher an Bürgermeisterin Lydie Polfer, hieraus eine Chefsache zu machen. Auch um das Problem der häufigen Lehrerwechsel auf dem Stadtgebiet (zehn Prozent der gesamten Lehrerbelegschaft, gab Back an), müsse man sich auf Chefebene kümmern. Die Koordination zwischen formaler Bildung (Schule) und non-formaler Bildung („Foyers scolaires“) sollte laut Back wie in der Vergangenheit ein Direktor übernehmen.

Tom Krieps (LSAP) sprach seinerseits von verlorener „Schulhoheit“. Den Gemeinden käme lediglich die Aufgabe zu, die Schulinfrastruktur zu verwalten und für eventuelle nebenschulische Aspekte Sorge zu tragen. In der Schulkommission, bedauerte er, falle damit die Diskussion um die Schulpolitik weg, „Kinder werden nie gehört“.

Gibt es einen „Schultourismus“?

Ein anderer Aspekt, den verschiedene Räte ansprachen, war der „Schultourismus“, der in der Hauptstadt Überhand zu nehmen scheint, obwohl es landesweite Kriterien dafür gibt, ob ein Kind ein anderes Schulgebäude denn das ihm gemäß Wohnsitz der Eltern zugeteilte besuchen darf. Rat Maurice Bauer (CSV) wies indes darauf hin, dass manche Schulen in der Stadt sich selbst als nicht attraktiv in ihrem „Plan de développement scolaire“ (vormals PEP, jetzt PDS) beschreiben. Der Rat empfand dies als alarmierend. Darüber hinaus wünschte er sich eine Öffnung der Schule für innovative Sportarten und das Einsetzen von Schülerlotsen. Erstaunt war er darüber, dass bei einer Schulbevölkerung von 5.000 Kindern vom schulischen Medizinservice nur 116 als übergewichtig eingestuft werden mussten. Dies sei „extrem weit unter dem europäischen Durchschnitt“.

Cathy Fayot (LSAP) dankte dem vor kurzem in den Ruhestand getretenen langjährigen Dienststellenleiter des „Service de l’Enseignement“, Fred Keup, für sein Engagement und die geleisteten Dienste, und wünschte seinem Nachfolger viel Erfolg. Sie wunderte sich darüber, dass trotz der Feststellung durch den medizinischen Schuldienst von verschiedenen Krankheiten bei Kindern, die auf einen Bewegungsmangel schließen ließen, die Anzahl der Posten im Schulsport im nächsten Schuljahr um eine Einheit reduziert wurde. Dabei werde von den Zuständigen ohnehin bereits ein Mangel angemahnt. Sie wünschte sich Zahlenmaterial über die Teilnahme an den vom Kinderbüro organisierten Aktivitäten, sowie dessen Besucherzahlen, soll dieses eltern- und kinderfreundliche Büro im Herzen der Stadt doch nun geschlossen werden.

Wann kommt die Ganztagsschule?

Cathy Fayot warf, wie einige Redner nach ihr, die Frage nach der Ganztagsschule auf und wollte wissen, wie es um dieses Projekt steht. An die entsprechende Motion, die der Gemeinderat in diesem Zusammenhang vor Jahren verabschiedet hatte, erinnerte Claude Radoux (DP). Und François Benoy („déi gréng“) sah kein wirkliches Vorankommen in diesem Dossier, das seit über vier Jahren „vor sich hindümpelt“. Er forderte, man solle es nicht bei dem im Bahnhofsviertel angedachten Pilotprojekt belassen, sondern auf dem ganzen Stadtgebiet Ganztagsschulen einrichten. In den Augen von Paul Galles (CSV) stellt die Ganztagsschule auch eine Möglichkeit dar, die Chancen jener Kinder zu verbessern, deren Familien riskieren, in die Armut abzurutschen. Ein anderer Redner fragte, ob auf dem Stadtgebiet, wie in anderen Ortschaften des Landes, eine „Ecole internationale“ eingerichtet werden könne. Interessant noch hervorzuheben, dass Claude Radoux die Auffassung vertrat, dass Ziel und Zweck der Schule das Lehren/Lernen (also Aneignen von Wissen) sei. Aus diesem Grunde gebe es eine Schulpflicht. Diese Ansicht teilte aber keiner der anderen Räte, die im Gegensatz betonten, dass es in der Schule auch um das Vermitteln von sozialen Kompetenzen gehe, und Kinder positive Emotionen bräuchten (Tilly Metz), beziehungsweise ein gutes und stabiles Umfeld, um lernen zu können. Während es vonseiten der ADR keine Stellungnahme gab, hatte sich Rat Joël Delvaux („déi Lénk“) vielen Vorschlägen seiner Vorredner angeschlossen. Dem abwesenden Rat David Wagner („déi Lénk“) wünschte Bürgermeisterin Lydie Polfer im Namen aller eine gute Besserung.

Am Montag erfolgen die Antworten des Schöffenrates und die wohl einstimmige Verabschiedung der Schulorganisation, haben die Grünen doch ihre Zustimmung angekündigt.