LUXEMBURG-KIRCHBERG
PATRICK VERSALL

Kinderproduktion „Karussell“ im Espace Découverte der Philharmonie

Ein überdimensionales, ovales Kunststoffzelt, errichtet auf einem runden Drehpodest, dominiert das Bühnenbild unter dem schwachen Scheinwerferlicht. Etwas versetzt hat der Cellist Karel Steylaerts links neben der weißen Stoffkuppel Platz genommen und stimmt das immer wiederkehrende Thema der „Pantalone“-Kinderproduktion „Karussell“ an, die noch heute zweimal im Espace Découverte der Philharmonie aufgeführt wird. Nach einigen Takten machen die jungen Zuhörer Bekanntschaft mit dem stummen Hauptprotagonisten des Stücks, den sie während einer knappen Dreiviertelstunde auf einer Weltreise - oder eher einer Karussellfahrt - durch ein Traumuniversum begleiten werden. Zu Steylaerts gesellt sich die Akkordeonistin Patricia Georges, das Musikertrio wird durch die Violinistin Katrien de Bièvre komplettiert, die der Hauptprotagonist aus dem Zelt schlüpfen lässt. Auf der Drehbühne nimmt die Reise durch unerforschte Welten und die vier Jahreszeiten schnell Fahrt auf. Die Idee der Jahreszeiten spiele eine wichtige Rolle, erklärt Filip Bral, der gemeinsam mit Regisseurin Heike Kossmann die Produktion ausgearbeitet hat.

Zu den repetitiven Kompositionen des Trios macht der Hauptprotagonist die Bekanntschaft mit einer kleinen Stoffpuppe, die - bis zum Ende des Spektakels - zu seinem ständigen Begleiter wird; unter einem Kunstschnee-Schauer entsteht aus Fatboy-Sitzsäcken ein Schneemann ehe der Weltreisende einen Seifenblasenschwall in ein imaginäres Glockenspiel umwandelt, mit dem er in das Spiel seiner drei musikalischen Musiker einstimmt.

Erstaufführung im Jahr 2007

Die Produktion, die vor sieben Jahren im Rahmen der Kulturhauptstadt für das CarréRotondes entstanden ist und aufgeführt wurde, versteht es, die Aufmerksamkeit der jungen Zuschauer ab zwei Jahren auf sich zu ziehen, ohne diese jedoch zu überfordern. Der Handlungsablauf ist schlüssig und auch dann verständlich, wenn Subtilitäten und Details wie das stets wiederkehrende musikalische Hauptthema oder die auf die Kompositionen abgestimmte Scheinwerferbeleuchtung nicht von den jungen Zuhörern erkannt werden.

Dabei liegt der Produktion keine richtige Geschichte zugrunde; es handele sich vielmehr um eine Aneinanderreihung einzelnen Szenen, erklärt Violinistin de Bièvre im Gespräch mit dem „Journal“. Drei Monate habe man ohne Musik geprobt, erinnert sich die Musikerin an die Entstehungsgeschichte der Produktion. Das Grundgerüst der Musikstücke bilden Improvisationen, neben der Musik setzt „Karussell“ auf die visuelle Aussagekraft u.a. des Gegensatzes von Licht und Dunkelheit, Bewegung und Statik. Das Visuelle würde auf jeden Fall dem jungen Publikum den Zugang zur Musik erleichtern, so de Bièvre.
„Karussell“ wird heute um 10.30 sowie um 14.30 im Espace
Découverte der Philharmonie aufgeführt - www.pantalone.be