WALFERDINGEN
SIMONE MOLITOR

Nachwuchsjournalisten der Schülerzeitung „Fënnef Vir Zwou“ bei den „Walfer Bicherdeeg“

Als rasende Reporter sind an diesem Wochenende Schüler des „Lycée Robert Schuman“ bei den „Walfer Bicherdeeg“ im Einsatz. Sie führen Interviews und sammeln Material für ihr Infoblatt, das dann auch direkt während des Events verteilt wird. Zusätzliche Berichte über die Büchertage werden sie später in ihrer Schülerzeitung „Fënnef Vir Zwou“ veröffentlichen. Wir haben mit den beiden aufgeweckten Chefredakteurinnen Anna Schroeder (15) und Pauline Cano (17) geplaudert.

Zwei- bis dreimal im Jahr erscheint das Schülerblatt. „Die Zeitung gibt es nun seit sieben oder acht Jahren, und wir versuchen, eine pro Trimester rauszubringen. Rund 20 Schüler arbeiten mit. Alle zwei Wochen treffen wir uns, um zu bereden, was wir in unserer nächsten Ausgabe bringen, wie wir das Ganze aufbauen und was noch fehlt“, erklärt uns Anna. „Grundsätzlich zwingen wir niemandem ein bestimmtes Thema auf, das heißt, jeder kann über das schreiben, was ihn interessiert. Das kann eine Filmkritik oder eine Videospielbesprechung sein, ein Gedicht oder eine Kurzgeschichte. Wir haben auch politisch interessierte Schüler, die dann beispielsweise über die amerikanischen Präsidentschaftswahlen oder auch das Geschehen in der luxemburgischen Politik schreiben“, listet sie auf. „Interviews mit neuen Lehrern bringen wir ebenfalls oder stellen Neuheiten unserer Schule vor“, fügt Pauline hinzu.

Verkaufsschlager „Schumanskrop“

Im Mittelteil befindet sich derweil die Rubrik, derentwegen sich die Schülerzeitung so gut verkauft: der „Schumanskrop“. „Das ist unser Verkaufsschlager, der satirische Teil mit kleinen Witzen, Anekdoten und auch Karikaturen von Lehrern. Die meisten sind übrigens beleidigt, wenn sie nicht darin vorkommen“, schmunzelt Anna. Am Ende des Schuljahres wird außerdem ein „Year Book“ mit Rückblicken und witzigen Fotos veröffentlicht.

„Als Chefredakteurinnen leiten wir die Versammlungen, korrigieren die Artikel zusammen mit unserem Lehrer Luc Wildanger, beziehungsweise die älteren Schüler übernehmen diesen Part. Es ist unsere Aufgabe, den Überblick zu behalten. Was fehlt noch? Was könnte noch abgedeckt werden? Was kann in welche Rubrik eingebaut werden? Wir sammeln alles und kümmern uns dann auch ums Layout“, erläutert Anna. Die Chefinnen müssten sie aber selten raushängen lassen. „Wir haben relativ zivilisierte Schüler, die auch ordentliche Sachen liefern“, meint die 15-Jährige und lacht. „Wenn doch mal etwas nicht ganz politisch korrekt ist, bitten wir den Schüler, noch einmal nachzubessern“, ergänzt Pauline.

Kein Lehrer als Zensor am Werk

Auch der für die Schülerzeitung zuständige Lehrer, Luc Wildanger, muss selten den Rotstift ansetzen, geschweige denn die Rolle des Zensors übernehmen. „Früher musste ich deutlich mehr eingreifen und auch Tipps geben. Inzwischen ist das Ganze ein Selbstläufer. Die Schüler und besonders die beiden Chefredakteurinnen haben das nötige Gespür dafür entwickelt, welche Anekdote sie beispielsweise von einem ,Proff‘ erzählen können und was vielleicht doch etwas unter der Gürtellinie ist. Ich greife tatsächlich kaum noch ein, schlage nur manchmal vor, etwas ein bisschen umzuformulieren. Aber ja, meine Rolle ist wirklich mit der Zeit unwichtiger geworden, ich bin ein bisschen wie Steven Spielberg vom Regisseur zum Produzenten geworden. Immer wieder bin ich beeindruckt, wie viele Schüler mit so viel Begeisterung dabei sind und wie selbstständig sie mittlerweile arbeiten“.

Eine besondere Erfahrung für das jugendliche Redaktionsteam sind stets die „Walfer Bicherdeeg“. „Wir berichten über das Geschehen und führen Interviews mit Besuchern, Autoren, Politikern sowie Buchhändlern“, teilt Pauline mit. Es ist übrigens bereits das sechste Mal, dass das „Lycée Robert Schuman“ seine jungen Reporter nach Walferdingen entsendet. „Wir haben sogar schon ein paar Mal den Premierminister und den Kulturminister interviewt“, erzählt Anna nicht ohne Stolz. „Nach der offiziellen Eröffnungszeremonie gehen wir immer auf die Politiker zu. Meistens sind sie ganz freundlich und stehen uns gerne Rede und Antwort. Solche Interviews zu führen, hilft besonders den jüngeren Schülern dabei, sich ein genaueres Bild vom Job eines Journalisten zu machen und so vielleicht auf den Geschmack zu kommen. Noch dazu arbeiten wir direkt vor Ort. Die Gemeinde stellt uns einen Saal zur Verfügung, wo wir das gesammelte Material gleich in Artikel umsetzen können und unser Infoblatt, das dann sonntags verteilt wird, vorbereiten“, fährt sie fort. Das sei zwar schon etwas stressig, aber genau das gehöre ja zum Journalistenberuf dazu, weiß Pauline.

Ganz cool im Gespräch mit dem Premier

Und wie sieht es mit der Aufregung aus? Immerhin interviewt man nicht jeden Tag hochrangige Politiker wie Xavier Bettel… „Für mich ist das eigentlich ok, ein Mensch ist ein Mensch, ob es sich jetzt um den Premier oder eine Putzfrau handelt. Für mich ist jeder gleich und wichtig“, winkt Pauline ganz Profi ab. „Jedes Interview ist interessant, weil jede Person ihre besonderen Facetten hat. Aber natürlich ist ein Interview mit einem Minister eine Gelegenheit, die sich nicht so oft bietet, deshalb ist man dann doch vielleicht etwas aufgeregter“, gibt die 17-Jährige zu. „Auf ,Septième‘ hätte ich mich noch nicht getraut, auf den Staatsminister zuzugehen und ihm Fragen zu stellen. In der Schülerzeitung lernt man das mit der Zeit, man muss mehr aus sich herausgehen“, gibt Anna zu bedenken.

Für beide ist Journalismus übrigens durchaus eine spätere Berufsoption. „Es ist zumindest eine interessante Möglichkeit. Mir bleiben aber noch ein paar Jahre, um darüber nachzudenken. Ich würde später beruflich gerne viel reisen, und als Reporter kann man ja auch aus anderen Ländern berichten. Wenn ich wirklich einmal Journalistin sein sollte, würde ich etwas mehr auf die positiven Sachen eingehen. Natürlich darf man nicht vergessen, dass es Krieg und Armut gibt, aber die Welt hat auch ihre schönen Seiten. Darauf würde ich dann mehr Wert legen“, kündigt Pauline an. Für Anna dagegen soll es später eher in Richtung Naturwissenschaften, Mathematik oder Medizin gehen, wenngleich auch sie sich dem Journalistenberuf nicht komplett verschließt.

Wie sehen junge Leuten eigentlich die Zukunft der Printmedien? Pauline holt gleich etwas weiter aus, immerhin hat sie vor kurzem erst einen Artikel über genau dieses Thema geschrieben: „Meiner Meinung nach wird es immer Leute geben, die traditionelle Bücher und Zeitungen bevorzugen. Andererseits nimmt die Zahl derjenigen zu, die ihre Zeitung digital lesen, weil es meistens schneller geht. Es ist auch praktisch, wenn man etwa im Bus sitzt und sich über das Smartphone informieren kann. Noch dazu sind die Inhalte meistens gratis“. Doch die „Troisième“-Schülerin ist sich auch der Schattenseiten der schnellen Information über die sozialen Netzwerke bewusst: „Immer mehr Jugendliche informieren sich über soziale Medien, wo man aber sehr oft in eine bestimmte Richtung gelenkt wird. Viele hinterfragen die Informationen nicht, obwohl ja viele Fake News kursieren. Wer sich eine richtige und vor allem eigene Meinung bilden will, muss Berichte verschiedener Medien lesen. So mache ich es jedenfalls, aber ich weiß, dass ich da wohl eine der Ausnahmen bin“, lacht sie. Anna bevorzugt es auch eher traditionell. „Ich lese sehr gerne eine richtige Zeitung und auch richtige Bücher, ich mag dieses Gefühl von Papier in der Hand“, sagt sie.