LOS ANGELES
BARBARA MUNKER (DPA)

Oscar-Nominierungen werden vielfältiger - „La La Land“ als Favorit

Eine Welle der Empörung über die „weißen“ Oscars wird es diesmal nicht geben. Zwei Jahre lang stand mit dem Twitter-Hashtag #OscarsSoWhite die mangelnde Vielfalt der Nominierten am Pranger. Schließlich hatten es bei den vergangenen beiden Oscar-Verleihungen keine Schwarzen in die vier begehrten Schauspielerkategorien der weltweit wichtigsten Filmpreisverleihung geschafft. Kurz nach dem Amtsantritt von Donald Trump und seiner weißen Männerriege in Washington trifft Hollywood mit seinen aktuellen Nominierungen nun aber voll ins Schwarze.

Hauptkategorien

Liste der Oscar-Nominierungen

BESTER FILM: „La La Land“, „Manchester by the Sea“, „Moonlight“, „Arrival“, „Fences“, „Hacksaw Ridge - Die Entscheidung“, „Hell or High Water“, „Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen“, „Lion“.

BESTER HAUPTDARSTELLER: Ryan Gosling, „La La Land“; Casey Affleck, „Manchester by the Sea“; Andrew Garfield, „Hacksaw Ridge - Die Entscheidung“; Viggo Mortensen, „Captain Fantastic: Einmal Wildnis und zurück“; Denzel Washington, „Fences“.

BESTE HAUPTDARSTELLERIN: Isabelle Huppert, „Elle“; Ruth Negga, „Loving“; Natalie Portman, „Jackie“; Emma Stone, „La La Land“; Meryl Streep, „Florence Foster Jenkins“.

BESTER NEBENDARSTELLER: Mahershala Ali, „Moonlight“; Jeff Bridges, „Hell or High Water“; Lucas Hedges, „Manchester by the Sea“; Dev Patel, „Lion“; Michael Shannon, „Nocturnal Animals“.

BESTE NEBENDARSTELLERIN: Viola Davis, „Fences“, Naomie Harris, „Moonlight“; Nicole Kidman, „Lion“; Octavia Spencer, „Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen“; Michelle Williams, „Manchester by the Sea“.

BESTE REGIE: Damien Chazelle, „La La Land“; Kenneth Lonergan, „Manchester by the Sea“; Barry Jenkins, „Moonlight“; Denis Villeneuve, „Arrival“; Mel Gibson, „Hacksaw Ridge - Die Entscheidung“.

BESTER FREMDSPRACHIGER FILM: „Toni Erdmann“, Deutschland; „Unter dem Sand - Das Versprechen der Freiheit“, Dänemark; „Ein Mann namens Ove“, Schweden; „The Salesman“, Iran; „Tanna“, Australien.“

BESTER ANIMATIONSFILM: „Kubo - Der tapfere Samurai“, „Moana“, „Mein Leben als Zucchini“, „Die Rote Schildkröte“, „Zootopia“.

Denzel Washington holt mit seinem Rassismusdrama „Fences“ gleich vier Nominierungen, darunter als bester Hauptdarsteller und als Produzent. Die in Äthiopien geborene Ruth Negga hingegen könnte mit „Loving“ ihren ersten Oscar als Hauptdarstellerin gewinnen. Sie spielt darin eine Schwarze an der Seite eines weißen Mannes, die in den 1950er Jahren um ihr Ehe-Recht kämpfen.

Großer Oscar-Favorit

Gleich drei schwarze Schauspielerinnen treten in der Sparte „Beste Nebendarstellerin“ an: Viola Davis für „Fences“, Octavia Spencer als afroamerikanische NASA-Wissenschaftlerin in „Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen“ und Naomie Harris in „Moonlight“ als drogensüchtige Mutter eines schwulen Jungen, der in Florida aufwächst. Das berührende Independent-Drama räumte gleich acht Nominierungen ab.

Der große Oscar-Favorit dieser Saison ist alllerdings „La La Land“: Das Musical katapultierte sich mit 14 Gewinnchancen in die Riege der meistnominierten Filme - das schafften vorher nur „Titanic“ aus dem Jahr 1997 und der Klassiker „Alles über Eva“ (1950). Die beschwingte Romanze „La La Land“ von Damien Chazelle erinnert an Musicalklassiker des alten Hollwood - vor allem Emma Stone und Ryan Gosling sorgen als tanzendes und singendes Paar für gute Laune und sind nun als beste Hauptdarsteller nominiert.

Auch Meryl Streep setzt ihres Siegeszug in Hollywood fort, trotz (oder gerade wegen) der schlechten Noten von Donald Trump. Der bezeichnete die 67-jährige dreifache Oscar-Preisträgerin jüngst als eine „der überbewertetsten Schauspielerinnen in Hollywood“. Streep hatte zuvor auf der Golden-Globe Bühne ein leidenschaftliches Plädoyer gegen den US-Präsidenten gehalten. Trump solle sich hüten, Ausländer und Außenseiter hinauszuwerfen. Streep ist unbestritten die meist nominierte Schauspielerin aller Zeiten. Für ihre Rolle einer untalentierten Opernsängerin in der biografischen Komödie „Florence Foster Jenkins“ schraubte sie nun ihren Rekord auf 20 Anwartschaften hoch. Ein überraschendes Comeback feiert der 61-jährige Mel Gibson. Vor 20 Jahren hatte er zuletzt mit „Braveheart“ einen Regie-Oscar gewonnen. Doch mit Alkoholeskapaden und einer antisemitischen Schimpftirade machte sich der gebürtige Australier in Hollywood zeitweise unbeliebt. Seine blutige Kriegs-Heldengeschichte „Hacksaw Ridge“ ist nun sechs Mal nominiert.

Auch Deutschland greift nach dem Goldjungen. Nun könnte Maren Ade mit ihrem Film „Toni Erdmann“ an der Reihe sein. US-Kritiker feiern die Vater-Tochter-Geschichte als „die lustigste deutsche Komödie“. Ade sollte für die Oscar-Gala am 26. Februar eine Dankesrede parat haben.