LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„Hamilton“ ist auch ein Musical-Hit in London

Das Musical „Hamilton“ von Lin-Manuel Miranda (Musik, Texte, Buch; er spielte ebenfalls die Titelrolle am Broadway) gewann elf Tony Awards, einen Pulitzer-Preis und einen Grammy für die Cast-Aufnahme. In Amerika ist das Musical der absolute Hit am Broadway, wo es seit 2015 läuft. Seit Dezember 2017 wird die Show auch im Londoner Victoria Palace Theatre gezeigt. Auch hier avancierte das Musical zum Renner, so dass die Tickets so rar sind, wie Gold in der Themse, und zudem recht teuer. Dass die Show in der britischen Hauptstadt erfolgreich ist, ist auf den unkonventionellen Stil des Musicals zurückzuführen, denn die Musik wird von Hip-Hop-, Rapp- und R&B-Klänge dominiert. Andererseits ist die Geschichte eine rein amerikanische, da der Titelheld Alexander Hamilton einer der Gründungsväter von Amerika ist. Der Kampf für die Eigenständigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika streift zwar die Chronik der Briten, doch muss sich der Zuschauer inmitten vieler Figuren und Ereignissen der Geschichte Amerikas zurechtfinden, und das kann verwirren. Deshalb der Rat, wenigstens die Biografie von Alexander Hamilton im Programmheft zu lesen oder am besten im Vorfeld.

Schauplatz: eine Art Scheune

Das Bühnenbild ähnelt einer Scheune mit einer Etage um die ganze Spielfläche herum, zu der Treppen hinaufführen. Mittels einer Drehbühne werden Requisiten und Darsteller transportiert. Der Mann, der Alexander Hamilton (Jamael Westman) in einem Duell tötete, Aaron Burr (Sifiso Mazibuko), erzählt die Geschichte. Hamilton wurde unehelich in der Karibik geboren und kommt nach dem Tod seiner Mutter nach New York, wo er Burr 1776 kennenlernt. Er gesellt sich zu den drei revolutionären Politikern John Laurens (Cleve September), dem Marquis de Lafayette (Jason Pennycooke) und Hercules Mulligan (Tarinn Callender). Er heiratet Eliza Schuyler (Rachelle Ann Go), pflegt außerdem eine Affäre zu ihrer Schwester Angelica (Allyson Ava-Brown). General George Washington (Dom Hartley-Harris) ernennt ihn zuerst zu seiner rechten Hand, dann zum Armee-Kommandanten. Von Zeit zu Zeit taucht der britische König George III. (John Robyns) auf, um seine Kommentare zum Geschehen in einer recht sarkastischen Art zu machen. Dann wird Thomas Jefferson (Jason Pennycooke) erst Außenminister, dann verliert er die Präsidentenwahlen gegen John Adams, um sie dann aber im Jahr 1801 mit Hamiltons Hilfe zu gewinnen. Dies verärgert Burr, und es kommt zum fatalen Duell.

Konzentration erfordert

Es gibt keine Dialogszenen, und so muss man sich voll auf den Gesang konzentrieren, der angesichts der benutzten Genres oft ganz schnell ist, und alle Informationen zur Geschichte enthält. Die Musik klingt extrem gut, auch wenn man weit vom klassischen Musical-Soundtrack entfernt ist. „Alexander Hamilton“, „My Shot“, „Helpless“, „Who Lives, Who Dies, Who Tells Your Story“ und speziell „The Room Where It Happens“ sind äußerst melodiöse Songs, die ins Ohr gehen. Interessant ist ebenfalls, dass die Lieder von König George ganz stark an die Musik der Beatles erinnert, von Miranda bewusst so gemacht.

Zweimal werden die Diskussion zwischen Hamilton und seinen Opponenten, wie Jefferson, als Rapp-Battle dargestellt. Beide Kontrahenten haben bei dieser „Cabinet Battle“ Mikrofone in der Hand und rappen ihre Argumente. Somit nimmt Miranda den geschichtlichen Kontext nicht so ernst, was auch die Tatsache beweist, dass unter anderem Burr, Washington und Jefferson von farbigen Schauspielern gespielt werden.

Das temporeiche Musical wird in absoluter Perfektion gesungen und getanzt, ist aber mit Ereignissen und Figuren überladen. Daher sollte man sich im Vorfeld über Hamilton und die Hauptbeteiligten informieren. Außerdem muss man etwa 230 Euro für eine Eintrittskarte einrechnen und wissen, dass die Sicherheitschecks streng sind. So muss man etwa eine Stunde vor Vorstellungsbeginn im Theater sein. Die vorbestellten Tickets erhält man nur gegen das Vorzeigen der Kreditkarte, mit der man sie bestellt hat. Aber dann kann „Hamilton“ Spaß machen.

Tickets und weitere Informationen unter www.hamiltonmusical.com/london