LUXEMBURGCHRISTIAN SPIELMANN

„The Gentlemen“ ist eine Mischung aus Gangsterfilm und Komödie

Der britische Regisseur Guy Ritchie stand eine Zeitlang in den Schlagzeilen, weil er 2000 die Sängerin Madonna geheiratet hatte. Die Ehe wurde nach acht Jahren geschieden. Den Filmfan wird dies weniger interessieren als Ritchies Filme. „Lock, Stock and Two Smoking Barrels“ (1998), „Snatch“ (2000), „Sherlock Holmes“ (2009) und „King Arthur: Legend of the Sword“ (2017) waren alle durch seinen extravaganten persönlichen Stil geprägt. Weniger auffällig waren dagegen „The Man from U.N.C.L.E.“ (2015) und die Live-Action-Verfilmung von „Aladdin“ (2019). Nun hat er sich wieder auf seine ihm eigene Art und Weise besinnt, einen Film, „The Gentlemen“, mit einer Mischung aus Ernst und Witz zu drehen. Der Verlauf der Geschichte wird immer wieder durch die Augen eines anderen Protagonisten gezeigt. Das Ganze ist natürlich extrem rasant gefilmt und geschnitten, mit einigen Zeitraffern, die den Zuschauer entweder in der Zeit zurück- oder weiterführen.

Wer führt was im Schilde?

Drogenboss Mickey Pearson (Matthew McConaughey) trägt stets einen schicken Anzug, wie auch seine rechte Hand Ray (Charlie Hunnam). Pearson kommt in einen Pub, bestellt ein Bier und ein hartgekochtes Ei und wählt ein Lied in der Jukebox. Als er genüsslich den ersten Schluck trinken will, fällt ein Schuss. Blut spritzt auf das Glas und den Tisch. Im Zeitraffer beginnt sich das Rad der Zeit zurückzudrehen, und der Zuschauer erfährt erst einmal Pearsons Lebensgeschichte. Dann dreht sich alles um sein Marihuana-Imperium, das er in ganz England aufgebaut hat, ausschließlich in Herrenhäusern oder Schlössern der englischen Uperclass. Sein Geschäft will er an den stinkreichen Matthew Berger (Jeremy Strong) für die angemessenen Summe von 400 Millionen Dollar verkaufen.

Ein Detektiv, Fletcher (Hugh Grant), wurde vom Zeitungsverleger Big Dave (Eddie Marsan) engagiert, um Beweise gegen Pearson zu finden. Doch Fletcher will mitverdienen und bietet Ray an, für 20 Millionen Pfund alles Gesammelte verschwinden zu lassen. Hier beginnt Regisseur Ritchie so richtig Spaß an seinem Stil zu haben, und das Verwirrspiel im Kampf um Pearsons Imperium beginnt. So richtig durchsichtig sind die Handlungen von Lord George (Tom Wu), Dry Eye (Henry Golding) oder Coach (Colin Farrell) nicht direkt, und bis zum überraschenden Schluss weiß man nicht wer was im Schilde führt.

Blut und Gags

Ritchie scheint sich außerdem einen großen Spaß zu machen, mit vielen Anspielungen auf bekannte Gangsterfilme herumzuschmeißen. Viele zum Teil absurde Szenen regen die Lachmuskeln an, andere sind dagegen ernst und blutig. Sein Hauptanliegen ist es aber, dem Zuschauer immer eine andere Sicht der Geschichte zu präsentieren. Mal ist es die von Fletcher, mal die von Ray oder eines anderen Protagonisten. Wirklich irreführend ist Ritchies Stil jedoch nicht, sondern jede Wendung wirft neue Fragen auf. So fragt man sich, wieso dies oder das möglich war, und irgendwann kommen dann die Erklärungen.

Matthew McConaughey spielt mit viel Charme einen gutgekleideten superintelligenten Gauner, der mehr als ein Ass im Ärmel hat. Und er kann auch mal ganz böse werden. Hugh Grant bleibt trotz seines falschen Spiels stets ein Gentleman, auch ohne Anzug. Er versteht es vorzüglich seine Rolle mit viel britischem Anstand zu spielen. Charlie Hunnam verzieht dagegen kaum eine Miene.

„The Gentlemen“ ist ein äußerst origineller Film, sowohl von der Geschichte wie vom Stil her, und sollte daher nicht verpasst werden.