CLAUDE KARGER

Hier hat noch kein Martin Schulz gegen TTIP gewettert und auch kein Jean-Claude Juncker die Werbetrommel für seine Konservativen gerührt: Die Rede geht von einem Stückchen EU mitten in den Weiten des Südpazifik. „Rapa Iti ist die südlichste bewohnbare Insel Französisch Polynesiens, das als französisches Überseedepartement zur EU gehört. Ungefähr 400 Menschen leben auf der Insel, unter ihnen auch viele Kinder. Sie jagen Ziegen die Berghänge hinauf, spielen in den Taro-Feldern, helfen beim Brotbacken, essen Mangu-Blumen oder schwimmen in der Bucht“, beschreibt die Webseite des Europaparlaments die Insel „am Ende der Welt“, die bereits am Samstag für das zigtausende Kilometer abgelegene Dings in Strassburg wählt. Wobei nicht nur den Rapa-Itern das EP und der Europa-Zirkus in Brüssel ganz arg entfernt zu sein scheint. Manchen auf dem Alten Kontinent geht es da ganz ähnlich: Auch sie fühlen sich weit weg von der EU. Genau das ist derzeit das Riesen-Problem der Institutionen. Derweil sind sich Beobachter jetzt schon sicher: Die Wahlbeteiligung auf Rapa Iti dürfte sich in Grenzen halten, die Buckelwal-Show vor den Küsten mehr Leute anziehen als die - vom Südpazifik aus gesehen natürlich - Paradiesvögel, die um einen EP-Sitz kämpfen.